Schuhe

Objekt der Begierde – Die Tartan-Loafer von Gucci

(Bild: Gucci)

Eines meiner ewigen Lieblingsbücher ist „Answered Prayers“ („erhörte Gebete“) des amerikanischen Schriftstellers Truman Capote. Die unvollendete Novelle wurde nach dem Tod des Enfant terrible unter den New Yorker Schriftstellern erst 1986 veröffentlicht und ist ein Born genau dessen, wie ihn seine Freunde beschrieben. Wer Truman zum Freund hatte, der war keinesfalls in Sicherheit, ihn nicht auch zum Feind zu haben. Er war durch und durch exzentrisch. Neben dem fast jedem bekannten Roman „Frühstück bei Tiffany’s “ der mit Audrey Hepburn verfilmt wurde, schrieb er solche Bestseller wie „In cold Blood“, die ihn weltberühmt machten.
Warum ich euch von ihm erzähle? Mein heutiges Objekt der Begierde von Gucci würde perfekt an seine Füße passen und gleichzeitig wurde mein Gebet, diese Schuhe zu besitzen, erhört. Allerdings gestaltete sich gar nicht als so leicht – ich war zwar bereit, das Geld auszugeben, habe aber Schuhgröße 45.

Aber zurück zu Capote, denn er ist noch für eines der weitreichendsten und bis heute legendären gesellschaftlichen Ereignisse von New York verantwortlich. Es handelte sich um ein Fest, das von vielen bis heute das „Fest der Feste“ genannt wird. Es war ein Ball oder, wie es auf der Einladung stand, ein „Dance“. Bei dem Ball, den Truman Capote 1966 plante, geht es natürlich um den berühmten „Black and White Dance“. Die Regeln hierfür sind ganz einfach – man sollte schwarze oder weiße Masken tragen, so stand es auf der Einladung. Was dann aber folgte, dürfte aber auch zu den größten Unruhen in der damals glamourösen Szene New Yorks geführt haben, denn jeder, der auch nur annähernd etwas darstellte, wollte eine Einladung haben. Dramen, Szenen zwischen Ehepaaren – Truman lud aus Bosheit gerne nur einen Ehepartner ein – die Hektik der Vorbereitungen, bei denen sich alle überbieten wollten und natürlich der rasante Aufstieg der Designer Halstons und Adolfos, die von den Gästen angefleht wurden, ihnen die tollsten Masken zu konstruieren, sind nur Randgeschichten dieses legendären Festes.
Die Gästeliste bestand aus dem Who’s who Amerikas: Frank Sinatra und Mia Farrow, Candice Bergen, Norman Mailer und William Buckley; zahllose europäische Adelige, die Agnellis, Kennedys, Rockefellers, Vanderbilts und Whitneys. Hinzu kamen Stilikonen und Mädchen wie die siebzehnjährige Penelope Tree, die danach zu einem der berühmtesten Models ihrer Zeit wurde.

Der Ball gehört heute zu einem der Kernereignisse der amerikanischen Populärkultur. Wer mehr darüber wissen möchte, dem sei das Buch „Party of the Century“ von Deborah Davies empfohlen, das neben der vollständigen Gästeliste auch sämtliche Intrigen und den Weg voller Tücken beschreibt, um letztendlich auf Capotes Fest zu sitzen.
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Bilder: Gucci

Der Stil Capotes und sein Zynismus sind für jeden, der nur einen Funken Ironie besitzt, ein Must. Ein Grund mehr, warum er sicherlich seine helle Freude an den Horsebit Loafern gehabt hätte, die Alessandro Michele für Gucci im Frühling für die Herbst/Winter 2016 Saison über den Runway schickte.
Ein Gefühl, das ich schon lange nicht mehr hatte, dass ich nicht leben kann, ohne etwas zu besitzen und habe die Zeit bis zur Lancierung verwünscht. Hinzu kommt, dass natürlich nicht alles, was in den Schauen gezeigt wird, automatisch auch in den Läden erscheint. Die Einkäufer lassen manches, was ihnen zu schwierig oder zu teuer erscheint, wenige Wochen nach der Vorführung sterben, indem sie es nicht bestellen.

Bei Gucci hat man Glück, da Alessandro Michele ja das ganze Haus auf den Kopf stellt und seine Kreationen das Image des Labels völlig umgekrempelt haben.
Wer etwas Besonderes will, was man ja eigentlich von hochpreisiger Mode erwarten kann, wird bei ihm wie aus einem Füllhorn belohnt.

Tartan, also Schottenkaros, sind seit meiner Kindheit meine Lieblingsmuster. Ob in meinem Haushalt oder auch als Hemden, Hosen, Tücher, sogar als Socken – das Muster ist bei mir reichlich vorhanden. Ich mag die Klassik, aber auch die Farben und die Tradition, die dahinter steckt. Außerdem ist man damit immer gut und extravagant angezogen. Die Horsebit Loafer, der Gucci-Klassiker schlechthin, sind so zusagen ein doppelter Wurf von Gentleman Taste und gleichzeitig exzentrisch. Tragen kann man sie rund um die Uhr und zur abgewrackten Jeans und Polo in „Racing Green“ von Lacoste, sind sie genau so chic wie zum Smoking, sollte man das Glück haben, zu einem Ball wie bei Truman Capote eingeladen zu werden.

Da Gucci die in flamboyanten Stoffen bezogenen Mules und Loafer für Männer mit Mut fast ausschließlich in asiatischen Märkten verkauft, führt dazu, dass in den meisten Läden bei Größe 43 Schluss ist. Aber der Gucci-Gott scheint doch eines meiner Gebete erhört zu haben und einmal standen die heiß ersehnten Schuhe in Größe 45 in Milano.
Dass ich sie nie mehr hergeben werde, ist klar. Vielleicht gibt es ja mal wieder solche Persönlichkeiten wie Capote und ein Fest, wie den „Black and White Dance“. Sollte ich eine Einladung bekommen, bin ich gewappnet …

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  • thomash
    8. August 2016 at 12:15

    Oh, die Schuhe, der “Dance“ und Capote (und Kempe), das gefällt mir alles SEHR gut : -)) Truman Capote war ein ganz großer Magier, dabei leider sehr zerissen.

  • Siegmar
    8. August 2016 at 12:51

    Wunderbarer Artikel, tolle Schuhe hätte ich auch gerne und es gibt ein wirklich gutes Buch “ Ein Sonntag in New York “ Gaza Verlag. Gespräche Capote und Warhol, der Zynismus von Beiden ist nicht zu überbieten, aber auch sehr charmant.

  • PeterKempe
    8. August 2016 at 12:58

    Siegmar das Buch ist super toll ! Das kann man ja gleich mit bestellen ! Danke für das Lob !

  • René
    8. August 2016 at 14:58

    Schöne Geschichte! Die Schuhe sind allerdings nicht mein Fall