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Gucci Men Fall-Winter 2015 – Das Spiel mit den Geschlechtern

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Foto: Gucci; PR

Eine der umstrittensten und meist polarisierenden Kollektionen der jüngst stattgefundenen Herrenmodewochen war die Herbst-Winter Kollektion von Gucci. Die Reaktionen lagen zwischen totaler Ablehnung und frenetischem Jubel. Ähnlich wie bei PRADA ist es eine Kollektion, die im ersten Durchlauf eher verstört und sich erst nach mehrmaligem Betrachten erschließt. Meine ersten Gedanken waren, ob die Entwürfe eine Provokation durch den neuen Designer Alessandro Michele sind, um ein Statement des neuen Aufbruchs zu setzen? Oder hat der Praktikant aus Versehen den Rollständer mit den Blusen zur Schau gefahren?
Die Kollektion wurde im Vorwege von Michele und seinem Team komplett umgeworfen und die Models neu gecastet. Wahrscheinlich werden wir in der nächsten Kollektion dann den wirklichen Stil des Designers und seine Handschrift für Gucci sehen. Nun also eine Art Abschluss von Frida Gianninis Vorbereitungen mit ‚Styling by Michele‘.
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Fotos: Gucci; PR

Kommen wir zur Kollektion, die, ähnlich wie bei PRADA, ein Spiel mit und zwischen den Geschlechtern darstellt, wobei typische Gucci-Klassiker und Statements – denkt man sich das Styling weg – durchaus dabei sind. So tauchen alte Bekannte, wie der berühmte Gucci-Gürtel aus der Ära von Tom Ford, wieder auf. Mit Lammfell gefütterte Horsebit-Schlappen setzten ein lässiges, fast grungiges Statement, das die ganze Kollektion umweht. Die Models, es sind auch einige Mädchen dabei, sollen die Unabhängigkeit der Geschlechter symbolisieren und spielen mit den verschwimmenden Grenzen zwischen Mann und Frau. Micheles Inspiration dazu waren Independent Musikgruppen, die ihn auch zu den weichen Schluppenblusen aus Seide und den Spitzentuniken brachten, die so wirken, als seien sie direkt aus dem Kleiderschrank der Freundin gezogen.
Dazu werden etwas schrullige Accessoires, wie Baskenmütze oder auch handgestrickte Pullunder, kombiniert – sie betonen Intellektualität und geben dem Ganzen etwas Studentisches. Grundteile, wie der Militärmantel oder der Dufflecoat, kommen in jeder Gucci-Winterkollektion vor und sind separat gesehen sehr schöne Teile und können sicherlich auch vom „normalen“ Gucci-Kunden gut getragen werden.
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Fotos: Gucci; PR
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Fotos: Gucci; PR

Dechiffriert man die Kollektion, so steckt doch eine Menge der Heritage darin, die dem Haus komplett entspricht. Die Kollektion wirkt aber auch wie ein Aufschrei, sich ein bisschen von einer eher dem mittleren Alter zu gewandten Stilistik und der Arriviertheit, die Gucci zugeschrieben wird, zu befreien. Sicherlich ist sie für den Gucci-Freak ein wenig schockierend, aber man muss einfach abwarten, wie Michele seine eigene Vision umsetzt. Sicher keine leichte Situation – Umbrüche und Designerwechsel sorgen für Unruhe in einer Zeit, die für die meisten Labels aufgrund der Marktverschiebungen eher schwierig wird.
Aber vielleicht ist es auch genau die richtige Zeit, um etwas zu wagen und neue Statements für eine Marke zu setzen, die auf eine Heritage von Jahrhundert-Klassikern aufbaut und als wichtigste Marke in den Neunziger Jahren mit Tom Fords Sexyness die Mode revolutionierte.
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Fotos: Gucci; PR

Heute sind die Grenzen der Geschlechter längst aufgehoben. Alessandro Michele wird zeigen, wie er diesen neuem Zeitgeist und Weltbild begegnet. Wir sind sehr gespannt!

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  • blomquist
    4. Februar 2015 at 11:15

    Ich finde die Kollektion grandios.

  • Horst
    4. Februar 2015 at 11:29

    Ich find die auch super und die dass die Gürtel aus der Mottenkiste gezogen werden, find ich ganz besonders praktisch, da Blomquist noch einen solchen hat!! 😀

  • Siegmar
    4. Februar 2015 at 14:39

    ganz wunderbar, die Blusen sind nicht so meins, der Rest um so mehr.

  • jürgen
    4. Februar 2015 at 22:48

    dann bin ich hier mal der gegenpol … ich finde es scheußlich

  • Junikäfer
    5. Februar 2015 at 17:10

    In 5 Tagen komplett entstanden? So finde ich sieht das auch aus. Irgendwo zwischen Omas-Mottenkiste, Trödelmarkt und Mode-Student-Zwischenarbeit.

    Länge der Ärmel – ganz schlimm. Lammfell-Schlappen im Winter? Schluppenblusen – kriegen andere viel besser hin…

  • It’s Milano Babe – Guccis neuer Weg Winter 2015 | Horstson
    9. März 2015 at 17:14

    […] neuen Gucci Women’s Linie von Alessandro Michele, dem Designer des Hauses, in Mailand sah. Schon die Herrenkollektion im Januar, die mit dem Wechsel der Geschlechter spielt, gab einen Hinweis darauf, dass Michele scheinbar eine […]