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Männer in voller Blüte

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Spring Summer 2014 – links: Dries van Noten, rechts: GUCCI; Bilder: style.com

Schon naht der Frühling mit sehr kleinen Schritten … und für euch Männer heißt es: ab in die Blumenbeete!
Zumindest dann, wenn ihr zu den auf Horstson nicht eben vereinzelten Fans der Kollektion(en) von Dries van Noten und Frieda Giannini, für Gucci, zählt. Darin sprießen die Blüten und es grünt in wolkenverhangenen Farben, in Rottönen und Blau … und so weiter …
Aber weil wir noch ganz früh im frischen Jahr sind, wollte ich den kleinen Bericht über zwei der besten Kollektionen für die kommende Saison zum Anlass nehmen, einen oder zwei der besten guten Vorsätze, die zu fassen uns möglich sind, hier mit zu beschreiben. Nummer eins: Das Jahr auch dafür nutzen, mal Bücher über ganz andere Themen zu lesen, die einen noch nie so richtig interessierten, und, wenn man sein gutes Geld schon in richtige Mode investiert, mal was ganz anderes als sonst zu kaufen. Beides erklärt sich im Nu: guckt euch Clement Chabernaud an, in seinem zweiteiligen Blümchenanzug von Gucci, und dann auch noch in Rot, das trägt der nach dem Gucci Runway-Job nie. Aber warum eigentlich nicht?
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Spring Summer 2014 – links: Dries van Noten, rechts: GUCCI; Bilder: style.com

Wer ohnehin schon genügend von diesen Business- und „Sonntagsanzügen“ im Schrank hat, und weiter Geld ausgeben will und kann, der sollte ruhig mal in eines der Teile oder ein ganzes Outfit aus diesem Bericht schlüpfen und sich dann mehrmals vor dem Spiegel drehen. Sich vorstellen, damit nach Paris oder in eine der anderen Lieblingsstädte zu reisen und die Boulevards und Gassen entlang zu flanieren … im Café oder der Brasserie, in der gerade tout Paris am Sonntag zu Mittag speist, wohlwollende Blicke der Pariser und Pariserinnen auf sich zu ziehen … nur so, wegen der Leichtigkeit des Seins!
Da duftet der Kleiderschrank in meiner Fantasie schon nach Flieder, Magnolie, Verveine und Kirsche, während ich diese Outfits beschreibe … Ihr wisst das gewiss, Dries van Noten ist leidenschaftlicher Gärtner – man braucht als Kreativer ausgleichende Orte und Tätigkeiten, an denen man weder Kollegen, noch total enthusiasmierte Kunden im Kaufrausch, noch Suzy Menkes oder Anna Dello Russo trifft … und da sind Gärten und Parks wohl ganz wunderbare Orte.
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Spring Summer 2014 – links: Dries van Noten, rechts: GUCCI; Bilder: style.com

Weil ich selbst von Geburt Großstadtpflanze bin, die das Naturerlebnis erst in der Wildnis und am Pazifik packt, aber trotzdem verstehen wollte, was Männer wie Dries van Noten zu passionierten Gärtnern machte, habe ich direkt am 1. Januar das ganz wunderbare Buch von Jakob Augstein, „Die Tage des Gärtners“, gelesen. Darin beschreibt der gescheite Vollblutjournalist, dessen Herz auf der richtigen Seite schlägt, in einer vollkommen unangestrengten Erzählweise, das Glück, im Freien zu sein. Mit all den Erfahrungen aus seinem Berliner Stadtrandgarten. Und ich empfehle hiermit allen LeserInnen, die aus Städten mit über 5.000 Einwohnern (ich mache mich immer darüber lustig, ab welcher Größenordnung man schon Stadt zu einem netten Dorf sagt!) stammen und höchstens in Blumenkästen auf dem Balkon oder diesen Terrakotta-Töpfen auf allen Terrassen, was pflanzen können, dieses Buch auch zu lesen. Gärtnern ist pure Meditation, der Kopf und die Fantasie haben auch etwas davon.
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Spring Summer 2014 – links: Dries van Noten, rechts: GUCCI; Bilder: style.com

Und schon sind wir wieder bei Gucci und Dries van Noten! Man möchte gerne eine Maus gewesen sein, als sich das blumige Motto in den Teams rund um Frieda und Dries zu den ersten Teilen entwickelte. So konsequent auf Blumenprints für Männer zu setzen, erfordert auch einen neuen Blick auf Männer – und Mut. Beides hat sich gelohnt. Ich könnte die Schauen noch zigmal gucken, ohne, dass Langweile aufkommt … und ich freue mich wie eine Schneekönigin darauf, die ersten von euch darin im Straßenbild zu entdecken.
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Spring Summer 2014 – links: Dries van Noten, rechts: GUCCI; Bilder: style.com

„I’m more inspired by things which I don’t like…. Nothing is so boring as something beautiful. I prefer ugly things, which are surprising… You force yourself to ask yourself questions.” , das sagte van Noten in einem Interview und die Inspiration zu den Blumenprints für den Sommer hatte er während der Vorbereitung zu seiner großen Retrospektive, im Musée des Arts Décoratifs in Paris gefunden … beim Stöbern in den Archiven. Das Schwelgen in Opulenz für Männer ist ja nicht neu, man muss sie nur auf die Höhe der Zeit hieven, und das unangestrengt, irgendwie schwerelos. Was Dries van Noten mit dem Mix aus in Stilleben gemalten Blumen, aus dem 18. Jahrhundert, der exotischen Vielfalt der Blüten des Regenwalds oder die Blütenketten-Seligkeit hawaiianischer Lei, wie immer mit dem für ihn so typischen avantgardistischen Charakter der Looks, auch desmal gelang. Nichts daran ist Zufall oder Bastelstube. Brüche wie die glänzenden Seidensamthosen oder seidenen Pyjamahosen, mit ihren Ton-in-Ton (Seiden-Jacquards) oder farbigen Blüternprints, bewusst gesetze Kitsch-Provokation. Wer noch nicht surft, will es vielleicht in einer der geblümten Shorts lernen, oder, trägt die kurzen Hosen im Park, auf einer Bank liegend, das Lieblingsbuch der Woche lesend. Der Mann in Dries van Noten ist kein Zwängler … er versteht es, zu leben – immer selbstbestimmt, ganz nach seiner Fasson.
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Spring Summer 2014 – links: Dries van Noten, rechts: GUCCI; Bilder: style.com

Man muss schon ganz bei sich angelangt sein, um die Freude an dieser Mode auskosten zu können … für den Designer ist es das größte Kompliment. Männer (oder Frauen) in seiner Mode zu sehen. Das Label wird nach wie vor ohne Werbung verkauft. Van Noten ist immer noch unanbhängig, ist der Creative Director und Chief Executive Officer seines Modeunternehmens. Er sagt, die Menschen würde seine Mode wegen der Mode kaufen, und nicht wegen dem Etikett mit Dries van Noten drauf … was ich so nicht unterschreiben würde, da es noch mehr modisches Sozialprestige bringt, Dries van Noten zu tragen, als Mc Queen, MMM und so weiter. Er ist eben bekannt dafür, Mode für modische Conaisseure zu machen … und sich mit jeder neuen Runway Show wieder als einer der besten Modekreativen der Welt zu bestätigen. So, wie mit dieser Kollektion, deren Details und Accessoires (die Sandalen) einen Extra-Blick wert sind!
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Spring Summer 2014 – Dries van Noten; Bilder: style.com

Gucci Chief Creative Frieda Giannini kann auch den treuesten Gucci-Fan noch überraschen. Die Marke feilt ja schon seit dem Abgang von Tom Ford an einer nicht nur neuen sondern bahnbrechenden, in der High Fashion Stil-tonangebenden Identität, und diesmal ist ein großer Schritt in diese Richtung mehr als gelungen. Der Gucci Mann wird immer jünger, die Loafer mit Trensen und Mützen mit Streifen, und all die anderen die Klassiker des Hauses, muss man nicht mehr neu erfinden.

Aber elegante Ensembles, eine Kombination aus Jacketts, Westen und Hosen in verschiedenen Blumenmustern, die zusammen den neuen Gucci-Anzug für den Sommer ergeben, die braucht der Luxusmarkt. Und das unbedingt! Leger-entspannte Silhouetten, der Wechsel von mäßig engen Hosen, zu weit geschnittenen Jackets und asiatisch inspirierten Hemdenjacketts. In der Regel in verschiedenen Blumendessins, die an die geschmackvollen Gobelins von Ohrensesseln in besseren Bürgerhäusern erinnern, aber eben alles für 2014 neu erfunden (das ist fast alles aus der textiltechnologischen High-Tech Abteilung, inklusive Laserprints und -cuts). Schon das Hingucken macht gute Laune und lässt mich unweigerlich von den ersten frischen Frühlingslüftchen fantasieren … Ein Prachtstück: der Pulli in Oliveirgendwas, bestickt mit Blütenranken, der kratzt vermutlich an der oberen 2.000 € Kante … aber für einen so schönen Pulli, der für die Ewigkeit gemacht ist, ist das fast schon wieder normal …
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Spring Summer 2014 – Dries van Noten; Bilder: style.com

Auch bei Gucci lohnt der zweite Blick auf die Details und Accessoires (das muss ich auf Horstson zum Glück nicht erklären, dass alle Luxuslabels so was wie Luxus-Taschnereien mit Designerabteilung sind, die das große Geld längst mit den ledernen Accessoires verdienen, auch Gucci) … wunderbar finde ich die Idee, die Blumen-Jacketts nur mit diesem einfachen Riegel mit einem Knopf zu schließen, der an der Unterkante der Revers, innen angebracht ist … Wer mag, hier gibt es jedes der schönen Details … Ich bin von Dries van Noten und Gucci für den Sommer 2014 hellauf begeistert. Wozu noch mehr Pinstripes und Cool Wool in Hausmausgrau?

Was sagt ihr dazu, liebe LeserInnen, zu den Männern in voller Blüte? Zusammen mit der richtigen Lektüre, könnte aus dem einen oder anderen im Verlauf des Jahres einer der bestangezogenen Gärtner aus Leidenschaft werden … der mit seinen Kumpels zwischen zwei Spielen der Fußball WM 2014 in Brasilien, über Blumenzwiebel und Dries van Noten als Gärtner und Designer fachsimpelt und freiwillig solche Filme guckt …

Das Geheimnis der Bäume 🙂

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  • PeterKempe
    12. Januar 2014 at 21:25

    Mir gefallen ja auch die Philodendron Drücke von PRADA sehr! Dries van Notens Kollektion mit Blumen ist delikat sensationell ! Sehr schoen ud man kann auch schoene Sachen von Gucci aus Toms Flower Kollektion wieder raus holen :-))))))) loest schon jetzt Lust aufs Fruehjahr aus!

  • vk
    12. Januar 2014 at 23:48

    genau. – werden alle ordern, wird niemand kaufen. – SSV14 wird sensationell.

  • monsieur_didier
    13. Januar 2014 at 11:00

    …finde ich grundsätzlich bei Oberteilen sensationell gut…
    Hemden, T-Shirts, Jacken etc.
    bei Hosen (ausser bei Shorts und Badeshorts) eher komisch…
    alles in allem, auch wenn es mir sehr gut gefällt, aber eher ein Nischen-Thema und für Showpieces sowie für Fensterdekorationen…
    …im realen Leben wird man das eher kaum sehen…

  • Siegmar
    13. Januar 2014 at 11:50

    Mir gefällt es sehr, besonders DvN und die Hose im ersten Bild von ihm ist super schön. Ich bin mir sicher, das wir vieles davon in etwas abgeschwächter Form ( nicht alle Teile auf einmal getragen ) oft sehen werden. Dries van Noten gefällt mir noch etwas besser als Gucci. Von Prade gibt es tolle Hemden weit, gerade und kurz geschnitten mit floralem Muster, die sind auch toll.

  • Horst
    13. Januar 2014 at 11:52

    Als Shorts, Hemd und Vorhang mag ich Blüten. Ansonsten hat es immer ein wenig von Pyjama!

  • Daisydora
    15. Januar 2014 at 11:38

    @PeterKempe

    Sehr charmant ausgedrückt, dass Du diese Gucci Teile weniger magst 😉 … die Prada Teile finde ich auch toll, ich würde als Mann ehrlich gesagt bei allen drei Kollektionen schwach werden …

    @vk

    Kann sein, das wird man aber erst sehen, und so wahnsinnig präsent sind derlei High-Fashion-Kollektionen ja im Straßenbild nie …

    @Monsieur_Didier

    Klar sind solche Blumenteufel eher ein Nischenthema, aber es ist eben Mode … und wer da Lust drauf hat und das nötige Kleingeld besitzt, für den sind das originelle Möglichkeiten … wir sind gespannt, wer das in Berlin trägt 😉

    @Siegmar

    Du bist da deutlich optimistischer, ich kann mir das auch gut vorstellen … aber eher in Kombination … und es könnte sein, dass da auch Frauen zuschlagen, besonders bei Gucci … ich werde da sicher mal reinschlüpfen, weil ich neugierig bin und meine Großtante hatte das Muster mal als Lesesessel 🙂

    @Horst

    Interessant und irgendwie richtig … aber ich finde, da gewöhnt man sich dran. Das wirkt auf mich weniger wie Pyjamamodelle, als die gepunkteten Tagespyjamas von Louis Vuitton und Dolce & Gabbana, die ein absoluter Renner wurden … 🙂