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30.12.2999 – 16:53 Uhr … ERRORFOURZEROFOUR

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Für Menschen wie mich gibt es das Buch Nanotechnologie FÜR DUMMIES? Gerade bereue ich, noch nie ein Buch über Quantenphysik gelesen zu haben. Könnte man alles Digitale von heute so klein rechnen, dass unsere digitalen Spuren auf einer externen Festplatte im Portableformat Speicherplatz fänden, die mit in diese Weltraumkapsel passte?
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Goldrush muss man niemand erklären. Aber diese kleine Geschichte handelt davon, was sehr lange nach unseren besseren Tagen noch von uns bleibt. Heute ist Sonntag, 30.12.29999. Der iRobot serviert die Frühstücksimagination und der iButler hat die BamS schon gebügelt. Auf dem Titel die Sensation: Netzarchäologe Professor Dr. Dr. Dr. Klaus-Friede Springer neuer Superstar!

Howard Carpen Carters Urururururur(hochsechs)-Enkel, ein fehleroptimierter Klon der hoch ehrenwerten Medianer-Replikanten Döpfner, Diekmann und Lobo, hat nach seinem Durchbruch, den er mit der Rekonstruktion des Youtube-Videos des schweizer Wedelklassikers „Zwei Spuren im Schnee …“ eines gewissen Vico Torriani hatte, nun endlich verwertbare Spuren des letzten Blogs gefunden.

Ganz kurz vor knapp. Morgen ist das 3000er-Millenium, werden K.-F. Springer und 2999 Kollegen der staunenden Welt ein Relikt des Zeitalters Informationsgesellschaft präsentieren. Gefeiert wird auch 1000 Jahre Livestream. Das ist so was von nervig, alles wird bis in die hintersten Winkel Südamerikas übertragen, wo Gerüchten zufolge mal ein Regenwald war.

Mit in der Archäologie-Supershow – der Welt führende 1328 Netz-Archäologen, 634 Digital-Kryptologen, alle 24 Java-Forensiker (aus dem Genpool von CSI Miami gezüchtet) und exakt 1013 der angesehensten Anthropologen, Erforscher der kurzen Dekade der Digital-Nativeanians. Als Abordnung aller Off- und Online-Data-Miners werden sie das Filetstück der Netzarchäologie präsentieren: pixelige Screenshots der ersten Louis Vuitton Haute Couture Show. Createur der Roben soll ein gewisser John Galliano gewesen sein, den man zuerst raus warf, der dann aber alles erbte, weil ein gewisser Bernard Arnault keine Brille dabei hatte und malheuresement in der Zeile verrutscht war.

So viel ist vorab schon durchgesickert, Klaus-Friede Springers Material konnte zweifelsfrei einer Dekade zugeordnet werden, in der große Teile der arbeitsfähigen weiblichen Erwachsenen unverrottbare Kleider trugen. Das Zeug ist so was von vintage, man bekommt aber gar nichts dafür. Es gibt nicht genügend Endlager, die 217 in Deutschland sind proppenvoll.

Geradezu kafkaesk war die These eines hoffnungslos schrulligen Professors, der 260 Jahre davor erkannt haben wollte, dass es 29.638.334 deutsche Modeblogs gab. Wegen der gänzlich unwissenschaftlichen Behauptung – 52,9 Prozent aller Bundesbürger verdingten sich als Star-Fashion-Blogger, wurde der Netz-Archäologe einstimmig aus der Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen. Dabei war er sicher, man war damals schon zwanzig Stunden am Tag damit beschäftigt, seine Wettbewerber an die Wand zu twittern … für die in den Knebelverträgen Likes und Shares im Austausch mit Kollegen soll es Leasing-Roboter gegeben haben. Sich zu Tode zu twittern oder mit durchschnittlich einunddreißig Jahren an Digitaler Demenz zugrunde zu gehen, waren die häufigsten Todesursachen. Dieser Quatsch hat den Professor dann sogar seinen Job gekostet. Danach soll er regelrecht ausgerastet sein, wenn die Putzfrau seine sechs Nobelpreis-Urkunden schon wieder verkehrt herum in die Vitrine mit den Swarovski-Animals und Disney Cuties stellte.
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Das könnte Klaus-Friede Springer und seinen 2999 Kollegen niemals passieren. Alles ist safe! Das Stadion ist gebucht, die Deutsche Telekom hat das weltweite W-Lan noch mal kurz durch gemessen – die Werber haben die Claims mit dem Uralt-Slogan (so was von vintage!) „The sky’s no longer the limit“ abgesteckt und die Generalprobe kann gleich nach dem Putztrupp beginnen.
Ihr solltet noch wissen, dass der Professor Griebenschmalzbrote schon seit seiner Kindheit liebt. Der Hunger war groß – drei Schmalzstullen waren schnell mit den bloßen Händen in den Mund geschoben und schon verschlungen. Leider nicht ohne hässliche Schlieren auf dem Giganto-Display. Kein Problem für die Perle in 42.Generation, eine direkte Nachfahrin des Hausmeisters der Kunstakademie Düsseldorf, der schon in Beuys Fettecke sauber machte.

„Das ham‘ wa gleich, Herr Professor“, hört er die Arbeitsbiene noch sagen … und sein „niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiicht draufdrücken“ war noch nicht in die Weiten des Weltalls entschwunden – schwupps, war alles weg.

Aber dank CNN-Volksempfänger, einem frühen RadioTVPC-Hybrid, den ein junger Mann mit Bastlergeschick in einem Antiquitäten-Conceptstore im Stadtteil St. Georg erstand, ging die Geschichte noch einmal glimpflich aus. Kaum hatte er von dem Malheur erfahren, gab die Festplatte im Kopf die Erinnerungen aller Vorfahren frei. Und im Lichtstrahl der Geistesblitze, war der junge Mann zum Dachboden hoch gestiegen, um nach ganz schrecklich vielen Papierseiten zu gucken … unfassbar, was da im Schein der letzten 60er Glühbirne (dafür würden Museen Millionen zahlen) auf seine exklusive Entdeckung wartete: 4,86 m Papier, Format A4. © HORSTSON. Als Gebrauchsanleitung stand auf einem Zettel in Handschrift zu lesen:

Liebste Frau Rehbein-Birnstingl!

Bitte die Blümchen für Suzy Menkes bestellen.
Und wenn etwas Zeit ist, einmal den ganzen
Modeblog auf dem Farbdrucker ausdrucken.
Sicher ist sicher. Man weiß ja nie, was am
31.12.2999 um 00:00 Uhr passiert.

Gaaaaanz lieben Gruß

Horst

PS: Das kann dann aber zusammen mit meinen
uralten Jeremy Scott’s auf den Dachboden rauf.

Zum Glück kam an dem Sonnabend wieder TATORT (Pjöngjang). Der wurde im weltweiten Public Viewing geguckt … och neee, maulte der Papierstapel-Entdecker – wann kommt denn endlich die neue Lagerfeld-Doku auf ARTE? Die Presse wurde mit Kopien des Sensationsfundes gefüttert. Schon zwei Tage danach wurde der Haute-Couture-Gelehrte Peter K. wie Tutanchamun verehrt und der Professor gefeiert …

THE (HAPPY) END

Bilder: Back To The Future, E.T., Janne M.Korhonen, “MAD with aliens? Interstellar deterrence and its implications”, Acta Astronautica Volume 86

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  • Siegmar
    1. April 2014 at 11:43

    ganz wunderbar unterhaltendet Artikel ! Wenn ich richtig liege hat Peter heute Geburtstag, deswegen bekommt er jetzt schon das Prädikat „Haute Couture Prof. “ für seine tollen Artikel

  • Daisydora
    1. April 2014 at 11:50

    Ich danke Dir Siegmar, das freut mich! 🙂 Und ja, das stimmt. Happy Birthday lieber HC-Professor Peter! 🙂

  • J
    1. April 2014 at 14:07

    Spannende Vorstellung.

  • Daisydora
    2. April 2014 at 12:08

    @J

    Danke! 🙂