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Daisydora

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Seid verschlungen, Millionen – die Chuzpe des Christian Wulff

Wenn noch mal so ein Totalausfall an den Mindestanforderungen seines politischen Amtes so kläglich scheitern sollte, wie Christian Wulff, dann muss man die Begriffe Anstand und Ehre neu überdenken.
Der Staatsanwalt wühlt sich noch durch Kontoauszüge und Unterlagen. Es steht noch nicht fest, ob es eine Anklage und vielleicht auch eine Verurteilung wegen Vorteilsnahme und Vorteilsgabe gegen Christian Wulff geben wird. Aber gestern durften wir erfahren, dass das Bundespräsidialamt schon mal mitteilen ließ, es sei wegen der Begründungsformulierung beim Rücktritt rechtens, dem Alt-Bundespräsident im zarten Alter von dreiundfünfzig den Ehrensold in Höhe von knapp 200.000 Euro und auch die weiteren lebenslangen Privilegien, zuzugestehen. So sei nun mal das Gesetz. Aha, es kommt also auf die Formulierung beziehungsweise die Begründung an, sich seine Pfründe zu sichern. Auch wenn man das nicht verdient, nach nicht mal zwanzig Monaten im Amt.

So ein Glamour-Leben an der Seite dieser erlesenen Freunde ist teuer, das haben wir gelernt. Und von irgendwas muss er schließlich leben, der Vater dreier Kinder, Ehemann einer glamouraffinen Frau. Obwohl, vor Beginn seiner Amtszeit sah er das noch so:

Christian Wulff über sein Leben nach der Bundespräsidentschaft und den Ehrensold, im ZDF, am 21. Juli 2010

Ob er sich daran auch so gut erinnern kann, wie an seine Bargeldreserven ….
Freuen wir uns also über die ausgleichende an Stelle der strafenden Gerechtigkeit, darüber, dass der Mann, wenn er es bis zu seinem 85. Geburtstag schafft, mit rund sieben Millionen Euro für Ehrensold und die präsidialen Goodies dabei ist.

Kann mir das bitte mal jemand erklären, wie das geht, ohne jeden Anstand jetzt auch noch die Hand aufzuhalten. Sich nicht mal zu schämen. Die Chuzpe macht ihm so schnell keiner nach!

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Ausstellung: Louis Vuitton – Marc Jacobs – 9.März bis 16. September im Les Arts Décoratifs in Paris

Es wird Frühling, auch in Paris. Zeit, mal wieder in unsere Lieblingsstadt an der Seine zu reisen, um dort der einen oder anderen Kaufempfehlung Taten folgen zu lassen und schöne Ausstellungen zu besuchen. Und wir haben da auch schon den ersten Tipp parat: Louis Vuitton – Marc Jacobs, fünfzehn Jahre Marc Jabobs für das Haus Louis Vuitton müssen schließlich gebührend gefeiert werden.
Habt ihr auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, welches Bild das gäbe, wenn man alle Arbeiten eines Designers für ein Label auf einmal sehen könnte? Das wäre im Falle von Marc Jacobs natürlich viel zu viel. Fünfzehn Jahre sind eine enorm lange Zeit als Chefdesigner, ganz besonders, wenn man nicht Karl Lagerfeld ist.

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Allgemein

Was trägt Mann auf Sylt und an der See?

Irgendwann fällt jedes Sansibar Fan-T-Shirt auseinander, das behaupte ich jetzt einfach mal und dann braucht man für Deutschlands reichste und schickste Insel was Neues anzuziehen, mit dem man unter all den Superreichen und Schönen nur angenehm auffällt.
Zum Beispiel helle und luftige Teile, aber auch etwas, das bei kühlem Wind wärmt. Alles schick, aber auch bequem genug, weil es ja Freizeit ist, die der Mensch hier verbringt. Mal sehen, ob es mir mit meiner Auswahl gelingt, die Stimmung aufzufangen und den Nerv der Insulaner zu treffen.

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Allgemein

Ein Münchner in Himmelblau und Rosa

Wo könnte man Himmelblau besser tragen, als in der bayerischen Landeshauptstadt. Dort, wo der Himmel ein eigenes Bayerischer-Himmel-Blau zu haben scheint und bei jedem auch noch so kleinen Sonnenstrahl die Stühle vor die Lokale gestellt und die leichten Klamotten raus geholt werden.
Von so viel Sonne beschienen, hat sich ein lebenslustiges Völkchen zwischen Maximilan- und Leopoldstraße eingefunden, dem man modisch gesehen kein X für ein U vormachen kann; in München kennen selbst Profifußballer den Unterscheid zwischen Gucci und Pucci.
Aber selbst auf der Maximilianstrasse mit ihren gefühlt zweiundzwanzig Flagshipstores und Luxusläden trägt man nicht nur Tom Ford und Dior Homme in Schwarz, Anthrazit und Dunkelblau … um dem Bedürfnis nach münchentypisch schicken Männeroutfits für die wärmeren Tage nachzukommen, habe ich da etwas rausgesucht, das vielleicht in Ansätzen Stereotype von sehr gut motorisierten Leistungsträgern bedient, aber ich habe schließlich schon bei Düsseldorf das Bling-Bling, Philip Plein und Ed Hardy weggelassen 🙂

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Sind die was oder können die weg?

Es geht um Blumen-Anstecknadeln für den Mann.
Schnell den Stiel einer frischen Blume gekürzt und die Blüte ins Knopfloch am Revers oder an der Brusttasche gesteckt, das kennt man von festlicheren Anlässen. Mögen Männer das auch zum normalen Jackett und weniger offiziellen Anlässen wie einer Hochzeit? Und wenn ja, wozu würdet ihr so eine Ansteckblüte an der langen Nadel tragen?
Die beiden Hübschen hier sind übrigens aus Alber Elbaz Stoffblüten-Garten bei Lanvin. Die Nadeln machen garantiert keine grünen Flecke ins edle Jackett und die Blüte hält auch viel länger …
Was sagt ihr dazu?
Sind die was oder können die weg? Dann hätten wir diese Sti(e)lfrage schon mal für das Frühjahr geklärt, oder?
Gibt es hier für 110 Euro.

Milan Fashion Week

Bottega Veneta Fall/Winter 2012

Teile der Prêt à Porter werden immer couturesker!
Das trifft auf einen unserer Lieblings-Kreateure, Alber Elbaz, aber auch auf den deutschen Mode-Pragmatiker, Thomas Maier, zu. Unbeirrt vom großen Trend sehr weiter Silhouetten und verschobener Proportionen konnte man sich eine Schau lang von den klaren Vorteilen dessen überzeugen, dass eine Linienführung nach den Körperformen und perfekte Schnitte, ähnlich akribisch konstruiert, wie in der Couture, am Ende zu wunderbaren Outfits und einem sehr guten Look entwickelt werden können, der nicht weniger neu ist, als die Arbeit frenetisch bejubelter Kollegen.

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Milan Fashion Week

Jil Sander Womenswear Fall/Winter 2012

Mensch Mr. Simons, was für eine großartige und elegante Kollektion!
Der Modewelt noch einmal zeigen, was eine Harke ist … ob Raf Simons da schon wusste, dass das seine letzte Kollektion für Jil Sander sein würde? Egal. Auf jeden Fall knüpft er mit diesem Befreiungsschlag an seine allerersten Kollektionen für das Haus an, bei deren Anblick man aus dem Ahhhh und Ohhhh sagen gar nicht mehr rauskam.
Ich muss zugeben, nach seiner Jil Sander Menscollection, mit all den Schwarzen Leder- und PVC-Outfits etwas ganz anderes erwartet zu haben. Welch Ironie doch darin liegt, dass diese letzte Kollektion nun vielleicht seine beste für das Haus sein könnte.

Jedenfalls dürfte sie ganz nach dem Geschmack der Jil Sander Kundin sein und sich bombig verkaufen. Das war ein ununterbrochenes Defilée von wunderschönen Mänteln und Kleidern, die einen Hauch der Eleganz von Grace Kelly – aber auf der Höhe unserer Zeit – versprühten. Schon die zarten Farben, das vorherrschende Blush-Rosé, ein ganz helles Grau, etwas klares Rot und dunkles Blau, ein Milchkaffeeton, mal dunkler, mal ganz hell, und natürlich etwas Weiß und Schwarz wirkten als bewusst gesetzter Eleganz-Rundumschlag. Den Charakter der Kollektion dominieren die pudrigen Töne, mit denen man auch jenseits der Zwanzig immer jünger und frischer aussieht. Wäre es ein Nachteil für seinen Ruf als kreativer Kopf in der Branche gewesen, hätte er die Kundin und den Kunden immer so gut im Blick gehabt, wie diesmal? Gewiss nicht. Diesen Wettstreit absurd untragbarer Kollektionen können nur Modekonzerne führen, deren Parfum- und Kosmetiklinien nicht in Lizenz vergeben wurden.

Man wird Mühe haben, unter all den schönen Mänteln, die entweder als vollkommen verschluss- und kragenlose Double-Face Modelle oder als lange und glatte Trenches, nur einmal mit Gürtel, ansonsten offen getragen, zu haben sind, seinen Traummantel zu identifizieren. Ich rechne selbst mit einem fröhlichen aber längeren Anprobieren. Obwohl leichte Wollstoffe mit Kaschmir als Stoffe verwendet wurden, sind das wohl eher Mäntel für den Übergang zum Winter oder vom Winter zum Frühling. Warum nicht, das macht ja auch farblich Sinn, von Kopf bis Fuß in Puderrosé gekleidet, als vornehm-elegante Kirschblüte ins Frühjahr 2013 zu schweben.

Mit einem der sehr gelungenen Kleider darunter. Simons hat hier wie ein Komponist seine Ideen aus vergangenen Kollektionen wieder aufgegriffen und zu neuem Leben erweckt. Es gibt Cut-Outs, die sich aus eloquenten Schnitt- und Linienführungen ergeben, aber auch ganz feenhaft zarte Oberteile und daran angesetzte, mäßig schwingende Röcke, alles wirkt sehr modern, aber nie aufgesetzt und um Originalität bemüht. Das gibt diese Leichtigkeit, die man beim Anblick der Outfits empfindet, die der Trägerin bei ihrem Auftritt nicht die Schau stiehlt, sie nur schöner macht. Und dafür kauft man teure Designerlabels schließlich, oder?

Irgendwie schade, dass es nun – nach sieben Jahren Raf Simons für Jil Sander – mit dieser durch und durch brillanten Kollektion zu Ende ist …. Die Namensgeberein wird bei ihrer ersten Schau im Winter jedenfalls trotz ihres Genies Mühe haben, dem etwas nachfolgen zu lassen, das genauso akklamiert wird, wie Rafs letzte Symphonie …. frenetisch bejubelt, mit Standing Ovations von Ana Wintour, Suzy Menkes und der ganzen Fashion Crowd bedacht. Man darf gespannt sein, wohin das Schicksal den Könner Raf Simons trägt, der nun doch wieder zu seinem Genie zurück gefunden hat.
Das war der emotionale Abschied, aus dem Blickwinkel von Scott Schuman:

Und bitte, schaut euch auch diese fantastischen Schuhe an, wenn ihr euch traut und den Mut habt, dann schon jetzt in der Fantasie in einen Kaufrausch zu verfallen…

Milan Fashion Week

Die Rückkehr des Chasuble – Prada Womenswear Fall/Winter 2012

Dass ein jahrzehntelang aus der Mode gekommenes Kleidungsstück, dessen Name ich von meiner Großmutter väterlicherseits kenne, ausgerechnet bei Miucca Prada seine fulminante Rückkehr feiern würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Das Chasuble ist wieder da! Lang und offen vor sich hin flatternd. Praktischerweise für den Winter und ohne Bluse oder Pulli drunter – so ärmellos wie es ist, getragen. Kann kühl werden, aber das kümmert echte Fashion Victims ohnehin nicht.
Was für eine exaltierte Kollektion, die sich aber ganz cool und supermodern verkaufen will. Am besten, ihr schaut erst mal hier rein, bevor ich euch die Bilder der schönsten Looks zeige und ein paar Worte darüber verliere.

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Allgemein Milan Fashion Week

Flaschengrüner Gothik Glamour – Gucci Women Fall/Winter 2012

Signora Giannini wandelt auf den Pfaden der Luxusfrau ohne Berufsleben, für die sich jedwede businesstaugliche Tageskleidung erübrigt. Ihr konntet das ja schon im Stream der Schau verfolgen, das sind allesamt Outfits für schicke, festliche und elegante Anlässe oder für den Stadtbummel mit Freundinnen und der besseren Hälfte.
Warum die als Ahnfrauen frisierten Models gebleichte Augenbrauen tragen mussten, erschließt sich mir nicht. Frieda Giannini hatte den dekadenten Stil der Reichen im neunzehnten Jahrhundert vor Augen, als sie diese Kollektion schuf. Aber bevor das hier noch ein unwissenschaftlicher Exkurs zur neuen Fashion Anthropology wird, ein paar Worte zu den Outfits der Kollektion.

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