Interview

Achtland im Interview

Bild: Kate Bellm; Prag PR

Achtland ist „Eine der größten deutschen Modehoffnungen. (…) Die beiden Männer haben in nur fünf Saisons geschafft, wofür andere Jahrzehnte brauchen – eine Handschrift zu entwickeln, die nicht langweilt. Einen Wiedererkennungswert zu schaffen, der trotzdem immer wieder überraschen kann“, schrieb die Süddeutsche Zeitung noch am 18. Januar diesen Jahres. Stimmt, sehe ich genauso! Ich habe den kritisch gestimmten Artikel über den Stellenwert deutscher Designer mehrmals gelesen, immer wieder neunmalklug genickt und am Ende gedacht:„Obacht! Gebt den Jungs (Thomas und Oliver habe ich bereits bei ihrer ersten Show bejubeln dürfen und mit Fragen gelöchert) noch ein wenig Zeit, dann sind sie definitiv nicht mehr aus dem internationalen Rennen wegzudenken.“

Jetzt, nicht mal ein Jahr später, sitzt Achtland in London und hat, ähnlich wie bei der Entwicklung einer unverwechselbaren Handschrift, den Standortwechsel in Höchstgeschwindigkeit gemeistert. Die bevorstehende Fashion Week in Berlin wird ohne „The ones who have succeeded“ (Vogue Italia, 01.2014) stattfinden, schade für die Veranstaltung. Während Anna Wintour, Suzy Menkes und Franca Sozzani die Kollektionen bereits persönlich sichten, habe ich die Chance genutzt und zum exklusiven Gespräch gebeten …

Ihr erlebt eine aufregende Zeit: Standortwechsel, Ateliersuche, neue Teammitglieder und jede Menge Impressionen von eurer alten/neuen Heimat London: Wie sieht euer Alltag momentan aus und vor allem, wo und wann zeigt ihr zukünftig eure Entwürfe?
Unser Alltag hat momentan noch keinen ganz so festen Rahmen – wir sind vor kurzem in unser neues Studio in Shoreditch, im Londoner Osten eingezogen und momentan verbringen wir noch einen Großteil unserer Zeit mit dem Set-Up von ACHTLANDs neuem Zuhause. Wir werden unsere Kollektionen ab der kommenden Saison hier in London zur Fashion Week zeigen. Noch haben wir uns nicht ganz entschieden in welchem Format wir künftig die Kollektion präsentieren werden, wahrscheinlich werden wir erst einmal ein etwas intimeres Format wählen um das Wasser zu testen.

Die deutschsprachige Presse verbindet euch und Achtlands einzigartig-elegante Silhouette gerne mit Berlin, bestärkt euch der Umzug zu kreativen Änderungen/einer bewussten Abgrenzung?
Wir bleiben unserer DNA im Kern auf jeden Fall treu – klare, elegante Silhouetten mit viel Liebe fürs Detail. Berlin ist eine kontrastreiche Stadt und die Spannung zwischen den vielen verschiedenen Gegensätzen, die diese Stadt in sich vereint, ist immer wieder in unsere Kollektionen miteingeflossen und somit ein wichtiger Teil von ACHTLANDs Identität geworden. Das bleibt auch weiterhin so.

LVHM, Kering (ehemals PPR), Prada Group – der Konkurrenzdruck von Modekonzernen ist gerade im Ausland zu spüren, wie behauptet ihr euch als relativ junges Unternehmen gegen die alteingesessenen Luxusmarken?
London hat sich in der Vergangenheit als ein sehr gutes Sprungbrett für junge Designer etabliert. Es gibt nicht nur Gegenwind, sondern auch viel Neugierde für Neues und eine große Bereitschaft zu unterstützen und zu fördern. Gerade an Beispielen wie Christopher Kane und JW Anderson kann man das gut sehen. Allerdings gilt es in jedem Fall, dass man der eigenen Marke eine Nische beziehungsweise eine ganz klare Identität geben muss, um sich behaupten zu können. Wir glauben, dass es viel Interesse an jungem Design gibt, jedoch muss man Kunden und Einkäufer jede Saison aufs Neue überzeugen. Gerade am Anfang immer wieder.

„Back to the roots“, London ist euch durchaus vertraut: Was waren damals/heute eure Pläne für die Zukunft?
Unsere Ziele haben sich eigentlich kaum verändert seitdem wir ACHTLAND gegründet haben: Wir wollen unserer Marke eine internationale Plattform geben. Der Schritt in Richtung alte Heimat ist der erste große Schritt in diese Richtung.

Abschlussfrage: Wir von Horstson fragen uns natürlich, wann wir mit Männermode „Made by Achtland“ rechnen können?
Hah! Eine gute Frage – das diskutieren wir untereinander auch immer wieder heiß. Wahrscheinlich wird es noch eine Weile dauern, bis wir uns dazu entschließen unsere Kollektion in diese Richtung zu erweitern. Das Ziel ist es natürlich, die ACHTLAND-Welt noch ein bisschen zu erweitern – von Accessoires zu Möbeln und bestimmt auch eines Tages Männermode.

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  • Siegmar
    5. Juni 2014 at 14:22

    wünsche ihnen in London viel Erfolg

  • peter
    5. Juni 2014 at 14:27

    Schönes Interview und eine gute entscheidung der Jungs für Internationalität!!!Sehr inspirierend!!!

  • Horst
    5. Juni 2014 at 21:17

    Auf die Männerkollektion warte ich schon ewig bei denen; würde ich gut finden!