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How To Spend It – Das ist der Sinn von Weihnachten!

Es war zwei Tage vor Weihnachten, da hat mir Horst eine kleine Geschichte von einer Frau erzählt, die sich beim zweiten Zusammentreffen anlässlich eines Fluges – aus schickem Anlass – daran erinnerte, dass Horsts Beruf mit behinderten Menschen zu tun hat. Und ich war von dem, was er mir da berichtete, sehr gerührt.
Für mich liegt der Sinn von Weihnachten nämlich zu einem Gutteil darin, an diesem Tag nicht nur ganz besonders an die Menschen zu denken, denen es nicht so gut wie meiner Familie und mir geht, sondern auch etwas für sie zu tun. Ohne diesen Inhalt würde mich Weihnachten nicht mehr als ein nettes Abendessen mit Freunden oder Familie interessieren. Es gibt so unglaublich viel zu tun, damit nicht noch mehr Menschen in unserer direkten Nachbarschaft durch den Rost fallen.

Aber zurück zu dem Auslöser: Viele Firmen und Privatpersonen in Deutschland engagieren sich für Menschen, denen es nicht gut geht. Und dass in Deutschland mehr als viereinhalb Millionen Menschen ehrenamtlich engagiert sind, hat mich immer sehr beeindruckt. Salopp ausgedrückt, würde uns trotz hoch gelobtem Sozialsystem der ganze Laden täglich einmal um die Ohren fliegen, wenn es diese geballte gute Energie der helfenden Hände, die keiner kennt und die auch kein großes Aufhebens darum machen, nicht gäbe.

In diesem Bereich werden keine Schecks mit Herzchen für Kinder und so weiter in Gottschalk moderierten Galas übergeben, es wird einfach hingeschaut und still und leise gemacht. Auch für Behinderte, die Sponsorships der Wirtschaft nicht gerade magisch anziehen.

Nun denn: Die Vertreterin eines Magazins im Premiumbereich, das zum Wirtschaftszweig von Gruner & Jahr gehört, hatte Horst aktiv danach gefragt, wie das denn so sei mit der Beschaffung von Geschenken für seine Schützlinge … und sicher könnt ihr euch vorstellen, dass es nicht eben einfach ist, weil ja auch immer was anderes existenzieller ist, rund um die in Gruppen betreuten Frauen und Männer mit schweren Behinderungen.

Und dann hat sie einfach ihren wunderbaren Fundus geöffnet und daraus einen ganzen Schwung passender und wunderschöner, hochwertiger Weihnachtsgeschenke für Horsts Schützlinge herausgeholt und hat sich nur ausbedungen, das möge bitte nicht an die große Glocke gehangen werden. Das ist die Form von Hilfe, die es manchmal braucht, an andere denken und einfach machen. Wer wirklich herzlich ist, hat ohnehin selbst am meisten davon.

Manchmal können ein Becher heißer Tee oder Kaffee für den vor Starbucks oder dem Kaufhaus auf dem kalten Boden sitzenden und bettelnden Obdachlosen oder auch mal ein Schal, den man nicht mehr braucht oder dafür gekauft hat und etwas Geld oder etwas zu essen, schon sehr helfen. Es ist dieses ohne große Umschweife helfen, das uns Menschen als solche ohne Herz aus Stein, von den Zauderern, die immer gute Gründe finden, nichts zu tun, unterscheidet.

Danke, liebe anonyme Helferin, auch von mir! Das ist der Sinn von Weihnachten!

Bilder: Werner Voigt
Geboren 1935 in Hamburg. In seinem vierten Lebensjahr wurde Werner Voigt in die Alsterdorfer Anstalten aufgenommen. Nach der Schulentlassung arbeitete er unter anderem in der Schneiderei und als Kirchendiener. 1961 wurde er Mitglied der Pfingstgemeinde Elim. 1963 zog er in das Stadthaus Schlump und lebt jetzt in einer Wohngemeinschaft. “Ich male ja immer nur Bilder vom Glauben, aus der Bibel und von meinem schweren Leben in der Anstalt, wo sie mich geschlagen haben. Mit drei Jahren hat meine Mutter mich da reingesteckt. Ich weiß gar nicht, warum. Das weiß nur Gott allein. Ich habe drei Berufe: Herrenschneider, Damenschneiderin und Kunstmaler. Mal sehen, was Gott noch mit mir vorhat.”
Wener Voigt ist geistig behindert.

  • blomquist
    23. Dezember 2011 at 11:18

  • Daisydora
    23. Dezember 2011 at 11:33

    Danke Horst für den tollen Header und die sehr anrührenden Informationen über den Maler in den Credits … 🙂

    Das Bild ist geradezu prophetisch und ich würde es sehr gerne bei mir haben.

  • Maurice
    23. Dezember 2011 at 12:18

    I like !!

    In der heutigen Weg- und Ueberflussgesellschaft, derer Bekange ich mich selbstredend nicht ausschliesse … sollte man hin und wieder oefter einmal den kleinen Tagesengel mimen.

    Entspannte Weihnachtstage .

  • siegmarberlin
    23. Dezember 2011 at 13:35

    sehr schön und auch der Gedanke von Maurice

  • Carrie
    23. Dezember 2011 at 14:12

    sehr schön !

  • peter kempe
    23. Dezember 2011 at 17:53

    die frau ist großartig und ich finde es selbstverständlich das wenn man einen luxus beruf hat das man auch noch sich um caritative dinge kümmert .ich mach das seit jahren und es ist eine große beglückung für mich.

  • Carrie
    23. Dezember 2011 at 21:46

    Daumenhoch für alle fleißigen Helferlein!
    Uns erfüllt es immer mit großer Freude wenn man mit kleinen Dingen andere Menschen, denen es nicht so gut geht ein wenig glücklich machen kann…
    Euch allen ein schönes Weihnachtsfest !
    Carrie und George