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Hermès Autumn-Winter 2014 – Die Einfachheit der perfekten Eleganz

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Bild: Hermès

Das Jahresmotto des Hauses Hermès für 2014 ist die Metamorphose. In der Natur ein häufig vorkommender Vorgang und natürlich bezeichnend für ein Unternehmen, dessen Handwerker manchmal kaum zu erkennende Rohstoffe durch die Kraft ihrer Hände in wunderbare Kreationen verwandeln. Drei Haufen mit verschiedenen Erden werden so zu einem prachtvoll schimmernden Kristallglas, genauso wie ein Stück Leder, das sich zu einer der begehrtesten Taschen der Welt verändert oder aus geschmolzenem Metall eine zauberhafte Halskette „herausschlüpft“.
Christophe Lemaire bewies mit seiner in der ehemaligen Börse von Paris, dem Palais Brongniart, gezeigten Kollektion, dass die Verwandlung einer Raupe zum Schmetterling prachtvoll und von ungeheurer Eleganz sein kann, ohne laut und zu schillernd zu sein …
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Bild: Hermès

Vorweg kann man sagen, dass Christophe Lemaire, genau wie Veronique Nichanian bei den Männerkollektionen des Hauses, komplett auf Materialistik und den „Hidden Comfort“ setzt, den der Träger verspürt und der leise die Aura des Luxus ausstrahlt, ohne marktschreierisch-plakativ zu wirken. Das Attribut der wahren, schlichten Luxusbekleidung im Sinne von Giorgio Armani oder Jil Sander, in ihren Kollektionen der Achtziger Jahre, kommt einem beim Betrachten der Looks sofort in den Sinn. Auch Martin Margielas simplifizierte Modernisierung der Hermès-Frau findet eine Anknüpfung in den Überlegungen von Lemaire …
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Bild: Hermès

Lemaires Frau hat ein absolutes Standing und genießt Unabhängigkeit. Sie vervollkommnet ihren eigenen, präzisen Stil und sie spielt gern mit Materialien und Gegensätzen.
„Sauvage Elegance“ nennt das der Designer – ein Begriff, der mir auf Anhieb gefällt, auch weil er Klasse beinhaltet, die weit ab des üblichen Modezirkus und der ununterbrochenen Suche nach „Neuem“ und unendlichen Zwischenkollektionen liegt. Hermès behält es sich weiterhin vor, lediglich zwei Damenkollektionen im Jahr zu zeigen, um die Entwicklungen und die Fertigung auf höchsten handwerklichen Niveau zu gewährleisten. Deswegen sind die meisten Kleidungsstücke und Looks auch eher in die Kategorien „langfristige Garderobe“ und „Lieblingsteile“ einzuordnen, als in „Alle-zwei-Monate-ein-neuer-Label-Look“. Genauso war Designermode ja auch mal gedacht und vor allem in dem Genre und der Preisklasse von Hermès, sieht man von kaufwütigen Neureichen ab, sinnvoll, um Kleidung und den persönlichen Stil kontinuierlich aufzubauen und zu perfektionieren.
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Bilder: Hermès

Christoph Lemaire scheint die intelligente Art sich anzuziehen total verinnerlicht zu haben. Persien, Nordafrika und die Seidenstraße nach China inspirierten ihn aus der DNA der Hermès-Wurzeln.
Reisende Nomaden faszinierten die eng mit diesem Thema verbundene Familie des Hauesnseit jeher. Auch war es schon immer ein Ziel des Hauses, eben diese Faszination wie eine Geschichte in die Mode der Pariser, Londoner oder New Yorker Frauen einzubringen, ganz ohne den Touch von Folklore.
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Bilder: Hermès

Die „Elegance Sauvage“ ist mit dieser Kollektion geboren: Metamorphose de Luxe. Die Nachfahrinnen der wilden Amazonen haben heute Führungspositionen in Wirtschaftsunternehmen oder füllen erfolgreich Berufe im Creative-Bereich aus.
Shearlings aus Sheepskin, bei Hermès im Herbst auch als Mantel oder lange Weste zu bekommen, sind ideal, um sie überall drüber zu werfen. Kombiniert werden sie mit Seidendrucken oder sie werden gleich mit ihnen gefüttert. Ein Highlight ist das tibetanische Lammfell, welches mit Rosshaar verarbeitet wurde. Überhaupt sind die Mäntel die Offenbarung der Kollektion: Kaftane in Double-Face-Kaschmir, Mäntel mit Schalkragen in Wollgabardine, Maxicoats in Yak und Bademäntel, die so lässig sind, als hätte man gerade mal eben das Haus verlassen … Die Mäntel kündigen sich jetzt schon als ewige Lieblingsteile an und auf den Schauenbildern möchte man sofort die Materialien in ihrem Komfort und ihrer Weichheit ertasten.
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Bild: Hermès

Männeranzüge werden feminisiert und Oversized-Tuxedos werden gezeigt. Dazu dann Reitröcke in Wolle mit Lederdetails und Wickelröcke in Krokodilleder-Chiffon – Geschichte und handwerkliche Perfektion blitzen wie ein Schalk aus jedem Teil, das vollkommen die Modernität umsetzt …
Die weiteren Joker der Kollektion sind definitiv die „Criss-Cross“ Kleider, Cargohosen in Baumwoll-Samt und die Jodhpurhosen aus Hirschleder.
Die Farben sind durch die Reihe weg gediegen: Puder, Papier-Braun, Eis, Grüngrau, Granit, Dunkelgrün und Mitternachtsblau geben sich die Klinke in die Hand. Als zweite Schiene dann Bronze, Tabak, Havanna und das für Hermès klassische Rot. Der Abend ist bei Hermès hingegen sehr klar und zeigt sich in Woll-, Ecru- und Evening-White. Bei den Drucken der Foulards setzt Hermès die Klassiker, wie „Grand Apparat“ und „Washington’s Carriage“, gegen das neue „Tapis Persan“ von Pierre Marie oder „Touch me“ von Sandy Queudrus.
Bei den Accessoires stehen Taschen in Veau Swift, Taurillon Clemence und Vache Hunter im Vordergrund – eben rustikale, strapazierfähige Leder, die perfekt zur „Elegance Sauvage“ passen.
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Christophe Lemaire gibt mit dieser wahnsinnig tiefen Kollektion ein Statement ab, das zum Innehalten einlädt und Stil eindeutig in den Vordergrund rückt. Die Welt der It-Girls, Möchtegern-Sternchen und der „Wir-brauchen-neue-Trends-Fraktion“ geht bei ihm leer aus. High Fashion im eigentlichen und ursprünglichen Sinne gibt er hingegen die wahre Bedeutung zurück. Glaubhaftigkeit, Authentizität und Werte – dafür stehen Hermès und diese Prêt-à-porter Kollektion im kommenden Winter gleichermaßen …

  • Siegmar
    24. März 2014 at 11:43

    gefällt mir sehr, das Model hat mich irgendwie verstört, mir zu androgyn. Die Kollektion ist aber sehr gelungen.

  • Markus Brunner
    24. März 2014 at 12:13

    wunderschöne Kollektion, wundervoller bericht!!

  • thomash
    24. März 2014 at 13:06

    perfektion!!

  • Horst
    24. März 2014 at 13:32

    Très chic!

  • Daisydora
    24. März 2014 at 14:37

    Wie immer verstehe ich manches nicht, das liegt aber an mir … aber in der „Restkollektion“ sind ein paar Looks (Mäntel und überweite Hosenanzüge), die ich sehr gelungen finde …und die Nomaden-Hüte und der Bericht sind super! 🙂

  • J
    24. März 2014 at 15:26

    Eine Wohltat dass es auch ohne Supermarkt und Promis geht

  • monsieur_didier
    24. März 2014 at 17:43

    …die Mäntel sind unglaublich schön…
    ich bin begeistertt…
    und der gelungene Bericht tut sein übriges dazu …!