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Bekannt dafür, bekannt zu sein!

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Neues aus dem Reich der Streichholzärmchen: Ein Magazin voll mit lebenden Paper Dolls und einigen der dünnsten Beine außerhalb aller Hungerzonen.
Mit der Ankündigung „Extraausgabe Streetstyle“ hat mich Patrizia Riekel so weit gebracht, nach Lichtjahren der Abstinenz ihre InStyle zu kaufen … und ich schwöre bei all meinen Handtaschen, mein Mund blieb bis zur „Frage des Monats“ offen. Darin beantwortet Autorin Wais Kiani, warum Mädelsabende einfach nicht funktionieren in etwa so: „Mit Frauen wird es nie richtig lustig, weil sie sich eigentlich für nichts richtig interessieren …“, und so weiter. Das klingt hart und ungerecht, passt aber zu den Bildern im Heft wie A auf Eimer:
Moderne Frauen von heute, die anscheinend nichts anderes zu tun haben, als sich in geschenkten (Anna Dello Russo, Chiara Ferragni und Freundinnen), geliehenen (Hanneli Mustaparta, unlängst noch Knipsmamsell, nun auch noch Artdirektor!) und manchmal sicher auch gekauften Klamotten durch vermutlich markierte Straßenzüge zu bewegen, in denen so ungefähr alle dreißig Meter ein Fotograf, ein Blogger oder Paparazzo bei jedem Wetter nur darauf wartet, modisch gestresste Beauties mit sehr dünnen Beinen in Showklamotten, die dringend noch vor dem SALE raus müssen und zu Patrizia Riekels Überschriften passen, abzuschießen.
Frauen, die dafür bekannt sind, bekannt zu sein … und sich nach einer Art Choreografie wie Weiland Lady Gaga, die ja auch nur verzweifelt versucht, die bessere Madonna zu sein, ständig umziehen.
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Bild: Louis Vuitton

Wurde die Straßenkarte der Streetstyle-Fotografie für die wichtigsten Modemetropolen der Welt eigentlich schon erfunden und erstellt? Scott Sch., das wäre dann wohl dein verdammter Job, oder? Noch schneller von Fitting zu Fitting rennen und dazwischen immer noch Zeit finden, den gerade gelieferten Container mit den neuesten Gucci-Taschen auszuräumen, den die PR-Agentur für den Rest der Woche hat liefern lassen.

Die Renaissance der Kammerzofe, diesmal im Kleinbürgertum, dürfte kurz bevorstehen, man muss Signorina Ferragni nach ihrem nächsten Schwächeanfall mit Ohnmacht beim Sichten der New In’s in ihrem Kleiderschrank in Loftdimensionen nur mal sagen, dass es dafür auch Personal gibt.

Habt ihr gewusst, dass man heute von Beruf Streetstyle-Star wie Miroslava Duma werden kann? Mögen andere am offenen Herzen operieren oder zum dritten Mal versuchen, den Henri von Nannen Preis endlich zu gewinnen, egal in welchen Klamotten, das wahre Mode-Babe zieht sich derweil noch mal um und zeigt der staunenden Welt, wie eine echte Magazin-Tussi anno 2013 auszusehen hat.

Seid ihr Männer dafür zu hässlich (wohl kaum! 🙂 ) oder bloß zu cool und schlau? … jedenfalls vermisse ich schmerzlich die InStyle Ausgabe September Issue mit Bilddokumenten, auf denen ihr mit euren It-Totes (Horst hatte sich schon eine passende ausgeguckt!), den schrillsten Schuhen von Christian Louboutin, Jeremy Scott, euren Vintage Schätzen, den enormen Plateaus von Gary Glitter oder welchen Schuhen auch immer, vor die Linsen der InStyle Fotografen geraten seid. Und das ist so gemein – man weiß ja so gar nicht, wie der neue Anzug von Robert Pattinson, der Grobstrickpulli von Jake Gyllenhaal, den seine Mutter gestrickt hat oder die den Po betonenden Jeans von Marc Jacobs aussehen, in die er nach dem Workout im Gym hüpft. Und Tom Ford, nur in Pyjamahosen an der südwestlichen Glasfront seines Richard Neutra Hauses stehend, möchte man auch zu gerne mal gesehen haben.
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Bild: Louis Vuitton

Bitte, Frau Riekel, lassen Sie Poppy D., Olivia P., Alexa Ch., all die Star-BloggerInnen, Magazin-Babes, Red Carpet Gremlins und Anna Dello Russo doch bitte mal am Straßenrand stehen … und zeigen uns dann etwas wirklich Neues, das mit Stil und Mode zu tun hat … und dem unverkrampften Spaß, den man damit haben kann, wenn es nicht um solche Bilderschnipsel geht.

Bis dahin möge das hier über den Anblick so mancher Beauty hinwegtrösten: „Wir brauchen alle eine Prise schlechten Geschmack, das ist mir auf alle Fälle lieber, als gar keinen Geschmack zu haben.“ Diana Vreeland.

Warum zum Kuckuck muss ich hier den Job von Alice Schwarzer machen?

Dank an Louis Vuitton dafür, dass es die Paper Dolls gibt, sonst hätte ich hier die Bilder aus dem Text zeigen müssen …

  • Holger
    5. November 2013 at 12:40

    Der ganze Hype mit diesen ach so schicken Bloggerinnen und Bloggern, die nichts anderes tun, als immer nur sich gegenseitig zu fotografieren und der ganzen Welt zu sagen, wie toll sie doch sind, neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Seit dem der Großteil dieser Blogger nichts mehr anderes tut, als nur als lebender Werbeständer für ein paar Modefirmen aufzulaufen, muss man das auch nicht mehr gesehen haben. Da schu ich mir lieber die eigentliche Show an, da habe ich mehr davon.
    Vor ein paar Jahren gab es Leute, die haben sich wirklich für Mode interessiert und auch daüber gebloggt – mal lustig, mal kom,isch und oft interessant, auch wenn es nicht meinen Geschmack traf. Aber wenn ein Herr Schumann mittlerweile imer die gleichen 20 Leute knipst, die sich wie auf Kommando frisch verkleiden, dann ist das nur langweilig!

    Euch übrigens ein riesen Lob zu diesem wunderbar gemachten Blog, den ich immer wieder gerne lese……

  • Siegmar
    5. November 2013 at 13:14

    Liebe Daisydora,

    dein Artikel ist toll geschrieben und bringt es auf den Punkt, unerträglich Gestalten in aller schlimmsten Klamotten rennen bei den FW rum, in der Hoffnung das sie abgelichtet werden. Bei Anna Dello Russo frage ich mich, wann macht sie ihren Job und gibt es tatsächlich keinen Spiegel in dem Raum wo sie sich anzieht. Ihre Outfits werden immer schlimmer, von den Bloggerinen überhaupt nicht zu reden, die Sachen tragen die noch nicht mal Humana haben will. Es gibt ein deutsches Magazin, das “ Fräulein “ heißt und ich finde bemerkenswert gut gemacht ist. Die haben sich, in der aktuellen Ausgabe, auch dem Thema angenommen und eine Fotostrecke von den schlimmsten Auswüchsen von bekannten und unbekannten Bloggerinen gemacht, selbstverständlich fehlt Frau Dello Russo nicht.

  • blomquist
    5. November 2013 at 14:25

    Bravo!
    Ich liebe diesen Artikel!

  • Daisydora
    5. November 2013 at 14:32

    @Holger

    Von meiner Seite vielen Dank für Dein Lob 🙂

    … und, das darf man hoffen, dass der Hype um die Blogstars abebbt … aber Im Moment sehe ich nur, dass echte Journalisten im Kniefall vor BloggerInnen im Lande verharren und man als Blog mit modischem Katastrophengebiet aus eigenem Anbau zur VOGUE Partnersite gekürt wird …

    Genau, vor ein paar Jahren war das noch solider und besser … da war der Magazinmarkt noch entspannter und die Modebloggerinnen waren zum Glück noch blogfrei bei Schüler VZ geparkt … 😉

    @Siegmar

    Vielen Dank 🙂 … Du weiß ja, in diesen Dingen sind wir hier ja nicht alleine mit unserer Wahrnehmung und Einschätzung. Das ist das (weitere Gute daran, wenn man für einen richtigen Modeblog schreibt, da hat man dann zum Glück auch an wirklicher Mode interessierte Leser … und Anna Dello Russo wirkt im Moment nicht wirklich glücklich … vielleicht feiert sie ihr modefreies Coming Out in Schiesser Feinripp auf dem Schamanenfelsen auf Olchon im Baikal See … 😉

    Die Story in Fräulein habe ich gesehen, sehr gut beobachtet und geschrieben … danke für den Tip!

  • Daisydora
    5. November 2013 at 14:35

    @blomquist

    Merci, Herr Blomquist, wie nett … 🙂

  • Sven
    5. November 2013 at 14:42

    Sehr gut! Danke, habe selten so gelacht! 😀

  • Daisydora
    5. November 2013 at 15:23

    @Sven

    Bitte, mit Vergnügen … und Dankeschön! 🙂

  • Silvana D'Angelo
    6. November 2013 at 10:53

    Kritik oder Lob,

    der Hype wird noch neu ganze Weile nicht abebben !Weil es einfach nur Entertainment ist und wer will den nicht informiert sein um Stil zu kupfern oder eigen-
    kreativ in Erscheinung zu treten !?
    Das Ganze ist von Markt also wirklich Business bis Hobby einfach noch lange nicht am Ende,!
    Ist Facebook jemals aus der „Mode “ gekommen?

  • Daisydora
    6. November 2013 at 12:00

    @Silvana D’Angelo

    Damit könntest Du recht haben … zumindest für den Teil der Blogger, die damit zumindest ein paar Kröten verdienen und ohnehin nicht wissen, was sie sonst beruflich machen könnten. Aber irgendwann muss sich „die Branche“ professionalisieren, weil die Werbekunden und deren PR-Agenturen ja nicht ewig so naiv bleiben.

    Ich weiß nicht, ob das wirklich „repräsentativ“ ist, wenn man behaupten würde, dass viele Frauen sich Inspirationen in diesen Stylemagazinen und auf Blogs holen. Aber da bin ich sicher nicht relevant, weil das für mich ja eher Warnungen sind, wenn ich das sehe, was da zu sehen ist … 🙂

    Nein, facebook ist „offiziell“ noch nicht aus der Mode gekommen, aber es werden immer mehr Menschen in Zukunft (wieder) darauf verzichten, weil es Zeitverschwendung ist und dort einfach unglaublich stark zutage tritt, dass es zuhauf Langweiler und Selbstdarsteller gibt …. 😉

  • THFranzi
    6. November 2013 at 13:03

    Ich hab ein Blog auf den ich über Mode schreibe aber auch über alles andere was ich wichtig finde.
    Ich muss dazu sagen das dieses Anzugpüppchen spielen absolut nicht mit deiner eigenen Persönlichkeit zu tun hat.
    Den Mode ist soll den Menschen zeigen der sie trägt.
    Ich liebe deine Post total. Super geschrieben, unterhaltsam und absolut Lesenswert.
    Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Franzi von http://www.thfranzi.blogspot.de

  • Daisydora
    6. November 2013 at 13:09

    @THFranzi

    Ach wie nett von Dir, dankeschön 🙂 … ich schaue bestimmt bei Dir rein und pflichte Dir bei, dass Mode schon mehr ist und für die, die dran interessiert sind, sein sollte, als diese Anziehpüppchen als Role Models oder Blueprints „hergeben“ … die Individialität ist da einfach wichtig …

    Liebe Grüße,

    Daisy

  • Ariane
    7. November 2013 at 23:49

    „Mit Frauen wird es nie richtig lustig, weil sie sich eigentlich für nichts richtig interessieren …“ ….. ?!?

    Eigentlich muss man diesen Satz ja gar nicht mehr weiter kommentieren. Ohne Worte sozusagen. Kann ich die Zeit drauf verwenden, mich darüber zu freuen, dass Mädelsabende oder Unterhaltungen mit anderen Frauen in meinem Freundeskreis immer witzig, geistreich, spannend und anregend sind. Könnte auch daran liegen, dass in meinem Freundeskreis niemand zum Kundenkreis solcher Zeitschriften gezählt werden kann…

  • Karina Venger
    9. November 2013 at 00:12

    Wäis Kiani ist für mich persönlich das beste Beispiel warum manche Frauen keinen netten Abend zusammen verbringen können. Ihre Anti Fräulein Kolumne in der Fräulein ist oder war (ich meide Schund wie diesen) ein Tiefpunkt deutscher Printmedien. Ich verstehe nicht warum so schlechte Manieren in manchen Kreisen beklatscht werden? Oder wer so „verstimmt“ ist dafür Geld zu bezahlen? Ich bin keine Frau die gerne die Gender Problematik diskutiert, aber ich persönlich finde wie Daisy das diese Streetstyle Damen auf mein Geschlecht ein komisches Licht werfen. Mädchen und Mode ist nunmal so eine Sache: nur wenige schaffen sich dabei nicht lächerlich zu machen! Wiederum existiert im Gegensätze dazu das „Wäis Weib“, welche sich berechtigt dazu füllt andere Frauen zu verurteilen und niederzumachen, was ich persönlich viel fragwürdiger finde als die Zuschaustellung langer Beine in geliehenen Valentino Kleidern. Diese Rotzgören Attitude wirft ein weitaus dunkleres Licht auf die Frauen, denn schlechte Manieren will sich niemand antun. Wenn das „Wäis Weib“ keine Freunde am Mädelsabend hat, dann mag es vielleicht an ihr liegen. Denn wie sagte Mrs. Roosevelt: Great minds discuss ideas. Average minds discuss events. Small minds discuss people.

  • Daisydora
    10. November 2013 at 12:37

    @Ariane

    Dafür sind Pauschalurteile vermutlich da, etwas anzustossen oder aufzubrechen, die Dinge (kritische Denkprozesse) in Gang zu bringen, auch wenn ich Wais Kiani ebenfalls nicht zubillige, mit allem recht zu haben … aber es gibt diese Frauen schon, und das Zuhauf und in solchen Kolumnen muss man Themen ja sehr oberflächlich anreissen und zuspitzen, der Leser will glaube ich in einer InStyle nur unterhalten werden und versteht das schon, den Inhalt zu relativieren … hoffe ich 😉

    @Karina Venger

    Da erwischt Du mich kalt, wenn es um eine Diskussion zu Wais Kiani geht, weil ich mich dieser Art Kolumnen zumeist trotzig verweigere und dann, wie man merkt, nicht genau bescheid weiss … in so ferne hätte ich vermutlich bessere Beispiele hier anführen können/sollen …

    Aber wichtig ist, was Du hier sagst: Dass es auch eine Form von Verhaltensauffälligkeit ist, wie Wais Kiani ihr Geld verdienen muss (diese kurz greifende Masche zieht eben, auch wenn differenzierte Berichte das Mittel der Wahl wären) und dass ihre Sichtweise für normal gestrickte Frauen eine Zumutung ist. Und eigentlich sollte ihr zumindest aufgefallen sein, wo ihre Texte veröffentlicht werden, nämlich genau dort, wo diese „dummen Frauen“ am liebsten zugreifen …

    Aber ich gestehe auch, dass diese Heftchen und deren Inhalte, die von viel zu vielen Frauen buchstäblich tonnenweise verschlungen werden, nicht eben das beste Licht auf „uns“ moderne Frauen werfen. Und, dass es gewiss keine Einzelfälle sind, wenn man mal wieder Frauen erlebt, die der Grund dafür sind, dass ich ganz schön chauvinistisch bin.

    Zum Glück, und danke für Deinen fabelhaften Beitrag und das Zitat von Mrs. Roosevelt an dessen Ende!, gibt es genügend richtig tolle Frauen, mit denen man befreundet sein kann und interessante Gespräche und lustige Abende hat (Mädelsabende kenne ich noch nicht, ich werde nie zu so was eingeladen, nur von Männern 😉