Allgemein

Peters Cutting’s – Männer Models der Achtziger

Kommt man dieser Tage an Litfaßsäulen und Plakatwänden vorbei, wird man in fast allen Städten von der neuen H&M-Männerkampagne begrüßt. Tony Ward und Mark Vanderloo stellen die Modelle der Winterkollektion vor. Bei Mark Vanderloo kommt mir da in den Sinn, den gibt’s doch schon ewig. Der lächelte doch schon vor zwanzig Jahren aus der BOSS-Werbung??!!
Und schon sprudelte die Erinnerung bei mir und längst vergessene Namen kamen mir in den Sinn. In den Achtzigerjahren, mit Beginn der Supermodel-Ära bei den Frauen, kam die große Zeit von Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Karen Mulder, Cindy Crawford, Christy Turlington und Veronika Webb … und mit einem Mal kamen erstmals auch die Namen der bis dahin unbekannten männlichen Models an die Öffentlichkeit.

Modebewusste Männer der beginnenden Achtzigerjahre trugen in der Regel italienische Designer und Fabrikate: Strick von Umberto Ginocchetti, Gianfranco Ferré, Enrico Coveri und Missoni hatten ihre Hochzeit. Armani stieg zu einem der berühmtesten Designer auf und Valentino machte seine Herren- und die Jeanslinie populär. Junge Designer wie Romeo Gigli wurden lanciert und Italien galt als Mittelpunkt des männlichen Stils und Geschmacks.
Die neu aufkommende Sportswear wurde mit C.P. Company, Stone Island, Iceberg und den viel begehrten Best Company Sweatshirts ebenfalls mit Inputs aus Italien versorgt. Die Männer-Modebibel schlechthin war die monatlich erscheinende L’Uomo Vogue aus Mailand, herausgegeben von Condé Nast; photographiert wurde das Ganze von Bill King, Bob Krieger, Albert Watson und Arthur Elgort, den Photographen der Zeit.

In Deutschland machten die umtriebigen Gebrüder Holy die bis dahin biedere Marke BOSS zu der Modemarke mit internationalem Flair und legten den Grundstein des heutigen Mega-Weltkonzerns.
Dafür schalteten sie regelmäßig Kampagnen, die von Bob Krieger aufgenommen wurden, mit immer denselben Models, die den Lifestyle und die Welt ihrer Männermode repräsentierten.
Das besondere Objekt der Begierde, später zum BOSS-Mann erklärt, war das aus Florida stammende amerikanische Männermodel Michael Flinn. Flinn war bei der damals tonangebenden Agentur Wilhelmina unter Vertrag und repräsentierte perfekt den Männertypus der Achtzigerjahre. Eher ein bisschen gesetzt, das Alter kaum einschätzbar, machte er auf casual, elegant und smart. So wollte man (ich damals Anfang zwanzig) gerne sein. Zurück gegelte längere Haare, Sakkos mit überschnittener Schulter und oversized Lässigkeit-Kombinationen und so eine Art vorgegaukelter Mailänder Stil machten die Kampagnen aus.
Flinn war allover. Für fast alle italienischen Labels wurde er gebucht und die Photographen rissen sich um ihn. Auch das damals aufkommende Kultbuch, die Fitnesswelle rollte, Working out von Ken Haak, in dem Männer in kleinen Glanzsporthöschen und Speedos erklärten, wie man sich stählt, war mit Photos von Michael Flinn versehen. Eines der ersten Bücher, das zum Kultobjekt beim überwiegend homosexuellen Männerpublikum wurde. Michael Flinn legte den Grundstein zur Personifizierung von männlichen Models, die vorher Dressmen hießen und eher unbekannt – jedenfalls namenlos – waren.
Walter Schupfer, Marky Mark, heute wieder unter seinem Namen Mark Wahlberg bekannt und viele andere folgten. Anfang der Neunziger bekam der BOSS-Mann Gesellschaft und Mark Vanderloo tauchte das erste Mal in den BOSS-Kampagnen auf. Er scheint nicht zu altern, verändert nie grundlegend seinen Typ und gehört bis heute, und das seit Anfang der Neunzigerjahre zu den erfolgreichsten und meistgebuchten Male-Models der Welt.
Obwohl sich in den letzten zehn Jahren ein ganz anderer Modeltyp durchgesetzt hat, eher schmal, boyish und ultraskinny, sind bestimmte Models doch immer nachgefragt und haben eine unendlich lange Lebensdauer in der Branche, da ihre persönliche Ausstrahlung einfach in viele Zeitgeistphasen passt. Das Phänomen ist, dass das bei Frauen und Männern gleich ist. Naomi, Ines de la Fressange oder Kate Moss werden sich immer wieder dem unterschiedlichen Zeitgeschmack anpassen, bei den Männern ist es ebenso. Fast jeder Mann kann sich vorstellen, Klamotten zu tragen, die Mark Vanderloo präsentiert. Es sind die Klassiker der Branche. Auch Ralph Lauren hat Männer, die immer wieder in den letzten dreißig Jahren in den Kampagnen auftauchen. Vielleicht sind Menschen in der Mode doch gar nicht so austauschbar … jedenfalls nicht auf lange Sicht. Wenn sie sich gut wandeln können – ohne sich zu verwandeln.
Übrigens möchte ich heute nicht mehr wie Michael Flinn aussehen und ein Geheimnis verrat ich euch noch: Ich bin auch nicht mehr unsterblich in ihn verliebt. Den Valentino Katalog von Bill King aus 1984 hab ich aber dann aus Sentimentalität doch aufbewahrt, weil er der schönste Katalog ist, mit den tollsten Achtzigerjahre Männern …

Alle Bilder: Versace, Boss

  • thomas
    31. Oktober 2011 at 11:10

    das männerbild hat mir früher besser gefallen. heute sind es häufig bürschchen die mir von den plakaten entgegen lächeln

  • siegmarberlin
    31. Oktober 2011 at 11:52

    ich mag auch dieses H&M Plakat mit meinem Favoriten Tony Ward, Mark Vanderloo ist eine klassische Schönheit und der Typ “ Mann “ war tatsächlich ein Mann. Mich stört heute das 17 – 20 jährige Mode von Dior etc. vorführen, die sie selbst sicherlich nicht tragen würden bzw. auch nicht bezahlen könnten und diesem androgyne Ding kann nichts abgewinnen.

  • Horst
    31. Oktober 2011 at 20:09

    ich glaub (hoffe) da geht der modeltrend auch wieder hin…

  • Stephan Berlin
    1. November 2011 at 09:54

    Modefotografie ist wohl etwas irrationales. Auch bei den Frauen ist es nicht anders als bei den Männern, die Mädchen sind genauso superjung.
    Es gibt wohl kaum 16-jährige, die Chanel kaufen (jedenfalls in den westlichen Ländern). Michael Flynn aus den alten Boss Kampagnen ist GOTT SEI DANK heute nicht mehr das Schönheitsideal, außer vielleicht auf der Elbchaussee oder der Kö. Er würde heute viel zu uncool wirken, so daß ich denken würde ‚ oh Gott, der arme Kerl muß
    modeln‘. Auch wenn ich privat nicht auf Jüngelchen stehe, wirken sie
    doch cooler.