Hamburg, Neuer Wall, da, wo sonst Sneaker und Lifestyle präsentiert werden, dominiert derzeit Baumarktästhetik. OSB-Platten statt Schaufensterglas. Der Großteil der Luxusstores hat seine Auslagen vorsorglich verrammelt. Die Botschaft ist eindeutig: Man rechnet offenbar nicht mehr nur mit Demonstrierenden, sondern auch mit möglichen Randalierern.
Dabei klingt das Anliegen der Gen Z zunächst durchaus sympathisch: bessere Bildung, mehr Perspektiven, eine gerechtere Zukunft. Nur bekommt die Sache einen etwas schrägen Beigeschmack, wenn man sich die jüngsten Bilder von Schülerprotesten in Frankreich anschaut. Für bessere Bildung auf die Straße gehen und nebenbei Kleidung aus Geschäften mitnehmen – eine durchaus eigenwillige Interpretation von Chancengerechtigkeit.
Hamburg kennt dieses Drehbuch bereits. Beim G20-Gipfel 2017 wurden im Schanzenviertel Geschäfte geplündert, Schaufenster eingeschlagen und Existenzen beschädigt. Auch damals gehörten verbarrikadierte Ladenfronten zum Stadtbild. Die Rechnung für den vermeintlich revolutionären Einsatz gegen das Establishment zahlten am Ende vor allem Händler und Beschäftigte.
Natürlich darf und soll demonstriert werden. Auch laut, unbequem und mit Nachdruck. Aber Gewalt ist kein Protest, Plünderung keine Umverteilung und Sachbeschädigung kein gesellschaftlicher Fortschritt.
Vielleicht sollte man sich das vor der nächsten Revolutionsfantasie ins Stammbuch schreiben: Wer eine bessere Zukunft fordert, sollte nicht erst einmal die Gegenwart anderer zerstören.
Hamburg bekommt indes jedenfalls schon einmal ein neues Stadtbild. Weniger Schaufenster, mehr Sperrholz. Die Revolution trägt offenbar OSB.

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