Milan Fashion Week

Fendi Spring-Summer 2016 – Karls Jubiläumsshow

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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bild: Courtesy of Fendi (PR)

1965, also vor genau fünfzig Jahren, kam Karl Lagerfeld zu den Geschwistern Fendi nach Rom, um das Pelzhaus mit seinen Designs und Ideen zu bereichern. Nach wie vor begleitet er, auch unter der Ägide von LVMH, das Haus, das sich vom reinen Pelzhaus zur internationalen Prêt-à-porter-Marke und einem der führenden Accessoire-Labels entwickelt hat. Zusätzlich entwirft Lagerfeld die von Fendi neu geschaffene Haute Fourrure-Kollektion – eine Tradition, die an die Wurzeln der Römer anknüpft und die früher das Basisgeschäft in den Salons des Palazzo Fendi darstellte.
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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bild: Courtesy of Fendi (PR)

In den letzten fünf Jahrzehnten hat Lagerfeld neben den berühmten ineinander verschlungenem „F“-Signaturen, die für „Fun Fur“ stehen und seit den Siebzigern die Accessoires zieren, alles erfunden und erdacht, woraus jetzt in vollen Zügen geschöpft werden kann. Kongenial agiert hierzu Silvia Venturini Fendi, die die Accessoires in Abstimmung mit Lagerfeld seit vielen Jahren kreiert und neben der Baguette-Tasche und der Peekaboo einen Verkaufsschlager nach dem anderen produziert hat. Das Haus zeigt traditionell zweimal im Jahr in Mailand ihr Prêt-à-porter und machen sich „mit Mann und Maus“ kurz vorher – komplett mit Ateliers, Schneidern und allem, was zur Arbeit benötigt wird – auf den Weg nach Milano, um dort der Schau und den Modellen den letzten Schliff zu geben. Neben Lagerfeld spielt bei Fendi auch seine Muse Amanda Harlech eine große Rolle, die mit ihm die gesamte „Accessoiriesierung“ und das Styling der Looks vor Ort erledigt.
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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bilder: Courtesy of Fendi (PR)

Eine von Karl Lagerfelds Lieblingsdekaden, die Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, mit der für ihn stilprägenden Exposition des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris 1925, die der gleichnamigen Strömung Art Déco ihren Namen gab, stand diesmal Pate für den Dekor der Show. Lagerfeld, der in den Siebziger Jahren einer der Wiederentdecker dieses Stils war und seine Wohnungen damit einrichtete, sowie eine der umfangreichsten Sammlungen anlegte, kommt immer wieder darauf zurück und lässt sich davon auch bei Drucken, Stickereien oder Ornamenten inspirieren. Meist mit konkretem Bezug, denn der Designer ist ein Mensch, der übergreifende Bereiche wie Mode, Kunst und Literatur verbindet. Aus diesem Mix schafft er es immer wieder, Zukunft mit Tradition in einem Kontext zu bringen, der Wissen transportiert – ganz en passant fügt Lagerfeld so der Kollektion Hochkultur als Mehrwert hinzu.
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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bilder: Courtesy of Fendi (PR)

Die „Concrete Trees“-Skulpturen des Künstlerduos Jan & Joël Martel – vier kubistische Betonbäume – aus dem Jahr 1925, wurden für einen Gartenbereich auf der Exposition des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris designt. Sie verkörpern für Karl Lagerfeld den perfekten Mix aus Architektur und Natur und erregten damals ungeheures Aufsehen wegen ihrer Modernität und Andersartigkeit.
Die Kollektion spielte hingegen stark mit Elementen der Neunziger Jahre, wie Jumpsuits, Bloomers und Blusen mit weiten Drapé-Ärmeln und setzt auf das Kleid, das in dieser Saison bei Fendi im Vordergrund steht. Geschnürte Verzierungen, die auch bei Fendi schon immer eine Rolle spielen, runden die Aussage ab.
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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bilder: Courtesy of Fendi (PR)

Edie Campbell eröffnete die Schau in einem fröhlichen roten Jumpsuit und Supermodel Karen Elson schloss in einem schwarzen Traum aus Leder die Präsentation. Dazwischen zeigten sich auf dem Laufsteg voluminöse Blusen und Kleider mit geometrischen Aussparungen und großen Taschen oder kurze Kastenjacken. Kontrastreich die Materialien – sommerlich leichte Seide, Organza und Baumwolle – und natürlich „fendi-like“ feinstes Nappaleder, Python und geschorener Nerz für kühle Sommerabende.
Über Rot, Coral, Bordeaux bis hin zu Oliv, Blau und Schwarz reichte die vielseitige Farbwelt. Gewürzt mit feinen Art Déco-Drucken auf dunkler Seide für Kleider und Blusen – auch hier ein Zitat des Dekors der Schau.
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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bilder: Courtesy of Fendi (PR)

Die Taschen und Accessoires, bei Fendi mittlerweile einer der Schwerpunkte und von starker Kreativität geprägt, ergänzen die Kollektion perfekt. Fast jede Tasche wurde durch einen „Strap You“, ein Trageriemen, den man an die Tasche anhängt, verziert. Der Franzose nennt es „Sangle“ und bei Fendi wird gleich wieder ein Hingucker draus, der zum eigenen Objekt der Begierde wird. Ob in Leder, in Python, mit Nieten, uni oder mehrfarbig – die „Strap Yous“ sind unverzichtbar für jeden Fan des Hauses.
Für den Launch des neuen Accessoires, das man natürlich auch an seine geliebte Peekaboo klippen kann, hat sich Silvia Venturini Fendi einen besonderen Clou einfallen lassen: Vorab ist das mit Fantasieblumen besetzte „Strap You“ in der Mailänder Boutique in der Via Montenapoleone erhältlich – allerdings limitiert auf 50 Stück. Im Frühjahr gibt es dann diverse Variationen und man muss kein Prophet sein, dass es wie fast alle Fendi-Accessoires ein Renner wird. Das Haus hat einfach eine gute Hand und mischt Tradition mit einem Augenzwinkern und Originalität.
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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bilder: Courtesy of Fendi (PR)

Dass nach fünfzig Jahren bei Karl Lagerfeld weder die Luft raus ist, noch, dass er in Fendi weniger Energie investiert, als in seinen Hauptarbeitgeber Chanel, sieht man deutlich an den Entwicklungen in den letzten Jahren. Das einundfünfzigste Jahr ist angebrochen und es wird damit die längste Kooperation fortgeführt, die ein Designer mit einer Marke hat. Es ist fast wie bei der Queen, die es in diesem Jahr auch geschafft hat, Königin Victoria in der Regierungszeit zu überholen.
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Fendi Spring-Summer 2016; Milan Fashion Week; Bilder: Courtesy of Fendi (PR)

Karl Lagerfeld hat Rom vom ersten Jahr an geliebt – vielleicht ist er deswegen so lange geblieben. Oder wegen der guten Pasta, die die Mitarbeiter der Ateliers immer kochen. Denn auch die hat einen legendären Ruf …

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  • Siegmar
    9. Oktober 2015 at 09:20

    Lieber Peter, schön geschrieben, irgendwie gefällt es mir aber nicht. Wo bleibt der eigentlich der Artikel über Chanels Airport? 😉

  • Monsieur_Didier
    9. Oktober 2015 at 11:59

    …ich hab eigentlich immer meine Schwierigkeit mit Fendi, irgendwie ist mir das immer etwas „altbacken und zu italienisch“ aber mir gefallen die Sachen auf den Bildern durchaus sehr gut…
    strahlend und sommerlich, und ich mag das rote Teil auf dem ersten Foto sehr…

    und bewundere Herrn Lagerfeld für seine Energie und Spürnase …
    nach so vielen Dekaden ein Phänomen…
    Hut ab…!!!

  • PeterKempe
    9. Oktober 2015 at 16:24

    @ Siegmar Da die Air France gestreikt hat und ich noch so zu sagen gestrandet war schreib ich erst heute ….sorry aber gegen höhere Umstaende bin auch ich machtlos …..

  • Die Woche auf Horstson – KW 41/2015 | Horstson
    11. Oktober 2015 at 12:04

    […] 3) Gucci hat die wohl beste Kollektion für Spring-Summer 2016 abgeliefert. Trotzdem werfen wir einen lohnenden Blick auf Fendi. 4) Für Horstson hat unser Gastautor „das heisseste Ding im Geolocating“ […]

  • thomash
    12. Oktober 2015 at 14:06

    super italienisch! da liegt was in der luft, es ist beinahe körperlich spürbar. und mit den bildern und kempes bericht wird diese italien-sehnsucht sogar noch etwas stärker.