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ZEIT Lesetipp: Popstars aus der Flasche

Wir haben uns hier ja schon öfter mit legendären Parfums, dem Duftmarkt, den Traditionshäusern und unserer Faszination für tolle Düfte beschäftigt. Weil aber heute oftmals Marketingspezialisten tonangebend für Produktschöpfungen sind, werden Düfte heute zum Teil als Idee aus der Luft gegriffen und dann wird von den Nasen in darauf spezialisierten Unternehmen der passgenaue Duft zur Starkampagne hergestellt. Das dauert dann keine Jahre mehr, so wie früher bei Guerlain & Co.
Auf der einen Seite steht ein Star, der bei jungen und manchmal auch nicht ganz so jungen Leuten Begehrlichkeiten weckt und auf der anderen Seite die Parfumindustrie und ihr schier unerschöpflicher Erfindergeist, der darauf abzielt, das Publikum mit Stardüften an die Kassen zu locken.

Wer kennt sie denn überhaupt noch, die Legenden? Man muss da die Kirche im Dorf lassen, jungen Leuten und auch dem ganz normalen Durchschnittsbürger sagen die Namen der alten Parfummanufakturen, Legenden wie Guerlain, Lanvin oder Jean Patou rein gar nichts. Wir sind wohl in Zeiten gelandet, in denen das Attribut neu auf dem Markt und von Star Soundso kreiert, zumindest für einige Saisons besser zieht, als das Kennenlernen der Kostbarkeiten.

Wie sehr sich der Markt verändert hat, liest man auch aus der Favoriten-Liste der zehn meist gesuchten bei Douglas heraus. Darin findet sich der neue Duft von Lady Gaga, mit dem sich die Autorin des Artikels Popstars aus der Flasche, Rabea Weihser, näher beschäftigt, immerhin schon an achter Stelle. Angeführt wird das Ranking von Alien von Thierry Mugler, einem Duft, dessen Berühmtheit Ergebnis von ausgefallener Werbung, zum seltsamen Namen passend … und, auch ein Ergebnis dessen sein könnte, dass gefühlt die Hälfte aller Mädels, die irgendwelche nicht professionellen Videos einstellen, Alien soooooo sehr lieben.

Für mich ist es per se seltsam, dass Menschen neue Düfte im Internet bestellen und sich dabei nur auf die „Bewertungen” anderer Frauen verlassen. Auch wenn 4,9 von 5 möglichen Punken (das Ergebnis aus 51 Bewertungen) auf den ersten Blick ganz schön viel sind, geht das an dem vorbei, was Parfum eigentlich sein soll: Untermalung der der Persönlichkeit, Ausdruck von Stil und gutem Geschmack. Ein individueller sinnlicher Begleiter, der sich auf unserer Haut zu unserer ganz persönlichen Duftnote entwickelt.

Man muss da schon selbst dran riechen, oder? In aller Regel ist man in Parfumfragen in der guten Parfumerie am besten bedient. Gerne auch bei Douglas.

Von Starparfums halte ich aber gar nichts. Ob da Christina Aguilera, Lady Gaga, Beyonce Knowles oder Avril Lavigne draufsteht, mir schnuppe. Diese Duftwässerchen, die auf die Schnelle in ganz sicher guten Parfumfabriken entstehen, reichen nicht im Entferntesten an die fein nuancierten Kompositionen heran, für die wenige geniale Nasen auf unserem Globus normalerweise Jahre oder zumindest viele Monate benötigen, bevor wieder ein unvergleichlicher Duft auf dem Markt erscheint, der dann nicht die erschreckend kurze Halbwertszeit der Stardüfte oder so manchem Designerduft hat. Stardüfte verschwinden in aller Regel nach wenigen Jahren vom Markt, spätestens aber dann, wenn die Wachablöse der Stars erfolgte und Lady Gaga nicht mehr als sexyester Popstar der Welt gilt …

In diesem Sinne au revoir Mitsouko & Co – wenn schon Parfum, dann aber richtig! Das ist ein alter Duft von Guerlain. Auch so einer von denen, die keiner mehr kennt, aber einer der besten Düfte der Welt. Daran werden auch Lady Gaga und alle Parfumsternchen, die nach ihr kommen werden, nicht rütteln.

Der Artikel von Rabea Weihser bringt es auf den Punkt.

  • peter
    14. Dezember 2012 at 14:48

    Ach daisy…der artikel spricht mir aus dem herzen-vorbei die zeiten als Al Pacino im Duft der frauen sagte Fleur de Roccaille von Caron….
    ich bleibe aber lebenslang bei Mitsouko udn Co.bzw L’heure bleue….super tausend dank!!!

  • Siegmar
    14. Dezember 2012 at 15:23

    @ Daisy

    ich kann peter nur zu stimmen, das gleiche gilt auch für die männlichen “ Star-Düfte “ wie der hier zitierte Mr. Beckham. Die riechen alle irgendwie billig nach Massenware und ich möchte nicht bei meinem Wochenend-Einkauf bei “ Real etc. “ noch schnell meinen Duft mitnehmen der zwischen Putzmittel und befremdlich riechenden Deoś untergebracht ist.. Ich mag es sehr in eine Parfümerie zu gehen um zu sehen, zu schnuppern und freundlich und kompetent beraten zu werden, obwohl bei mir kein Problem ich benutze fast ausschließlich Düfte von Commes des garcons.

  • Siegmar
    14. Dezember 2012 at 15:25

    vielleicht sollte man hier bei Horstson einmal eine Top-Ten der Leserdüfte machen 🙂

  • Daisydora
    14. Dezember 2012 at 15:46

    @Peter

    Mit dir kann man bei diesem Thema ja immer rechnen 😉 … ich weiß nicht, ob die Zeiten vorbei sind Wahrscheinlich hat das etwas damit zu tun, dass heute viele denken, etwas von Stil unde Eleganz zu verstehen, weil sie möglichst oft Fotos und Videos von sich ins Netz stellen, in Wirklichkeit verbringen sie ihre Zeit damit, doofe Kommentare im Netz über Düfte zu lesen und Videos zu gucken, während Menschen mit Liebe zum Duft natürlich immer noch in Parfumerien dran schnuppern … was sonst!!!

    @Siegmar

    Gute Idee, das sollten wir wirklich mal machen. Eventuell Peter oder ich, oder auch wir beide … mal sehen. Peter ist ja im Moment Tag und Nacht „am Schalter“, wie er das glaube ich nennt und ihr, also unsere Leser, seid auch mit Wichtigem für Weihnachten beschäftigt …. 🙂 aber, wir machen das mit euch und für euch, versprochen!

    Dass du diese Wässerchen auch nicht magst, darauf hätte ich wetten können. Comme des Garcons beweist immer ein sehr gutes Händchen; das sind schon Klassiker ….

    Da gibt es auch so ein tolles Vanilleparfum von Serge Lutens aus dieser Duftreihe, sowas finde ich auch gut.

  • Siegmar
    14. Dezember 2012 at 16:08

    und ich benutze seit ganz vielen Jahren, hatte ich fast vergessen zu erwähnen, “ Habit Rouge “ von Guerlain.

  • Volker
    14. Dezember 2012 at 16:26

    Das Problem bei den Stardüften ist der Werbeaufwand der betrieben wird und selbst die GQ einen 007 Duft als Duft des Jahres anpreisen lässt.

  • Bernd
    14. Dezember 2012 at 18:14

    Klar, sind Starparfums Geldmacherei. Warum nicht. Nicht jede 17 jährige will riechen, wie eine alte Lehrerin.
    Und frei gesagt, rieche ich lieber nach Starparfum, als nach Rassismus:
    http://www.focus.de/kultur/mode/die-nase-reagiert-verschnupft-auf-einwanderer-neuer-rassismus-vorwurf-gegen-jean-paul-guerlain_aid_722356.html

    So schön Klassiker sein mögen, unterstützt man durch deren
    Gebrauch auch die jeweilige Ideologie des Hauses.
    LEIDER!

  • Siegmar
    15. Dezember 2012 at 11:58

    @ Bernd

    da er seit über 10 Jahren nicht mehr für Guerlain verantwortlich ist, denke ich nicht das die blöde Aussage von ihm etwas mit der Ideologie der Firma zu tun hat. Wie Volker schon schreibt nervt der unendliche Werbeaufwand für einen mittelmäßigen Duft und das junge Mädchen und Jungs glauben sie riechen jetzt wir ihr angehimmelter Star, der natürlich das Produkt mit seinem Namen nie, ausser bei Promotion, benutzt.

  • Daisydora
    15. Dezember 2012 at 14:43

    @Bernd

    Kann es sein, dass du da ein paar Vorurteile gegen Traditionsparfums hegst? Mit der Aussage, nicht jede 17jährige wolle wie eine alte Lehrerin riechen, lehnst du dich ziemlich weit aus dem Fenster. Aber gut.

    Tatsache ist, dass die Düfte von Guerlain, so wie die anderer Parfumhäuser nicht von ungefähr seit allen Ewigkeiten von Billigparfumherstellern kopiert werden. Oder was denkst du denn, welche Originale die Schöpfer von Alien & Co. in der Nase hatten, als sie ihre neuen Vanilledüfte komponierten.

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich grobe verbale Ausrutscher wie den von Jean Paul Guerlain absolut ablehne. Aber leider ist das nun mal so, dass Vertreter früherer Generationen anscheinend nicht alles aus ihrem Sprachgebrauch entfernen können, das finstere Zeiten und die damals herrschenden Gesinnungen dorthin befördert haben. Das sollte dir ja aus Deutschland nicht ganz unbekannt sein, wo sich dieselbe Bundeskanzlerin, die sich in Israel ehren und feiern lässt, mit Händen und Füßen dagegen wehrt, sich endlich für ein Verbot der NPD auszusprechen. Und auch nichts dafür tut, dass elenden Schandflecken wie der systematischen Ablehnung von Anträgen auf Ghettorenten, ein schnelles Ende bereitet wird. Ich könnte dreissig Berichte über all das schreiben, was mir zum Thema Rassismus unter den Nägeln brennt. Jean Paul Guerlain und John Galliano gehören nicht dazu.

    Das Unternehmen Guerlain und seine Vertreter sind garantiert nicht rassistisch eingestellt, das ist Unsinn. Zwischen einem Parfumhaus wie Guerlain, das der weltgrößte Nutzer natürlicher Duftessenzen ist und dem Afrikanischen Kontinent, und dem Rest der fremden Welt und deren Menschen bestehen seit Generationen engste Beziehungen.

    @Siegmar

    Habit Rouge ist ein ganz toller Duft, der so gut riecht und für mich auch immer ganz auf der Höhe der Zeit ist.

    @Volker

    Das ist so wahr. Ich habe nichts dagegen, dass man Produkte mit Daniel Craig als 007 bewirbt, aber man sollte dann als gutes Magazin schon die Kirche im Dorf lassen und sich nicht vom Hersteller eines schnellen Marketingwässerchen einkaufen lassen, wenn es denn so sein sollte … manchmal kommen diese Platzierungen aber von Leservotings und die kann man einfach nicht ernst nehmen, weil die Leute da ja naturgemäß das nennen, was sie aktuell aus der Werbung, etc. auf der Festplatte gespeichert haben…. du kennst diesen Effekt sicher …