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Festival International de Mode et de Photographie à Hyères

Festival International de Mode et de Photographie a Hyeres Chanel
Bild: Chanel

Dass Annelie Schubert, die auf der Hochschule für angewandte Kunst in Hamburg Modedesign studierte, das diesjährige Festival für Mode und Fotografie im südfranzösischen Hyères gewann, ist nur ein Grund, dass wir darüber berichten. Nachdem Schubert ihren Bachelor in der Hansestadt machte, ging sie zunächst zu Haider Ackermann. Ihren Master bekam sie dann von der Kunsthochschule Weißensee verliehen. Für den Talentwettbewerb in Hyères kombinierte sie nun in ihrer Kollektion Neuinterpretationen des Kleidungsstückes ‚Schürze‘ mit skulpturalem Design. Das überzeugte die Jury und bringt sie sicherlich demnächst ein Stückchen weiter auf der Modeleiter.
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Villa Noailles, 1995, Bild: Karl Lagerfeld

Hyères wäre mit seiner einmaligen Atmosphäre und seiner Location sicherlich mehrere Artikel wert. Alleine schon die Villa Noailles, in der das Festival stattfindet, ist ein magischer Ort der Architekturgeschichte. Wie kaum ein anderer Ort ist sie prädestiniert für kreativen Austausch und Ausstellungen. Genau dafür hat diese Ikone der Moderne immer gestanden. Künstler wie Salvador Dalí, André Gide, Breton, Artaud, Francis Poulenc, Serge Lifar, oder Aldous Huxley kamen gerne, um avantgardistische Theorien und neue Kunstströmungen mit den Besitzern zu diskutieren. Diese schienen fast schon einen seherischen Geschmack für die Moderne zu haben: Charles und Marie-Laure de Noailles, wohlhabende und einflussreiche Mitglieder der Pariser Intellektuellenszene, beauftragten 1923 den Architekten Robert Mallet-Stevens mit der Planung der Villa. Zunächst als kleine Winterresidenz geplant, erweiterte sich der Bau auf mehr als 15 Gästezimmer, Squashplatz, Pool und einer avantgardistischen Terrasse mit einem Steingarten. Als die Villa 1930 fertiggestellt wurde, entwickelte sie schnell zu einer Pilgerstätte der klassischen Architekturmoderne.
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Bild: Chanel

Die Villa selbst war ein verschachtelter bühnenartiger Baukomplex, dessen Funktion weniger dem Wohnen als der Repräsentation diente. Bestimmt wird das Bauwerk von der „Poesie des rechten Winkels“: Der aus kubischen Baukörpern addierte Komplex gleicht der Ästhetik der De-Stijl-Gruppe. Kunstwerke von Mondrian, Laurens, Lipchitz, Brancusi und Giacometti gehörten ebenso zur Ausstattung, wie Möbel des von Marie-Laure de Noailles geliebten Jean-Michel Frank. In Paris, am Place des États-Unis, hatte Jean-Michel Frank kurze Zeit zuvor ein noch viel größeres Haus komplett für die de Noailles‘ ausgestattet. Noch heute kann man die unglaublichen Ausmaße erahnen, wenn man dort die Maison Baccarat besucht: Neben Museum, Restaurant und Showroom, passen dort auch noch die gesamte Firma, Verkaufsräume und die Verwaltung hinein. Die de Noailles waren nicht nur unglaublich reich, sondern auch visionär und ermöglichten den Künstlern fast jede kreative Spielart.
Nach dem Tod in den Siebziger Jahren kaufte die Stadt Hyères das Gelände und das Haus. Seit nun mehr 30 Jahren werden dort in den Bereichen der Mode und Fotografie die zukünftigen Visionäre unserer Zeit gesucht und ausgestellt …
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Die Jury des diesjährigen Festivals, Bild: Filip Motwary

Jean-Pierre Blanc, Leiter des alljährlich im April stattfindenden Festivals, hat es geschafft, bedeutende Paten und interessante Sponsoren zu finden. Selbst erst 20 Jahre alt, als er das Festival 1985 gründete, hat er es zu der bedeutendsten Talentquelle der Luxusindustrie gemacht. Größen wie Henrik Vibskov, Viktor Horsting und Rolf Snoeren legten hier ihren Grundstein für ihre Karrieren.
Neben dauerhaften Partnern, wie dem Modehaus Chloé, das in jedem Jahr jungen Modedesignern mit dem Wettbewerb „Silhouetten“ die Möglichkeit gibt, bekannt zu werden, steht das Festival jedes Jahr unter wechselnder Schirmherrschaft für die einzelnen Kategorien und Jurys. Im letzten Jahr stieg dann Chanel als Hauptsponsor ein.
Zum 30. Jubiläum übernahm Chanel mit Karl Lagerfeld, Virginie Viard, Eric Pfrunder, Image Director von Chanel, Bruno Pavlovsky und vielen anderen das Programm und die künstlerische Leitung.
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Bild: Chanel

Die Atmosphäre lässt sich schwer in einem Artikel zu transportieren – sie ist von Kreativität, Austausch und Leichtigkeit mit partnerschaftlicher Unterstützung geprägt. Einen kleinen Eindruck kann man sich aber in dem Video am Ende des Berichtes verschaffen.
Die Villa wirkt magisch und scheint dieses Jahr besonders viele deutsche, niederländische und belgische Designer angezogen zu haben. In den Kategorien „Kreativität“, „Fotografie“ und „Mode für Frauen und Männer“ gibt es viele Workshops, Diskussionsforen und die Möglichkeit, sich immer wieder mit den Jurymitgliedern auszutauschen.
Den Modevorsitz hatte diesmal Virginie Viard übernommen. Seit fast vierzig Jahren arbeitet sie mit Karl Lagerfeld und leitet mittlerweile das Studio Chanel. Zur Jury hinzugesellt haben sich Loïc Prigent, der aktuell die Doku für Arte „Jean Paul Gaultier arbeitet“ abgedreht hat, Carine Roitfeld, Olivier Zahm vom „Purple Magazine“, der Musiker Sébastien Tellier, Ikone Caroline de Maigret und Caroline von Monaco, um nur einige zu nennen.
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Bild: Chanel

Die Kategorie „Fotografie“ ließ durch viele neue Techniken der Verfremdungen und die Sichtweise von jungen Fotografen die Entscheidung des Gremiums um Eric Pfrunder ziemlich schwer werden, sich für einen Preisträger zu entscheiden. Der Preis der Fotografie ging dann in dieser Saison final an den Niederländer Sjoerd Knibbeler.
Neben den Hauptkategorien gab es in Hyères auch einige Neben- und Sonderpreise, wie den „Preis der Stadt Hyères“ oder Geldpreise der Sponsoren.
Karl Lagerfeld und Bruno Pavlovsky, Président de la Division Mode bei Chanel, stellten sich Podiumsdiskussionen und Workshops. Gleichzeitig brachten sie „Innovation“ aus Paris mit – eine Ausstellung, die sich komplett der Haute Couture von Chanel widmet. „Innovation“ geht insbesondere auf die Techniken der Paraffection-Ateliers ein und man kann sie noch bis Ende Mai in der Villa de Noailles in Hyères besuchen.
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Bild: Chanel

Annelie Schubert kann sich nicht nur über 15.000 Euro Preisgeld freuen, sondern auch über die kreative Unterstützung der Chanel-Ateliers, mit denen sie zusammenarbeiten darf. Den „Chloé“-Preis gewann ebenfalls eine Deutsche: Anna Bornholds. Bornholds, die in Bremen Modedesign studiert, kreierte einen Overall komplett aus Nähgarn. Deutschland verfügt also über echte Talente, wie die Teilnehmer in Hyères erkennen lassen. Ein Umstand, der im allerdings im Ausland mehr bemerkt und honoriert wird als hierzulande.

Wir freuen uns mit Annelie Schubert und Anna Bornholds, die in Frankreich gut angekommen sind. Doch nicht nur das haben die beiden Designerinnen mit Karl Lagerfeld gemeinsam: Sie arbeiten auf eine Festanstellung bei einem Label hin, statt ein eigenes zu führen. Keine schlechte Entscheidung, wie Karl Lagerfeld findet, denn er fährt damit ja seit Jahrzehnten bei Fendi und Chanel äußerst gut …

Opening of the Hyères International Fashion and Photography Festival

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  • Siegmar
    28. April 2015 at 16:23

    toller Artikel und die Villa ist sicherlich ein Besuch wert, würde ich mir gerne ansehen. Den Gewinnerin wünsche ich das sie erfolgreich bei einem anerkannten Label einen Vertrag bekommen.

  • Tim
    28. April 2015 at 16:44

    Stimmt nicht ganz, die Deutschen haben auch den Nachwuchs entdeckt. Anna Bornholds hat letztes Jahr den Audi Award gewonnen.

  • Elke Kempe
    28. April 2015 at 20:41

    Das ist ja wieder ein toller Artikel, danke Dir,habe wieder viel dazu gelernt!