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Neues bei Wunderkind

Treue Horstson Leser wissen es ja, dass wir Wolfgang Joop aus verschiedenen Gründen einfach mögen. Unter anderem deshalb, weil er modisch gesehen wirklich was kann und sein Anspruch an Neuigkeitswert und Originalität seiner Kollektionen immer höher als der so mancher Kollegen ist. Sich so preußisch-stolz und trotzig um Hochwertigkeit bemüht in den rauen Wind des Modebusiness zu stellen, der schon viele Kollegen mit klingenden Namen umgeblasen hat, verlangt erstens Mut und zeugt ebenfalls davon, wie wichtig es dem Designer ist, Mode zu machen, die es so designt eben nur von Wunderkind gibt. Ich liebe Wunderkind, ganz besonders die gemusterten mehrlagigen, plissierten Kleider aus Seidenchiffon und ähnlich feinen Materialien… aber ehrlich gesagt habe ich schon öfter daran gedacht, dass es bestimmt nicht einfach ist, eine so hochwertige Kollektion mitten unter anderen Kollektionen, die viel weniger Uniqueness aufbieten, zu präsentieren und gut zu verkaufen…
Natürlich kann man Wunderkind bei Bergdorf Goodman, Neiman Marcus & Co. auch schön platzieren, aber in den eigenen Shops lässt sich alles, worauf es bei den aufwendigen Designs ankommt, eben viel besser in Szene setzen.

Dem Anschein nach nehmen die jeweils zu 50 Prozent Eigner von Wunderkind, der Designer Wolfgang Joop und das Investoren-Unternehmerpaar, Joachim und Gisa Sander, die Notwendigkeit einer Umstrukturierung der Marke sowie die Verlegung des Unternehmens von Potsdam nach Berlin zum Anlass, auch über den Vertrieb bzw. die Verkaufsstellen für Wunderkind nachzudenken. Möglicherweise gibt es die Kollektionen bald nur noch in den eigenen Stores… sehr elitär gedacht, aber irgendwie passend zu unseren Zeiten, in denen es wieder viel wichtiger ist, auf Exklusivität und den passenden Rahmen für Marken zu achten. Man beachte dazu auch die jüngsten Statements und Strategie von Tom Ford, der erkannt hat, dass nur im Premiumsegment genügend Luft für richtig gute Kollektionen ist.

Alleine durch das auch von Modeblogs sehr forcierte Onlineshopping von Designerklamotten verlieren die Sachen indirekt ihre spezifische Wertigkeit. Und das ist für die gesamte Modebranche à la longue schädlich. Man kann wohl rund um die Uhr kaufen, aber am Ende wird das frei verfügbare Einkommen für Klamotten ja nicht zwingend mehr. Wenn ich bei den Üblichen Verdächtigen unter den Onlineshops reingehe, stockt mir oft der Atem dabei, wie teuer all die kleinen Labels sind, die auch dank Onlineshopping-Boom wie Pilze aus dem Boden sprießen. Aber dazu später mehr in einem eigenen Bericht zum Thema Klamotten einkaufen gehen –vs– Onlineshopping….
Der Spiegel von dieser Woche berichtet unter der Überschrift „Wunderkind am Scheideweg“ kurz, dass beim Potsdamer Modelabel Wunderkind in den vergangenen Wochen ein Teil der Belegschaft gehen musste. Wunderkind Geschäftsführer, Wolfgang Henning, informierte darüber, dass nun eine neue Firmenstrategie die Wende bringen soll. „Man wolle das klassische Fashion-System“ verlassen, heißt es intern. Künftig sollten die Kollektionen nur noch in eigenen Boutiquen verkauft werden. Der Designer selbst will sich bei Wunderkind künftig noch stärker auf seine künstlerische Arbeit konzentrieren. Das freut Daisy, denn dabei kommen bestimmt sehr schöne Kollektionsteile zustande. Leider wird es im Frühjahr erst mal keine große Wunderkind Fashion-Show geben, aber schon wegen einer ganzen Zahl von Investoren-Interessenten im Ausland muss man sich um das Luxuslabel keine wirklichen Sorgen machen. Wir wünschen Wolfgang Joop und Wunderkind, auch im eigenen Interesse nur das Allerbeste, einen fulminanten internationalen Durchstart in der nächsten Saison unter den Besten der Besten! Denn langweilige und schlecht geschnittene, dafür aber überteuerte Klamotten gibt es schon genug…

  • peter kempe
    12. Januar 2011 at 12:19

    @daisy
    tausend dank liebe daisy für den wunderbaren artikel ich liebe wolfgangs zeichnungen und er ist ein echt toller modekünstler bei ihm wirds immer schwierig wenn es um die kommerzialisierung geht und er zum massen label werden soll.er ist wirklich klasse und manchmal vergisst man das wenn er so einen mist daher erzählt.ich bewundere ihn sehr und mein schulpraktikum hab ich bei ihm gemacht als er noch ind er baadestrasse hier in hamburg war.seine kollektionen waren unschlagbar die mozart kollektion und die east meets west kollektionen waren der hammer.ich verehre ihn sehr und er war einer der mich daruf gebracht hat mich mit schönen dingen zu beschäftigen.

  • Daisydora
    12. Januar 2011 at 15:12

    @peter kempe

    Sehr gerne, das weisst du doch, dass ich ein Gerechtigkeitsfanatiker bin und wir bei Horstson zum Glück nicht mit den Wölfen heulen müssen … Für mich steht Wolfgang Joop einfach auch für Haltung und großes Talent und für jene Berufsvertreter in Deutschland, die ihren Beruf wirklich perfekt beherrschen … 🙂

  • cblicious
    12. Januar 2011 at 19:25

    Auch wenn ich seine Kollektionen nicht wirklich mag, so mag ich doch seine Einstellung und sein Ehrgeiz.

    Das Thema Onlineshopping sehe ich genauso, ich mag Onlineshopping so garnicht, aber leider bekommt man auch in grösseren Städten in Deutschland nur eine sehr traurige Auswahl an Bekleidung zu kaufen. Ich muss ganz ehrlich sagen , so richtig verstehen tu ich die Händler aber auch nicht. Ich persönlich kaufe wesentlich mehr wenn ich in einem Laden bin als wenn ich in einem Onlinestore einkaufe, gerade dieses „och dazu würd ja noch das passen“ fehlt im Onlinestore völlig. Besonders das Crossselling macht mich dann nur höchstens böse. „Andere kauften auch:“ Bin ich andere ????

  • Rene Schaller
    12. Januar 2011 at 21:26

    Eines der Probleme bei Wunderkind ist, dass die Einkäufer nicht mutig sind und die meisten Verkäufer keine Ahnung haben. Es ist leichter einen schwarzen Balmain Blazer zu verkaufen, das kennt die Kundin und die Verkäuferin wird auch nicht damit überfordert. Und Wunderkind kam weder bei den Bloggern noch in der Modepresse groß vor, weil sie sich einfach nicht in die Editorials einkaufen konnten wie es Chanel und Co. machen.
    Es ist ein Drama und ich glaube nicht wirklich, dass der Weg der nun eingeschlagen wird der Richtige ist.

  • Daisydora
    12. Januar 2011 at 22:19

    @cblicious

    Das ist interessant zu erfahren, dass im Modehandel nicht alle Wünsche erfüllt werden … aber dem Mangel an Mut und ausgefalleneren Modellen im Modehandel kann man mit den teils wirklich grottigen Labels und ewig gleichen Modellen, die im Onlinehandel so gerne gekauft werden, auch nicht entgegenwirken … und wenn ich sehe, dass man Christher Kane Klieider für 3.200 Euro und bestickte Mäntel für 4.500 im Onlinehandel an einem Billigmodel präsentiert .. dann frage ich mich ehrlich gesagt, ob wir als Verbraucher noch alle Latten am Zaun haben, wenn wir so einkaufen … Nee, du bist nicht Andere …. ich kaufe schon seit Jahren nicht mehr bei Amazon, so hat mich das genervt 🙂

    @Rene Schaller

    Damit hast du wohl recht …

    Ich glaube aber, dass es auch daran liegt, dass Berlin als Herkunftsort für Kollektionen mit so viel Raffinement absolut falsch ist …. Dort kapieren das Leute wie du und davon gibt es einfach zu wenig …. das ist Mode, die aus Paris oder New York kommen sollte und man müsste auch Investoren gewinnen, die mit Weitblick und sehr langem Atem geduldig in gute Standorte und tolle Präsentationen mit allem Pomp (wieso hat Joop noch kein Ballett mit Wunderkind ausgestattet, etc…) investieren… Die Sachen (Damen) sind einfach toll … das wäre auch eine Marke, die eine Tailor Made Linie haben sollte …. und man müsste ein paar interessante internationale Showstars, denen die Klamotten gut stehen, ausstatten …. und/oder in die Werbekampagnen reinnehmen ….. 🙂

  • Rene Schaller
    13. Januar 2011 at 09:46

    Die Identität von Wunderkind ist doch aber das preußische in Wolfgang’s Kindheit und seine Weltfluchten in die Kunst später.
    Wenn ich meinen Kommentar betrachte fällt mir auf, dass ich einen anderen Aspekt unter den Tisch fallen lassen habe: die Unternehmensstruktur. Und es hat nichts mit dem Investoren zu tun, wenn man bei Wunderkind keine Struktur in den Verkauf und das Marketing reinbekommt. Gerade als kleines Label muss man eben 100% geben bei Order, Auslieferung und Passformen. Keine Kundin mit 38 kauft gerne 42, nur weil die Armlöcher Puppengröße haben.
    Trotz aller Schönheit kann das eine Marke ruinieren. Mode ist noch immer für den Körper gemacht.

  • Daisydora
    13. Januar 2011 at 16:39

    @Rene Schaller

    Das mit dieser Potsdamaer Verlinkung bringt gar nichts, da der größte Teil potentieller Kunden sowieso noch nie das Marmorpalais gesehen hat, oder weiss, dass jede Tapete im Umkreis von 500 Metern Geschichte und Schönheit atmet ….geschweige denn, wie Wolfgang Joop beim Frühstück auf den Heiligen See gucken kann… die Markenidentität müsste internationaler sein, daher eignet sich Berlin einfach nicht für so teure Stücke …

    Der andere Aspekt, den du mit Recht ansprichst,ist der der Passform … da muss man bei diesen ausgefallenen Schnitten schon manchmal Glück haben, wenn alles sitzt …. daran ist ganz bestimmt zu feilen, wenn du das sagst …. Aber den Hauptgrund sehe ich wie du bei einem Mangel an Verständnis für diese Looks … es ist einfach viel schwerer, herauszufinden bzw. zu wissen, was man zu diesen Stücken tragen kann, denn kaum jemand trägt die Outfits von Kopf bis Fuß … man braucht einfach ein geeigneteres geschmackssicheres Umfeld, in dem die Leute sowas Spezielles zu schätzen wissen … bis hin zu kostbaren Mänteln mit „Bestickungen“ ha ha ha ha kleiner Private Joke für dich 🙂