Allgemein

Selbst Tiere haben ein Herz – Der Zaun muss weg…


©Hinz&Kunzt
Shame On You – Hamburg!

Der Zustand einer Gesellschaft erklärt sich dadurch, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht.

Aber damit wir uns hier auch im Eifer der Dinge und optionaler Diskussionen immer richtig verstehen: Jede Protesthaltung und alle damit einhergehenden Aktivitäten, sollten immer im Rahmen geltender Gesetze und völlig ohne jede Gewalt gesetzt werden. Wir zünden hier keine Autos an, ziehen höchstens symbolisch einige Ohren von Entscheidern lang, die etwas schwer von Begriff zu sein scheinen.
In dieser kleinen Protestnote, zu der mich Horst angeregt hatte, weil euren Lieblingsblogger auch Dinge antreiben, die sich mit mehr als der modischen oder unmodischen Kleidung von Menschen beschäftigen, geht es um den neuesten und größten Schandfleck Hamburgs: Diesen unsäglich unnötigen Zaun an der die Kersten-Miles-Brücke im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Der Zaun hindert die dort bis zu dessen Errichtung lebenden Obdachlosen daran, dort weiter zu campieren.

©Günter Zint

Das muss man sich mal vorstellen: Der Winter steht vor der Tür und es soll ein sehr harter Winter werden… und Hamburg, die Stadt, in der es die meisten Reichen und Superreichen der Republik gibt, hat nichts Wichtigeres zu tun, als ausgerechnet den Menschen das Leben noch schwerer zu machen, die dem Schicksal irgendwann hintüber gefallen sind. Statt zu versuchen, endlich zu menschenwürdigen Lebensbedingungen für alle Hamburger beizutragen, was rein rechnerisch von lediglich zwei Milliardären von ganz vielen der Stadt aus deren Portokasse bezahlt werden könnte.
Ist ja aber nichts Neues, dass Deutschlands Superreiche nichts von The Giving Pledge halten… sicher gibt es eine Handvoll löblicher Ausnahmen, der Rest mauschelt sein Geld in Stiftungen rein und tut weniger als nichts gegen die brennenden sozialen Probleme in seiner Stadt.
Einerseits ist Deutschland ein Land mit rund fünf Millionen ehrenamtlich tätigen Menschen, einer Bevölkerung, die sehr spendenfreudig ist. Andererseits ist mir keine zweite derart reiche Industrienation bekannt, deren Reiche sich so beharrlich und gekonnt der Verpflichtung entziehen, dem Land und seinen Armen etwas unter die Arme zu greifen. Mit Billiglöhnen ausbeuten und das eigene Vermögen mehren, fällt da schon wesentlich einfacher, nicht wahr?

Das gute Geld, das dann in teuren Galas wie Ein Herz für Kinder und Ähnlichen generös an die Schwachen verteilt wird, kommt dann zum größten Teil wieder nur von ganz normalen Menschen, die sich ein paar Euro abknapsen, um Anderen zu helfen. Reiche sammeln Geld bei denen, die viel weniger als sie haben, um es dann an die Ärmsten zu verteilen. Eine wahrhaft jämmerliche Vorstellung. Jeder US Star ohne abgeschlossene Schulbildung und mit bleihaltiger Jugend in der Brox finanziert mehrere Jugendprojekte aus eigener Tasche … in Deutschland oszilliert das Thema bei den meisten Reichen zwischen Fehlanzeige und Flatline.

©Günter Zint
Und da wären wir wieder beim Zaun, der ist drei Meter hoch, schrecklich teuer und inhuman sowieso. Als ich die Fotos von Herrn Zint gestern zum ersten Mal gesehen hatte, deren Veröffentlichung sich Horst genehmigen ließ, musste ich aus tiefstem Herzen heulen. Und dieser Vorgang widerholt sich, so oft ich wieder hinsehe. Denn wegsehen will ich nicht. Der O-Ton von Herr Zint: Das mit der Holzkiste ist ein „Badezimmer“, das Hochkantfoto ist aus den 70ern und zu dem Foto mit dem Unter der Brücke Interieur hatte er geschrieben: „Soweit das möglich war, gab es so etwas wie Gemütlichkeit“.

Ich habe jeden Tag mit tollen Fotos zu tun, außerhalb von Horstson. Aber so etwas Bewegendes zeigt uns nur das wahre Leben. Bilder vom überaus bescheidenen Zuhause von Menschen, die um das nackte Überleben kämpfen müssen und von Krämerseelen und deren Zäunen daran gehindert werden, sich kurz zurückziehen und wieder sammeln zu können. Für Herrn Zint und Andere bedeutet es schon heimelige Atmosphäre, ein Paar Hausschuhe und ein paar Sammel-Autos auf staubige Kisten stellen zu können.

Wir fordern die Verantwortlichen dazu auf, diesen Missstand sofort zu beheben:

DER ZAUN MUSS WEG!

Habt ihr gehört? Sonst wird es in Kürze ganz düster um den sozialen Frieden in einer der schönsten Städte Deutschlands bestellt sein, in der nur leider einige kurzsichtige Krämerseelen ihre spießige Vorgartenmentalität und Gartenzwerg-Perspektive gegen Arme und Schwache richten und die ohnehin vom Pech verfolgten mit Gefängnis-Zäunen bekämpfen. Shame On You!

S/W Fotos: ©Günter Zint

  • peter kempe
    29. September 2011 at 11:47

    damit hat sich hamburg eldgültig als schildbürger hochburg und spießer stadt geoutet.es ist eben nur das tor zur welt und nicht die welt wie karl lagerfeld schon sagte.peinlich ich schäme mich zutiefst.

  • siegmarberlin
    29. September 2011 at 11:48

    @ daisydora

    finde ich klasse, daß Du dieses Thema aufgreifst. Es ist mehr als widerlich u. verachtenswert solch einen Zaun aufzustellen. Für das Geld kann man Container m. sanitärer Ausstattung zur Verfügung stellen, damit die Menschen eine Chance haben wirklich zu überleben. Mir ist auch mehr als zuwider wie die Reichen u. Prominenten sich diesbezüglich verhalten. In grossen Abendroben auf Charity-Veranstaltungen, wo kleines Geld gesammelt wird, ich aber, vor der Kamera mitteile wie wichtig diese Aktion ist und übringes mein KLeid ist von Unrath & Strano und hat schlappe 4.000 € gekostet. Da kann ich nur einen hervorheben, der ohne grosse Presse den obdachlosen Menschen geholfen hat, Rudolf Mooshammer.

  • Daisydora
    29. September 2011 at 13:13

    @siegmarberlin

    Ich bin glücklich darüber, für Horsts Blog schreiben zu dürfen, weil der Leser deiner Haltung hat.

    Und ich freue mich sehr darüber, dass du Rudolf Mooshammer hier erwähnst. Ist das nicht verrückt, dass die Milden und Menschlichen unter den Prominenten schrille Figuren wie Mooshammer waren oder Frank Zander und gewiss nicht Thomas Gottschalk oder Heidi Klum heissen….

    Danke, siegmarberlin.

    @peter kempe

    Wir schämen uns da glaube ich zu mehreren mit dir peter…. die haben sie doch nicht alle auf’m Gartenzaun, diese Schildbürger …

  • søren
    29. September 2011 at 14:19

    Da merkt man auch, wie unwichtig der soziale Faktor in den Parteien geworden ist.
    Absolute Mehrheit für die SPD und ein an sich kompetenter Bürgermeister. Reicht leider trotzdem nicht aus, um so etwas zu verhindern.
    Sehr armselig.
    Lächerlich wird das Ganze dann, wenn man bedenkt, dass das derzeitige Parteiprogramm „Hamburger Programm“ heisst und als Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität genannt werden.
    Hat wohl nicht geklappt.

  • gregor
    29. September 2011 at 15:32

    Die Bilder berühren genauso wie die Tatsache das Hamburg es nicht hinbekommt eine vernünftige soziale Politik zu leben

  • Daisydora
    29. September 2011 at 17:43

    @sören

    Danke für deinen guten Kommentar und das Flagge zeigen. Es ist in der Tat mehr als schwach, dass sich das Ärgernis auch noch unter der Ägide der Sozialdemokraten ereignete.

    @gregor

    Auch dir dankeschön … das kann und muss alles besser werden. Geld ist ja genug vorhanden.

  • Kathrin
    30. September 2011 at 01:50

    Krass! Kommt man von hinten noch daran? Was soll der Schwachsinn? Erst wird die Stufe entfernt und es sieht aus wie ein Spielplatz und nun kommt ein Zaun darum? Werd ich mir in den nächsten Tagen mal anschauen und einen Zettel an den Zaun machen! Mann mann mann mann! Als wenn hier zu wenig Platz ist …

  • Carrie
    30. September 2011 at 12:28

    das ist ohne Worte und mir gänzlich unverständlich das eine Stadt wie Hamburg sich so sehr in Abseits stellen kann! Das dieses Thema hier auf dem Blog präsent ist gefällt mir jedoch sehr!

  • Daisydora
    2. Oktober 2011 at 10:50

    @Kathrin

    Du hast ja sicher schon gelesen oder gehört, dass der Spuk nun endlich wieder vorüber ist. Vielen Dank für das Flagge zeigen und deinen Kommentar.

    @Carrie

    Auch dir vielen Dank für den Support. Wir haben hier auf Horstson zwar einen überaus hohen Luxus- und Premiumfaktor, aber ohne Distanz zum normalen Leben und gesellschaftlichen Missständen….

    Ich danke euch allen, liebe Leser, dass ihr auch unsere kritischen Berichte so fleissig lest 🙂