Foto: Robin Kater for Louis Vuitton
Wir sind keine Regenbogenpresse. Wirklich nicht. Normalerweise widmen wir uns lieber Schnitten, Silhouetten und der Frage, warum ein Saum plötzlich wieder knöchellang sein darf. Doch manchmal bietet sich eine Gelegenheit, die selbst nüchterne Beobachter nicht ungenutzt lassen sollten – ein flüchtiger Blick auf die Rituale der sogenannten Reiche-und-Schönen-Sphäre – serviert in mehreren Gängen und mit diskreter Logoprägung.
So geschehen am 10. Februar 2026, einen Abend vor dem offiziellen Auftakt der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin.
Louis Vuitton lud zu einem exklusiven Dinner in die Hauptstadt. Anlass lieferte der Start der Internationale Filmfestspiele Berlin, im allgemeinen Sprachgebrauch Berlinale genannt. Freunde des Hauses, wie es im PR-Deutsch so schön heißt, versammelten sich zu einem Abend, der weniger von Kalorien als von Symbolkraft lebte. Wir selbst gehörten nicht zu den Eingeladenen – was den entscheidenden Vorteil hat, dass man ohne Menükarte, aber mit maximaler Unabhängigkeit auf das Geschehen blicken kann.
Unter den Gästen: Jella Haase, Heike Makatsch, Florence Kasumba, Clemens Schick, Sonja Gerhardt, Tom Wlaschiha, Trystan Pütter, Jeanne Goursaud und Alexandra Maria Lara. Ebenfalls gesichtet wurden Thea Ehre, Andrea Guo und Dana Herfurth sowie zahlreiche weitere Gesichter aus Film und Fernsehen.
Was genau auf den Tellern lag, ist nicht überliefert. Was getragen wurde, hingegen schon eher von Interesse. Denn bei solchen Abenden geht es nicht nur um Networking und höfliche Konversation, sondern auch um textile Diplomatie. Wer eingeladen ist, trägt selten Zufall. Es gilt als wahrscheinlich, dass einige der Anwesenden bereits in Stücke der aktuellen Louis-Vuitton-Kollektion gehüllt waren – eine diskrete, aber wirkungsvolle Vorschau auf die kommenden roten Teppiche.
Der Modekonzern positioniert sich damit einmal mehr als kultureller Begleitakteur eines Festivals, das seit Jahrzehnten versucht, Kunst, Politik und Glamour in eine fragile Balance zu bringen. Während draußen Berlinale-Besucher in Daunenjacken Schlange stehen, wird drinnen die internationale Filmkultur bei gedämpftem Licht und vermutlich perfekt temperiertem Weißwein begrüßt.
Doch warum berichten wir darüber? Nicht aus plötzlicher Neigung zum Promi-Protokoll. Sondern weil solche Abende einen seltenen Einblick in die Mechanik der kulturellen Inszenierung bieten. Wer sitzt neben wem, wer trägt wen, und wer nutzt den Anlass, um Präsenz zu zeigen, bevor die Kameras am roten Teppich klicken.
Oder anders gesagt: Wir schauen nicht in fremde Suppenteller. Aber wenn die Tischordnung selbst Teil der Inszenierung ist, lohnt sich ein genauerer Blick.




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