Ausstellung

Ikonen, Archetypen, Trisomie 21: Icons in Berlin

„Der König“, Icons, Berlin; Foto: Emma Svensson

Jeder kennt das: Ging man früher spazieren, begegneten einem relativ häufig Menschen mit Behinderung. Weil es aber immer einfacher wird, Behinderungen und Fehlbildungen schon im Mutterleib festzustellen, werden Menschen mit angeborenen Behinderungen weniger. Man geht davon aus, dass sich 90 % der werdenden Eltern gegen ein Kind mit Trisomie und für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden – so wurden 2019 in Dänemark nur 18 Kinder mit Down-Syndrom geboren.
Diese Entwicklung sollte man sich vor Augen führen, wenn man aktuell in Berlin „Icons“ besucht. Die Ausstellung zeigt 21 Porträtfotografien berühmter Ikonen und Archetypen. Die Models der Ausstellung leben mit dem Down-Syndrom.

Der Rebell, der Superheld, die Königin, die Diva: Es sind bekannte Bilder von Träumen und Wunschvorstellungen, die selten von Menschen mit Trisomie 21 dargestellt werden. Bei „Icons“ geht es um mehr als nur um Fotografie. Es geht um das Recht, zu sein und gesehen zu werden, egal wer man ist.

Icons im Felleshus der Nordischen Botschaften

Produziert wurde „Icons“ von Fotografiska Stockholm, eines der größten Zentren für zeitgenössische Fotografie der Welt mit Dependancen u. a. in New York, Shanghai und bald auch Berlin. Entstanden ist die Ausstellung in Kooperation mit Pär Johansson, Leiter des Glada Hudik Theaters von Menschen mit und ohne Behinderungen in Hudiksvall, der Fotografin Emma Svensson und den Kostümbildnerinnen Linda Sandberg und Helena Andersson. Für das Felleshus in Berlin wurde die Ausstellung von der Schwedischen Botschaft in Deutschland produziert.
Einen Blick hinter die Kulissen der Ausstellung „Icons“ liefert ein sehenswertes Video.

Felleshus der Nordischen Botschaften
Rauchstrasse 1
10787 Berlin

Öffnungszeiten
Mo-Fr 13:00 Uhr – 19:00 Uhr
Sa,So, Feiertage: 11:00 Uhr -16:00 Uhr

Die Ausstellung „Icons“ läuft noch bis zum 26. Juni 2022. Der Eintritt ist frei.

  • paule
    30. Mai 2022 at 11:26

    @ HORST

    Es begegnen einem heute noch immer viele Menschen mit Behinderung. Man sieht sie oft nur nie. Mit Behinderungen ist das so eine Sache. Was ist eine Behinderung? Was zeichnet sie aus und ist das, was andere als Behinderung ansehen wirklich eine Behinderung? Für „Betroffene“ oftmals nicht. Ich selbst habe seit zwei Jahren eine „anerkannte“ Behinderung. Seitdem sehe ich, wie „behindert“ die anderen sind. Ich kann sehr gut damit leben. Manches Mal bin ich etwas eingeschränkt und das war es. Aber wer ist nicht manches Mal eingeschränkt? Eine Freundin von mir hat ein Kind mit Down-Syndrom. Sie erzählte mir einmal, als es festgestellt wurde, sagte die Ärztin, zu ihr, das man so etwas heute nicht mehr braucht. Während ihrer Schwangerschaft wurde sie von den Ärztinnen und Ärzten massiv unter Druck gesetzt. Sie hat psychisch enorm darunter gelitten. Ich gehe davon aus, dass sich mehr Eltern für ein Kind mit Behinderung entscheiden würden, der gesellschaftliche Druck aber enorm gross ist und die Angst vor Stigmatisierung. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es geht um perfekte Kinder. Und Kinder mit einer „sichtbaren“ Behinderung haben auch heute noch keine sehr hohe Lobby. Unsere schöne Diversität hat Behinderte bis heute nicht erreicht. Ebenso wie ältere Menschen. Nun, damit machen Chanel & Co. keine Kasse. Diversität heisst noch immer jung, perfekt und schön (in allen Hautfarben). Links und rechts davon ist noch immer wenig Platz.

  • Horst
    30. Mai 2022 at 11:45

    @Paule Zumindest steigt die Sichtbarkeit in den Medien, wenngleich nicht immer geglückt: „As We See It“ bei Amazon ist mMn geglückt, „Weil wir Champions sind“ hingegen nicht.
    Auch Sofía Jirau ist in den letzten Monaten bekannt geworden, wenngleich ich mir nicht ganz sicher bin, ob Victoria’s Secret sie instrumentalisiert.

  • paule
    30. Mai 2022 at 23:12

    @HORST
    Ich denke es ist bei Menschen mit Behinderung so, wie bei anderen auch. Je mehr sie gefördert werden, je mehr können sie. Ich denke, mit den Möglichkeiten, die es heute gibt und die möglich wären, ist Down-Syndrom nicht mehr vergleichbar mit den 70er Jahren. Ich denke Menschen mit Down-Syndrom haben mit guter Förderung eine Chance auf einen Beruf und Autonomie. Gut, die wenigsten werden wahrscheinlich Herzchirurg werden. Aber das werden die meisten anderen auch nicht. Ja, sichtbar werden ist wichtig und der Marlon Brando ist auf jeden Fall sehr süss!