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Mongos und Spastis…

…davon gab es damals jede Menge auf dem Schulhof. Denn jeder, der einen nervte, wurde kurzerhand so tituliert. Natürlich war das überhaupt nicht bös gemeint oder gar diskriminierend – so, wie ja auch die Schüler von heute auf keinen Fall homophob sind, die das Wort schwul als Allzweckbegriff für alles Schlechte benutzen. Was an dieser salomonischen Sichtweise stimmt, ist sicherlich, dass es den meisten Menschen egal ist, welche Minderheit sie gerade als Schimpfwort im Munde führen. Was bleibt, ist der empathielose Umgang mit Menschen, die anders sind.

Normalerweise kopiere ich nicht einfach Texte, sondern versuche meinen eigene Sichtweise darzustellen. Aber in diesem Fall trifft die Formulierung des Editorials des aktuellen Dummy-Magazins den Nagel auf den Kopf. Und es ist nicht so, dass ich mich nicht mit dem Thema Behinderung auseinandersetze. Eher im Gegenteil – das mache ich nämlich jeden Tag beruflich. Und um so gespannter bin ich auf die Ausgabe des Magazins mit dem Titel „Behindert“, zumal sich die Autoren auch in die Höhle des Löwen getraut haben: In die Behindertendisco und einen treffenden Vergleich zum Berliner Berghain gestellt haben – beides ist so eine Art Paralleluniversum, die es zu besuchen lohnt, denn lange wird es beides nicht mehr geben: Das Berghain wird durch einen anderen hippen Club abgelöst und die Behinderten? Die werden weniger, denn manche arbeiten eifrig daran, dass es bald keine Behinderten mehr gibt, wo wir bei der nächsten Story des Dummy Magazins wären: „Die letzten ihrer Art“, wo es um die eher düster aussehende Zukunft der Behindertenszene geht – Pränataldiagnostik und Selektion sei Dank. Viele werden das gar nicht mitbekommen, denn immer noch gibt es Diskriminierungen und wenn ich mit meiner Gruppe ins Restaurant gehe, bleiben die Tische um uns frei. Vielleicht verderben Menschen mit Behinderung einem ja den Appetit.

Bilder und erster Absatz: Dummy Magazine, erhältlich in allen Bahnhofs- und Flughafen- Handlungen im Bundesgebiet sowie in gut sortierten Verkaufsstellen größerer Städte.

  • Chris
    24. März 2011 at 09:53

    Bei der Headline blieb mir für einen Augenblick die Spucke weg ! Mutiges Magazin! wird gekauft!

  • Daisydora
    24. März 2011 at 09:56

    Danke für diesen Beitrag, der einen dazu bringt,über wichtige Dinge nachzudenken.

    Und, lieber Horst, ich finde es übrigens fürchterlich, wie inflationär mit diesen alltäglichen Schimpfwörtern heute umgegangen wird und ich könnte auch gut und gerne darauf verzichten, selbst in den Nachrichten das böse sch-Wort hören zu müssen…

    Das Magazin kannte ich ehrlich gesagt noch gar nicht …. das werde ich nun wohl ändern 🙂

  • Olaf
    24. März 2011 at 11:19

    BRAVO !!!

  • siegmarberlin
    24. März 2011 at 13:04

    @ Horst
    sehr gut, danke

    @ daisydora
    dummy-magazin ist wirklich empfehlenswert, besonders die Ausgaben “ Männer “ u. “ Türken „

  • Stefan
    24. März 2011 at 14:08

    Endlich mal ein Blog der sich auch Themen fernab von Fashion widmet! DANKE!

  • Daisydora
    24. März 2011 at 14:14

    @siegmarberlin

    Dankeschön, ich werde auch deinen Tipp beherzigen und die genannten Ausgaben lesen …

  • Horstson » Blog Archiv » Die Woche auf Horstson
    27. März 2011 at 10:02

    […] nur für den Smalltalk, sucht – et voilà: Die Highlights der Woche auf Horstson: 1) Mongos und Spastis? Das Dummy Magazin widmet seine derzeitige Ausgabe Menschen mit Behinderung 2) Als Yves Saint […]

  • Georg
    10. Mai 2011 at 20:34

    und hier kann man nachlesen, was man mit behinderung vom sogenannten paralleluniversum berghain so zu erwarten hat:

    http://waiting.blogsport.de/2011/05/03/tuersteher-sind-bullen/