Gesellschaft

Schrecklich arme Millionäre

Sowas kommt von sowas! Oder, das kommt dabei heraus, wenn ich mal nichts Wichtigeres zu tun weiß, als den Fernseher zur falschen Zeit anzumachen. Aber nachdem die Zeit vor und nach Weihnachten ja auch der Besinnung darauf dient, wie schlecht es manchen Mitmenschen geht, kann ich euch Hinweise auf Herzzerreißendes, das im Jänner auf uns zurollt, zumuten. Es geht um die Geissens, die man als Geistesmensch nicht wirklich kennen muss. Sind die doch nicht mal verwandt oder verschwägert mit ihrem auch sehr penetranten fast Namensvetter, Oliver Geissen, der für dieselbe Sendergruppe schuftet. Nein, die Geissens, Carmen und Robert Geiss, die hier gemeint sind, verdingen sich bei den Privaten als eine Art moderner Millionäre, deren luxuriöser Alltag seit zirka zwei Jahren von RTL-Kameras begleitet wird, während sie so aufregende Dinge tun, wie in Monte Carlo Mittagessen…

…es gibt schließlich hausgemachte Nudeln mit Hummer; auch aufregend zu verfolgen, wie die Beiden bei Carrefour groß Vorräte einkaufen, die dann mit Luxusauto nach St. Tropez ins Chalet gekarrt und von Carmen höchstpersönlich in den Küchenschränken verstaut werden. Oder, während sie den beiden Töchtern, Davina Shakira und Shanaia Taira Maria, von einem Benimmtrainer Tischmanieren beibringen lassen. Alles vor laufenden TV-Kameras, weil wir armen Schlucker auch sehen sollen, wie gut es einem geht, wenn man wie die Geissens von Beruf Selfmade-Millionär ist. Das viele Geld stammt aus dem Verkauf von Uncle Sam, der ab 1988 in Köln selbst aufgebauten Sportklamottenfirma, die dann später für angeblich 50 bis 70 Millionen (wir wissen es nicht, ob DM oder Euro) verkauft wurde. Soweit nix Besonderes. Tüchtige Leute mit gesundem Geschäftssinn und einigem Fleiß zu selbst verdientem Geld gekommen. Die Geschichte könnte an dieser Stelle schon enden. Das tut sie aber nicht, weil findige Programmverantwortliche vor ein paar Jahren die gute alte Fernsehfamilie neu erfunden haben. Seither werden uns auf Vox, RTL, RTLII aber auch auf Sat1 und Pro7 Leute wie die Geissens oder die Millionäre Dr. Hans Georg Muth und seine fashionverrückte Frau Gisela aus Düsseldorf, bei den schon erwähnten Alltäglichkeiten gefilmt, auch ohne Einladung alle paar Tage auf das heimische Sofa gekippt.

Die Höhepunkte aus dem luxusbewegten Leben der Familie Geiss, das sich hauptsächlich an malerisch schönen Orten wie Monaco, Kitzbühel und St. Tropez abspielt, zeigt RTLII nun ab dem 03.01.2011 in einer vorerst sechsteiligen Dokusoap mit dem Titel „Die Geissens, eine schrecklich luxuriöse Familie“. Und nachdem Horstson ein Modeblog ist, der sich auch um Marken des Premiumsegments, wie Ed Hardy und Jeansmarken jenseits der 1.600 Euro kümmert, müssen wir über sowas exklusiv berichten. Hui, das kann was werden! Als Millionär mit akutem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom geht man neuerdings nicht diskret zum Psychologen des Vertrauens, man schleppt die ganze Mischpoche vor Kameras, stellt sich und sein triviales Leben vor ganz Deutschland bloß. Konsequenterweise in TV-Formaten, die von jeder Menge Multiplikatoren gesehen werden. Das sind zu achtzig Prozent moderne Frauen aller Bildungsstufen und Altersgruppen, die ansonsten bevorzugt in Promi- und Lifestylemagazinen lesen, dass der Hund von Paris Hilton von einer Maus auf dem Skateboard, die dem armen Wuffwuff an einer Kreuzung in Beverly Hills den Vorrang genommen hatte, überfahren wurde. Diese echt weltbewegenden News werden dann nicht nur sofort mit allen Freundinnen besprochen, auch den besseren Hälften der Multiplikatoren nützt da keine Gegenwehr, auch die müssen sich das anhören. Frauen sind ja bekanntlich Multitasker, können mühelos gleichzeitig in zwei Magazinen von den neuesten Hairconditionern und Glitzertops lesen, während sie mit einem halben Auge im Fernsehen die investigativen Promiberichte von Frauke Ludowig verfolgen, um Informationsdefizite hintan zu halten … oder eben, ab dem 3. Jänner Die Geissens … sehen werden, weil einem ganz warm ums Herz werden könnte, wenn man so liebenswerte Leute bei allem außer Zähneputzen und Sex beobachten darf. Aber wer weiß das schon, wie weit die Geissens mit ihrem Exhibitionismus wirklich gegangen sind. Was sind das bloß für Leute, die sowas freiwillig gucken? Mir schlafen schon nach fünf Minuten Goodbye Deutschland die Füße ein. Den modernen Fernsehfamilien fehlt es an Charme, Originalität und Witz. Das ist halt so gar nichts dran, was ich schön oder interessant oder wenigstens irgendwie liebenswert finde.
Die vor Selbstgefälligkeit platzenden Geissens sind meiner Meinung nach genau dieselben Langweiler, wie die Muths, der Pelzdesigner Alfredo Pauli und all die anderen TV-Gewächse, die für Geld im TV auf unseren Bildschirmen von A nach B kreuchen und ziemlich dummes Zeugs von sich geben. Nicht, dass ihr denkt, das stört mich oder regt mich auf. Man muss ja „Die Geissens …“ und andere Dokutainment-Formate nicht gucken. Bedenklich finde ich nur, dass einem die Menschen, die das tatsächlich gucken, dann als was auch immer im realen Leben begegnen werden, und, dass Kinder und Jugendliche wegen der Gier und Dummheit von Erwachsenen, die ihren Hals nicht voll genug bekommen können und ihrer Verpflichtung, Vorbilder zu sein, auf die denkbar schlechteste Art nachkommen, denken, es ist ein erstrebenswerter und erfolgversprechender Beruf, beim Fernsehen als Millionär oder Daniela Katzenberger zu arbeiten, weil die Mutter aller Talentlosen, Verona Feldbusch, ja schließlich vor zehn Jahren einen Markt geschaffen hat, der laufend Nachfolger verlangt.
Und den armen reichen Millionären sei gesagt: Bauer bleibt Bauer, auch wenn er mit dem Roberto-Cavalli-Zylinder ins Bett geht …

  • Horst
    27. Dezember 2010 at 18:09

    Ich liebe Trash TV! 🙂 Und die Geissens sorgten schon für großartige Stunden toller Unterhaltung….. hahahahahahahahaha

  • Butchbaby
    27. Dezember 2010 at 19:26

    ich liiiiiiiiiiebe die geissens! die kamen bisher viel zu selten im tv

  • Daisydora
    27. Dezember 2010 at 19:40

    Du weisst ja, was N. Postman dazu gesagt hat: Fernsehen macht Kluge klüger und Dumme dümmer … aber im Endeffekt sind die Geissens auch nicht ordinärer als Barbara Schöneberger oder Dieter Bohlen…. 🙂

  • Horst
    27. Dezember 2010 at 19:45

    auch von gisela muth bin ich bekennender fan 🙂 🙂

  • camp
    27. Dezember 2010 at 19:50

    ich liebe die geissens,die muths,alfredo pauli etc.

  • Daisydora
    27. Dezember 2010 at 20:17

    Was habt ihr denn alle an Weihnachten gegessen?

    🙂

  • blomquist
    27. Dezember 2010 at 22:15

    Ich gebe es zu:
    Ich bin auch ein bekennder Fan von Frau Muth!
    Und so toll ist auch noch die Baronin von Brandstätter….
    😉

  • Jan Who
    27. Dezember 2010 at 22:56

    Ich liebe die Trulla von Alftedo Pauli mit dieser Brille. Der meinte mal: Ich weiß ja immer nicht ob mich die Männer wegen meines Geldes oder wegen mir (definitiv wegen des Geldes!) liebt. Da habe ich auch mal einen Monat richtig gearbeitet“ …

  • Horstson » Blog Archiv » Schrecklich arme Millionäre
    27. Dezember 2010 at 23:27

    […] den Beitrag weiterlesen: Horstson » Blog Archiv » Schrecklich arme Millionäre Tags:als-den, weihnachten, auch-der, das-kommt, Fernseher, wichtigeres, zur-falschen, vor-und, […]

  • Daisydora
    28. Dezember 2010 at 08:19

    @alle

    Ich sollte wohl einbekennen, dass ich mich hier vertan habe ….so viel Zuspruch wie die Fernsehfamilien und Naturphänomene wie Alfredo P. und die Baronin von B. bekommen ….. 🙂

  • peter kempe
    28. Dezember 2010 at 10:07

    leider fehlt meine beste freundin die baronin brandstätter!!!sie ist mein highlight und bezeichnet sich selbst als geborene kosmetikerin aus wuppertal.sie macht monte carlo unsicher und keiner will sie haben!!!

  • peter kempe
    28. Dezember 2010 at 10:08

    übrigens bitte nicht einfach giesela muth sagen sie heißt richtig unternehmersgattin giesela muth das gehört zum namen wie das bahnchef bei hartmut mehdorn!!!

  • siegmarberlin
    28. Dezember 2010 at 11:17

    danke für diesen Artikel und die Kommentare, habe mich wirklich amüsiert.

    ganz toll finde ich “ adel 2.0 „

  • Daisydora
    28. Dezember 2010 at 11:32

    @siegmarberlin

    Bitteschön!
    Du siehst ja, ich musste mich den Männern hier geschlagen geben …. war ja klar, dass Horst mich auf die Schippe nimmt, wenn ich auf Ikonen des nationalen TV-Geschäfts losgehe … ich musste aber auch gut lachen über die Kommentare 🙂

    @Peter

    Ohne die verwitwete Baronin Brandstätter, hochwohlgeborene Kosmetikerin aus Wuppertal wird ja nicht mal der Rosenball eröffnet …. Blomquist ist dir doch vorab beigesprungen 🙂

  • Daisydora
    28. Dezember 2010 at 20:43

    @Jan

    Bitteschön! Na gut, ich gebs ja zu … ist aber wohl gründlich misslungen 🙂

  • Marie
    29. Dezember 2010 at 13:51

    Du hast den Wendler vergessen und sein Bad in tausenden von Goldmünzen…

  • Daisydora
    29. Dezember 2010 at 16:34

    @Marie

    Vielen Dank für deinen Hinweis, der im wahrsten Sinne Gold wert ist … ich habe den Wendler in der Badewanne und in Pose gefunden …. das sind vielleicht Pretiosen … sollten auf jeden Fall landesweit gezeigt werden … Lieber Horst, wir brauchen den Trash Day! 🙂