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„You Gotta Have It Or You’ll Die …“

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Constance von Hermès; Bild: 1stdibs

… die Diamond Blue Jean Porosus Double-Gusset Constance Bag aus Krokodilleder von Hermès mit Diamanten und 18 Karat Weißgold Schließe wird es für die meisten von uns vorerst wohl nicht werden. Das selbst für die Verhältnisse des noblen Pariser Sattlers edle und sündteure Prachtstück kostet(e) neu zirka 146.000 Dollar und ging erst in diesem Jahr bei einer Handtaschenauktion (Startpreis 40.000 Dollar) für ungefähr 100.000 Dollar an den neuen Besitzer.
Aber was eignete sich besser als Aufmacher meines kleinen Berichtes zu Handtaschen und dem Verhältnis, das Frauen dazu haben, als eine Tasche, die unerreichbar ist. Auf die Frage, „What makes a good bag?“ hat Tom Ford mal geantwortet: „You gotta have it or you’ll die …“
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Links: Tasche von Saint Laurent; rechts: Tasche von Bottega Veneta; Bilder: mytheresa

Seit Frauen um die Mitte des 19. Jahrhunderts mehr alleine auf den Straßen unterwegs waren, musste aus den seidenen, samtenen und handschuhledernen, oft sehr kleinen Beuteln, die aus der Byrsa oder Bursa, was ursprünglich mal der Geldbeutel der Männer war, entstanden waren, Handtaschen mit mehr Platz für Geld, Stofftaschentücher und Parfum werden.
Der Bewegungsradius wurde immer größer und die Industrielle Revolution brachte viele Frauen in Arbeit und kurze Zeit danach in Ausbildung oder Studium … man hatte also immer mehr in der Handtasche zu verstauen und nach dem ersten Weltkrieg brauchten die Frauen die Hände frei, was der großen Tasche mit Schulterriemen, die so etwas wie die Vorläuferin der heutigen Messenger Bag ist, den Weg in die Schränke vieler Frauen ebnete. Und kleiner wurden die Handtaschen seither nur dann, wenn es um feine Abendtäschchen und solche für „Ladies Who Lunch“ geht.
Die Handtasche ist die Toolbox Of Femininity … sie enthält alles, wovon wir glauben, darauf den langen Tag über nicht verzichten zu können und wir wollen insgesamt gut damit aussehen.

Frauen und ihre Handtaschen – an nichts kann man besser festmachen, welche Frau man modisch und wirtschaftlich gesehen vor sich hat. Daran ändern auch die immer besser werdenden Plagiate der Traumhandtaschen nichts. Und meistens beginnt das so um die zwanzig herum, dass man endlich zum Club gehören will und sich über die erste (relativ) „teure“ Tasche drüber traut. Irgendwie gehört das zum Erwachsenwerden, sich nicht nur von Hello Kitty sondern von all den bunten und mädchenhaften Täschchen mit Firlefanz zu trennen und seine erste echte Tasche zu kaufen. Wie fast jede Frau.
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Links: Tasche von Hermès (Bild: Christies); rechts: Tasche von Fendi (Bild: mytheresa)

Wenn ich das Auto stehen lasse und mit der U-Bahn oder Straßenbahn unterwegs bin, schaue ich am liebsten auf die Taschen der Frauen. Eine Angewohnheit, die ursprünglich nur damit zu tun hatte, dass ich sehen wollte, wer Plagiate trägt und wie viel davon auf ein Original kommen … und mir fällt auf, dass für fast alle Frauen die Handtasche auch Ausdruck des Status sein soll und als Accessoire genutzt wird, mit dem sich das Sozialprestige zumindest ganz oberflächlich aufpolieren lässt. Der Look oder Gesamteindruck wirkt wohlhabender oder gar reicher, wenn man eine gute Handtasche trägt, die nicht jeder kaufen kann. Und das hat in diesem Fall nichts mit gutem Stil und einem sicheren Geschmack zu tun. Es gibt auch weniger schöne Luxushandtaschen, die in diesem Sinne immer funktionieren.

Aber natürlich sollte es das Ziel jeder Frau sein, wenn man schon viel gutes Geld – heute leider immer jenseits der 1.000 Euro – für seine erste oder die zweite und so weiter werthaltige Handtasche ausgibt, macht es natürlich Sinn, diese Investition so gut zu überlegen; so gut, dass dann am Ende wirklich die beste Tasche im verfügbaren Budget bei einem landet. Und, das ging jedenfalls mir damals so, das kann am Anfang auch nicht ganz rund laufen … es braucht Vorbilder und etwas Zeit, bis man den richtigen Blick für stimmige Proportionen und die perfekte Handtasche, die auch zum Bewegungsmuster passt, findet.
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Links: Tasche von Fendi; rechts: Tasche von Saint Laurent; Bilder: mytheresa

Wichtig: Man sollte als sehr große Frau, auch wenn man schmal ist, nie zu kleine Handtaschen kaufen. Mit einer Fendi Baguette, so schön die auch immer sein mag, sieht man aus, als hätte man die etwas zu girly ausfallende Handtasche der kleinen Schwester geliehen. Das gilt auch für die Clutch, die braucht die richtige Größe, sonst sieht das danach aus, dass man sich mal schnell die Brieftasche in Übergröße geschnappt hat, weil keine passende Handtasche zur Hand war …

Und sehr kleine Frauen wirken mit riesigen Totes auch gedrungen und auf den ersten Blick „falsch“. Format, Größe und Art müssen einfach stimmen, man will und sollte die Handtasche ja so lange immer wieder tragen, bis nichts mehr daran zu reparieren ist … ein Zeitpunkt, der bei den besten Handtaschen der Welt, das wisst ihr bestimmt, nie eintritt. Seine Tasche von Hermès hat man ewig … selbst die praktischen Taschen von Tod’s sind unverwüstlich und werden in Italien repariert, wenn sich mal was ergeben sollte. Es lohnt immer, eine gute Tasche zu kaufen, Ladies, es gibt die ja mittlerweile auch in noch halbwegs vertretbaren Preislagen. Und wenn das Geld nicht gleich reichen sollte, ist es besser, darauf hin zu sparen, als eine weitere dieser „Wegwerftaschen“ oder gar ein Plagiat zu kaufen.
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Hermès Lizard Ombre Kelly Clutch

Man gewinnt so viel Eleganz und Grandezza und kann auch mit ganz einfachen Sachen bekleidet sein und wird dennoch immer Klasse zeigen. Das ist ähnlich wie mit guten Schuhen. Ich liebe das, gepflegte Hände zu sehen, die eine schöne und gute Tasche halten. Das hat so etwas geheim-elegantes … nur wenige Frauen erkennen den Hersteller – das muss auch gar nicht sein. Es reicht, wenn man als Frau sich selbst beweist, es sich wert zu sein, eine Tasche zu tragen, die noch in Jahren genau so gut zu einem passt, wie gleich zu Beginn. So machen es Frauen mit Stil und Klasse. Da spielen auch Logos nicht unbedingt eine so große Rolle, auch wenn man dagegen halten kann, dass Handtaschen von Dior, Hermès, Louis Vuitton, Saint Laurent und so weiter immer irgendwie signiert sind … aber trotz Schnallen viel dezenter als die mit Plaketten gelabelten von Prada, Miu Miu, Marc Jacobs, Chloé und so weiter …. Das sind naturgemäß auch sehr gute Handtaschen, aber ich würde immer einer dauerhafteren ohne große Logo-Plakette den Vorzug geben.

Eleganz ist nie langweilig, sie verleiht dem Look einfach mehr Klasse und das gewisse Quäntchen „Ewigkeit“. Und jeder, der an Mode und ihren besten Marken interessiert ist, kennt die weltbekannt berühmten Paradebeispiele, Hermès Kelly- oder Birkin Bag … die Luxustaschen, die bei erwachsenen Frauen wohl die größten Begehrlichkeiten wecken. Einige davon sind so kostbar und selten, dass sie nur noch in Auktionen zu haben sind. Luxus arbeitet auch bei Handtaschen immer mit der Verknappung. Das bestätigt die Erwartung der Käufer, dass sie auch wegen des vielen Handwerks, dass dahinter steckt, darauf warten müssen … Zuerst steht man auf der Warteliste, oft bekommt man die Traumtasche aber gar nicht, weil man den richtigen Moment verschlafen hat und am Ende können nur noch die ganz großen Scheine in Auktionen bei Sotheby’s und anderswo helfen …
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Louis Vuitton x Takashi Murakami, Marilyn Trunk; Bild: Sothebys

Macht ja nichts, wenn einige der schönsten Taschen der Welt ein Traum bleiben müssen. Es gibt so viele vernünftige wunderschöne, die man sich an deren Stelle gönnen kann, oder? In diesem Sinne solltet ihr die ausschließlich teuren Taschen in diesem Bericht nur als Illustration unserer Optionen verstehen … man wird ja noch davon fantasieren dürfen, auch mal so eine Tasche zu kaufen!

In zwei weiteren Berichten zeige ich euch dann glaube ich ganz gute Beispiele für (halbwegs) vernünftige und werthaltige Taschen und weil wir irgendwie auch ein ziemlich luxusaffiner Modeblog sind, natürlich auch Taschen für Frauen, die schon einige gute und teure haben und trotzdem mit weiteren Zugängen zu ihrer Sammlung liebäugeln.

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  • PeterKempe
    17. November 2013 at 21:03

    Mein absoluter Favorit ist die Kelly clutch in Wasser Echse! So so schoen ud schlicht! Zweiter Favorit die tolle Fendi Art Tasche ! Super Auswahl!

  • Siegmar
    18. November 2013 at 11:52

    toller Artikel über Handtaschen obwohl mir oft das Verständnis fehlt, weit über 2-3 Tausend Euro für eine Tasche auszugeben. Wie du aber scheibst gibt es natürlich preislich vernünftig, sehr schöne Handtasche. Mich erfreut es schöne Tasche zu sehen und wie ich letztens schon schrieb, morgens in der S-Bahn, 2 Frauen die eine mit einer LV- und die andere mit einer Prada-Tasche hat mich an dem Morgen sehr gefreut zu sehen.

  • claude
    18. November 2013 at 12:00

    Was dem Mann sein Sportwagen ist, ist der Frau ihre Himalaya Alligator Birkin.

    Weltordnung hergestellt. 😉

  • Daisydora
    18. November 2013 at 14:01

    @Peter

    Ja, die ist Teil einer Auktion gewesen … ich wusste das davor nicht, welche Preise da aufgerufen werden … Danke, aber der eigentliche Schwung der Handtaschen kommt noch …

    @Siegmar

    Merci 🙂 … das kann ich nachvollziehen … aber mehr ist es ja ohnehin nur bei den Luxustaschen und da sind es zumeist solche aus exotischen Ledern …. meine Schallmauer liegt bei 3.000 Euro, leider, denn so hatte ich zu lange gezögert wegen der schwarzen Fireworks von Alaia, die 500 Euro zu viel gekostet hätte und die ich sicher mein Leben lang gerne getragen hätte … Du verstehst! Ich mag das auch, Frauen mit werthaltigen Handtaschen zu sehen. Das ist einfach solide.

    @claude

    🙂 .. ja, so ungefähr …. aber ganz allgemein muss man sagen, dass Autos zu den Dingen gehören, für die einige Leute weit mehr Geld ausgeben, als nötig. Und das nur wegen der Schönheit und Schnelligkeit und dem Image der Marke …