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Zeit für’s Umdenken? Die Kooperation von Freitag und Brompton im Test*

(Brompton x Freitag Rucksack „F748 Coltrane“)

Die beste Test-Erfahrung möchte ich kurz vorwegnehmen: Fahrradfahren verlernt man tatsächlich nicht. Zum Hintergrund dieses Erkenntnisgewinns sei kurz erklärt, dass, wenn man ein Fahrrad testen soll, im Normalfall vorausgesetzt wird, dass man selbst viel radelt. Beim heutigen Tester (ich) ist das nicht der Fall, wodurch ich eine gewisse, nun ja, ‚Unbedarftheit‘ mitbringe. Das letzte Mal, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs war, ist sicherlich sechs Jahre her. Von Westerland nach Kampen ging es damals mit einem Mietrad ausgestattet, knapp neun Kilometer mit dem Wind im Gesicht. Das ist lange her, die Zeit ist reif für einen neuen Versuch und die anfangs erwähnte Unbedarftheit sollte sich zum Vorteil herausstellen.

Die Gelegenheit zum Test liefert die vor einigen Wochen angekündigte Markenkooperation zwischen dem Schweizer Taschenlabel und dem Londoner Fahrradpionier Brompton. In der Zusammenarbeit wird die nachhaltige und effiziente Art, zum Beispiel zur Arbeit, zum Freibad oder zum Fitnessstudio hin- und naturgemäß auch wieder zurückzukommen, weitergesponnen. Kurzum, es geht um einen Rucksack, dem F748 Coltrane, der zusammen mit dem Fahrradlabel entworfen wurde und der nun erhältlich ist.
Beide Firmen, also Freitag sowie Brompton, sind Innovatoren auf ihrem Gebiet. Auf der einen Seite recycelte LKW-Planen-Taschen made in Zürich. Weltweit, in beinahe jeder Groß- und Kleinstadt, trifft man auf die farbenfrohen Unikate. Selbst in der Designsammlung des MoMA ist das Label vertreten. Auf der anderen Seite Falträder, die gar nichts mehr mit dem Klapprad der 1960er- und 1970er-Jahren gemein haben und sich allein deshalb ‚Faltrad‘ nennen. War die Konstruktion damals eher wackelig, ist der in den 1980er-Jahren von Andrew Ritchie entwickelte Faltmechanismus leichtgängig und vor allem stabil.
Nachdem das also geklärt ist, rauf auf’s Fahrrad und los geht der Test.
Freitag Rucksack F748 Coltrane und ein Brompton-Faltrad Klapprad (c) Sascha Pietsch
Brompton (58,5 x 56,5 x 27 cm); Freitag Rucksack „F748 Coltrane“

Das Entfalten
Am Anfang war der Karton, den ich einige Tage mit schlechtem Gewissen unausgepackt im Hauswirtschaftsraum stehen lassen habe. Zu groß die Befürchtung, den Klapp-, pardon, Faltmechanismus nicht zu verstehen. Irgendwann, nachdem man sich an die Pappeverpackung schon fast gewöhnt hat, war der innere Schweinehund überwunden und siehe da: Das Brompton-Fahrrad ist leicht zu entfalten. Genau 10 Minuten hat es beim ersten Mal gedauert, bis aus einem kleinen Fahrradknäuel ein richtiges Rad gefaltet wurde. Dass es so lange gedauert hat, lag aber weniger am Fahrrad, sondern an der fehlenden Aufbauroutine. Nach einigen Versuchen liegt die Zeit bei 30 Sekunden für das Zusammenfalten des Brompton-Fahrrads und einige Sekunden länger für das Entfalten.

Die Frage nach dem Warum
Ich lebe in einer Stadt (Hamburg), in der man grundsätzlich zwar viel Fahrrad fährt, aber immer damit rechnen muss, dass der geliebte Drahtesel morgens nicht mehr angebunden vor der Tür steht. Oder nur noch der Rahmen. Das zusammengefaltete Fahrrad ist mit 58,5 x 56,5 x 27 cm ungefähr so groß wie ein Trolley oder zwei aufeinandergestapelte Kisten Bier und findet sowohl in der Wohnung, auf dem Balkon, im Büro als auch im Keller Platz, ohne viel Platz zu nehmen. Immerhin reden wir über das zusammengefaltet kleinste Faltrad auf dem Markt.
Freitag Rucksack F748 Coltrane und ein Brompton-Faltrad Klapprad (c) Sascha Pietsch
Brompton x Freitag Rucksack „F748 Coltrane“

Die Ästhetik
Machen wir uns nichts vor: Fahrradfahren ist längst nicht mehr nur bloße Fortbewegung, sondern ein Sehen und gesehen werden, wo das Brompton durch das ungewöhnliche Design punktet. Apropos ‚gesehen werden‘: Man fällt auf, wenn man sein Fahrrad zusammen- oder entfaltet und ist minimalistisch im Auftritt. Verhältnismäßig leicht, funktional in der Ausstattung und tatsächlich ein wenig sexy.

Die Fahrt
Als passionierte Autofahrer nehme ich grundsätzlich zu viel mit: Einkäufe, Arbeitsunterlagen, einen Organizer (den ich übrigens gar nicht nutze, ihn aber gerne dabei habe), manchmal eine Jacke, im Winter einen Schal, im Sommer eine Sonnenbrille. Das alles, und noch viel mehr … (dankt mir später für den Rio-Reiser-Ohrwurm) würde ich im Normalfall in eine Tote oder einen kleinen Rucksack packen und auf die Rückbank legen, was beim Fahrrad nun mal nicht geht. Ein Fahrradkorb fällt weg, da daraus zu schnell die Tasche geklaut wird und ich zu langsam bin. Der F748 Coltrane, eine Spezialausführung des klassischen recycelten Freitag-Rucksacks, kann um 90° Grad gedreht an jedem Brompton-Faltrad eingeklickt werden. Magnete sorgen zuvor zum einhändigen Verstauen der Schulterriemens. Am Ziel angekommen lässt er sich „entkletten“ und auf den Rücken tragen. Das geht übrigens auch ohne Fahrrad. Anlässe gibt es ja – auch ohne Sport – genug, wie wir hier festgestellt haben.

Freitag Rucksack F748 Coltrane und ein Brompton-Faltrad Klapprad (c) Sascha PietschFreitag Rucksack F748 Coltrane und ein Brompton-Faltrad Klapprad (c) Sascha PietschFreitag Rucksack F748 Coltrane und ein Brompton-Faltrad Klapprad (c) Sascha PietschFreitag Rucksack F748 Coltrane und ein Brompton-Faltrad Klapprad (c) Sascha Pietsch

Das Fazit
Der Fahrradschlauch spielt bei Freitag eine große Rolle. Seit 1993 werden immer auseinandergeschnittene Ausschuss-Fahrradschläuche zum Abschluss der Taschenkanten eingesetzt. Da ist es doch eigentlich ganz passend, dass Freitag mit Brompton kooperiert, oder? Ja. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man auch ohne einen Rucksack von Freitag mit einem Fahrrad von Brompton durch die Gegend radeln kann. Genauso kann man ohne Fahrrad von Brompton einen Rucksack von Freitag tragen. Ja, man kann sogar einen Rucksack, der nicht von Freitag hergestellt wurde, ein Fahrrad fahren, das nicht von Brompton ist. Dann würde ich aber gleich auf mein Auto zurückgreifen. Allerdings nehmen die Umweltbelastungen in den Großstädten immer mehr zu. Viele akzeptieren diesen Prozess stillschweigend. Protzen statt kleckern, SUV statt Rad oder Öffentliche. Vielleicht ist die Zeit reif für’s Umdenken.

*Fahrrad und Rucksack wurden mir für den Zeitraum des Tests zur Verfügung gestellt. Inhaltlich wurde kein Einfluss genommen.

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