Konzert

Wer ist Schiller? – Schiller @ Admiralspalast Berlin

Wer ist Schiller? Auf der einen Seite einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller und auf der anderen ein deutscher Produzent elektronischer Musik namens Christopher von Deylen. Meine Schiller-Zeit begann 1998 mit dem Glockenspiel und endete – übrigens wie meine Schulzeit auch – 2003 mit „Leben … I feel you (feat. Heppner)“. Das ist 14 Jahre her. Seitdem hat sich mein Musikgeschmack grundlegend geändert (von einer durchgehenden Retro-Trash-Ader mal abgesehen) und Schiller macht tatsächlich immer noch Musik. ‚Immer noch‘ deshalb, da die hauptsächliche Reaktion, die ich auf meinen geplanten Schiller-Konzertbesuch bekam, tatsächlich die Gegenfrage war: „Ach, den gibt’s noch?“. Warum sich also nicht mal davon überzeugen, dass es diesen von Deylen noch gibt und was er gerade so macht. Meine Vorstellung: Musik für die Generation, die mit ihm gealtert ist und Zusätze wie „Elektronik pur“ auf der Eintrittskarte mit einem kleinen Augenzwinkern versteht. Falsch gelegen.

21:05 Uhr. Während das verhältnismäßig alte oder mit mehreren Haarfarben gesegnete Publikum zum größten Teil bereits auf den Plätzen des Admiralpalastes saß, muss ich warten. Der Grund: Es liefe gerade das Intro und das möchte man nicht stören. Ist wohl so wie bei einer Yoga-Stunde: Wenn das Aufwärmen nicht stimmt, ist man einfach nicht im Flow. Ob ich wohl noch den Anschluss an den Spirit bekomme? Eine Frage, die sich mit Nein beantworten lässt. Nachdem ich im Anschluss an das Intro auf meinem Platz sitze, sieht man insgesamt 3 Musiker auf der Bühne. In der Mitte natürlich Christopher selbst. Im Hintergrund Aufnahmen aus aller Welt (schließlich hieß sein Album „Weltreise“) und im richtigen Moment hinter von Deylen in leuchtenden Lettern Songtitel wie „Ultramarin“. Umgehend wird gejubelt und geklatscht, als hätte er die Leuchtschrift selbst mit seinen bloßen Händen geformt und selbst auf den Lichtknopf gedrückt. Überhaupt fühlen alle den Vibe des Abends, außer mir. Das liegt vielleicht daran, dass ich das Intro verpasst habe oder aber daran, dass alles hier sehr ernst genommen wird. Was habe ich die vergangenen Jahre bei Schiller verpasst? Gar nichts oder alles? Und wieso haben so viele um mich herum die Augen zu? Die ersten Lieder sind vorbei. Tosender Applaus und eine erste Ansprache von von Deylen. „Vielen Dank, dass wir heute hier sein dürfen und vielen Dank, dass ihr uns zuhört. Es gibt gleich eine kleine Pause und dann geht unsere Reise weiter“. Eines ist sicher: Wer an diesem Abend weiterhin an dieser Reise teilnehmen will, sollte nach der Pause nicht zu spät kommen, wegen Flow und so.
Am Ende des Abends bleibt die Erkenntnis: In der Schule war ich für Friedrich Schiller zu jung und für Schiller bin ich es jetzt (zum Glück) auch noch.

1 Comment

  • Horst
    27. November 2017 at 12:18

    Ich leide mit Dir! Schiller fand ich schon immer, nun ja, „schwierig“.

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