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Patrick Demarchelier bei CAMERA WORK, Berlin

Wer zu den ganz wenigen Topfotografen zählt, denen wirklich jeder einzelne Schuss und jedes Projekt gelingt, den kennt ja heute jeder. Denkt man. Und es haben sich auch viele der bekannten Bilder dieser Topfotografen in unser kollektives Bildergedächtnis, Abteilung Fashion-Magazine und Werbung für Luxusgüter, eingenistet …

Da ist dieses Bild einer nackten Frau, die sich mit beiden Händen an den Ästen eines Baumes über dem Boden oder dem Wasser hängend, festhält … gemacht für die Italienische VOGUE und das schon 1989. Das hat glaube ich jeder schon mal gesehen. In meinem Portfolio, das ich von Patrick Demarchelier besitze, sind nur die allerbesten Portraits und Teile aus Editorials und es hat trotzdem 860 Seiten (Powerpoint) … Dies nur, um zu veranschaulichen, von welcher Gewichtsklasse wir beim Werk des Fotografen Patrick Demarchelier reden …
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© PATRICK DEMARCHELIER, GISELE, 1999

Der Berliner Galerie CAMERA WORK ist es gelungen, eine Werkschau zusammen zu stellen, in der sich viele seiner bekannten Portraits von Hollywoodstars und Models befinden. Naturgemäß auch solchen, aus der goldenen Supermodel-Ära. Ab dem 26. April 2014 wird die Einzelausstellung präsentiert. Zu sehen ist die Auswahl von 50 der bekanntesten Arbeiten des Künstlers. Sie geben auch fotografischen Neulingen einen umfassenden Einblick in das stilprägende Schaffenswerk von Patrick Demarchelier. Er gilt nicht umsonst als einer der bedeutendsten klassischen Photokünstler der Genres Fashion, Akt und Porträt.
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Links: © PATRICK DEMARCHELIER, KATE MOSS, NEW YORK, 1992; rechts: © PATRICK DEMARCHELIER, LAETETIA, 1997

Wie wird man ein Topfotograf wie Demarchelier?

Er hat etwas später als der „Kollege“ Stanley Kubrick mit dem Fotografieren angefangen. Seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte er mit der Kodak-Kamera in den Händen, die er zum 17. Geburtstag von seinem Stiefvater geschenkt bekommen hatte. Relativ bald danach trieben ihn Wissbegierigkeit und der Wunsch seine photografischen Fertigkeiten zu perfektionieren, schon im Alter von 20 Jahren zu einem Umzug von Le Havre nach Paris. Dort hat er durch das Studium der Bildsprachen und -ästhetik renommierter Fotografen in führenden Hochglanzmagazinen den Blick für das Wesentliche entwickelt. Natürlich neben der Arbeit in Photolaboren. Fotograf ist entgegen allen Gerüchten ein Beruf, der auch handwerklich sehr anspruchsvoll ist. Demarchelier sagt zum Thema Ausbildung: „Am meisten lernte ich, indem ich Bilder machte, viele Bilder. Und viele Fehler, aber aus denen lernt man ja ohnehin am meisten. Als Fotograf ist man auch ein Stück weit Sportler. Man muss täglich trainieren.“
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© PATRICK DEMARCHELIER, RICHARD AVEDON, NEW YORK, 1993

Schon bald danach hatte er erste Erfolge und bereits 1975, da war er aus praktischen Erwägungen nach New York gezogen, hatte Patrick Demarchelier seinen Durchbruch als Modefotograf. Seit den späten 1970er-Jahren erscheinen seine Arbeiten in führenden Modemagazinen wie »Elle«, »Glamour«, »GQ«, »Mademoiselle«, »Rolling Stone« und »Vogue«. Daneben arbeitet Patrick Demarchelier auch für renommierte internationale Mode- und Schmuckhäuser, darunter unter anderen Giorgio Armani, Calvin Klein, Chanel, Dior, Versace oder Yves Saint Laurent. Ob es eine besonders schöne The GAP Christmas-Kampagne ist, oder eine für Beauty-Giants, seine Fotos sind immer schon da, wenn ihr irgendwo hinkommt.

Und für mich gibt es da überhaupt keinen Zweifel: bis heute sind seine Editorials mit die besten, die es gibt, obwohl er nicht mit Bewegungsunschärfen und all dem Kokolores experimentiert, der die Fashion-Fotografie in führenden Modemagazinen heute manchmal so anstrengend macht.
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© PATRICK DEMARCHELIER, PRINCESS DIANA, LONDON, 1990

Seinen Ritterschlag hat er aber ganz anders erfahren: er war der erste nicht-britische Photograph, der mit der Portrait-Fotografie eines Angehörigen der königlichen Familie – das war Lady Diana – hochoffiziell betraut wurde. Das Bild kennt auch jeder, oder?

Nach seinen Vorbildern befragt, nennt er ohne zu zögern diese drei:Richard Avedon, Helmut Newton und Irving Penn. „Es sind großartige Menschen. Und große Fotografen. Sie arbeiten hart und schaffen es, ihre Aufträge und ihre eigenen Projekte gekonnt miteinander zu verbinden. Ich wünschte, einige ihrer Bilder stammten von mir“ …

Unbedingt hingehen, wenn ihr ohnehin in Berlin seid oder wieder mal einen Ausflug in die Hauptstadt machen. CAMERA WORK, Kantstrasse 149, 10623 Berlin. Jeweils Dienstag bis Samstag zwischen 11:00 und 18:00 Uhr. 26. April bis 12. Juli 2014.

Und hier geht es direkt zu Monsieur Patrick Demarchelier …

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  • peter
    25. April 2014 at 14:26

    Camera Works‘ Patrick D. Ausstellung steht ganz fest auf meinem Plan!! Patrick Demarchelier wegen und meinem absoluten Liebling, dem Avedon Porträt :-)))

  • Philipp
    25. April 2014 at 19:06

    Da hast du aber tolle Fotos ausgesucht, Daisydora! 🙂

    Kate Moss würde ich sogar zuhause aufhängen.. 😉

  • Siegmar
    28. April 2014 at 12:21

    wunderbarer Artikel und ich werde mir am WE die Ausstellung ansehen, das Porträt von Lady Diana ist toll.

  • Daisydora
    28. April 2014 at 12:37

    @Peter

    Du bist ja auch so ein Fotografieverrückter …. und das mit dem Avedon Portrait wusste ich noch … 🙂

    @Philipp

    Ich will mich da nicht mit Fremden Federn schmücken, ich habe nur ein passendes Best-Of aus dem hergestellt, was die Agentur mitgeschickt hatte. Bei solchen Fotografen schwer … aber Kate Moss kann ich nachvollziehen. das Bild mag ich auch sehr gerne 🙂

    @Siegmar

    Danke! Das Portrait ist so klassisch-würdevoll und dennoch ist es ihm gelungen, ihre Lebensfreude mit einzufangen. 🙂

  • Horst
    28. April 2014 at 21:12

    Sehr toll, wenn ich in der nächsten Zeit in Berlin bin, werde ich mir die Ausstellung anschauen …
    @Siegmar kannst ja vorher schonmal sagen, wie Dein Eindruck war!!