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Eine Hommage an die Menschlichkeit x Wer ist schon perfekt? X Pro Infirmis x Jung von Matt/Limmat

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Bild: Alexandra Wey

Mode und Behinderung, geht das zusammen? Die chice Bahnhofsstraße in Zürich bewies am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung (3. Dezember), was man machen kann, um den Betroffenen Referenz zu erweisen und die Schaufenster betrachtenden Passanten kurz inne halten zu lassen.
„Wir rennen oft Idealvorstellungen hinterher, statt das Leben in seiner Vielfalt zu akzeptieren“ … das sagen das Pro Infirmis Geschäftsleitungsmitglied Mark Zumbühl und seine Mitarbeiterin Bettina Konetschnig. Zusammen mit Jung von Matt/Limmat (Executive Creative Director Alexander Jaggy) hat man die Kampagne „Wer ist schon normal? Kommen Sie näher“ entwickelt und in fünf feinen Läden (bei Modissa in der Bahnhofstrasse 74, bei PKZ in der Bahnhofstrasse 46, bei Bernies in der Seidengasse 20 bei Schild in der Lintheschergasse 7 und bei WE Fashion in der Bahnhofstrasse 67) in Zürich Schaufensterpuppen, die dem Abbild von realen Personen entsprechen, mit Mode – hier mal zum Nachdenken anregend, gezeigt.
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Bild: Alexandra Wey

Pro Infirmis nimmt damit seine Aufgabe wahr, zum Nachdenken über die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung anzuregen. Warum nicht gerade auch dort, wo Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen geradezu mit der Nase darauf gestoßen werden, dass sie etwas anders sind, auch, weil normale Kleidung oft gar nicht passt und so genannte normale Schaufensterpuppen natürlich nicht dem Bild der Menschen mit Skoliose, Glasknochenkrankheit, solchen mit verkürzten Gliedmaßen oder deformierten Wirbelsäulen entspricht.

Die Schaufensterpuppen sind realen Personen mit Behinderung nachempfunden. Dem Radiomoderator und Filmkritiker Alex Oberholzer, Miss Handicap 2010 Jasmin Rechsteiner, Leichtathlet Urs Kolly, Schauspieler Erwin Aljukic und Bloggerin Nadja Schmid. Die ganze Aktion wurde auch in einem Video von Regisseur Alain Gsponer festgehalten.

Guckt bitte in diesen kleinen Film hinein (vielleicht besser mit griffbereitem Taschentuch …)

Pro Infirmis «Wer ist schon perfekt?»

Ich bin sicher, ihr versteht, dass ich nach diesen Bildern keine großen Worte mehr mache. Nur noch das: Ich finde diese Aktion großartig und nachahmenswert, gerade auch in der Weihnachtszeit. Ich freue mich, als Betrachter des kleinen Filmes mit zu erleben, wie man diesen Menschen ihre Würde gibt, ihnen eine kleine Freude mitten im sicher nicht einfachen Alltag macht … und ich freue mich auch darüber, dass Jung von Matt (ich sage ja immer, ihr gehört zu den Guten 😉 diese Aktion mit Kreativität und Engagement unterstützt hat, so was bringt ja nur Ruhm, aber naturgemäß kein Geld.

Pro Infirmis berät, begleitet und unterstützt Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen und Fachpersonen in der ganzen Schweiz. Jedes Jahr kommen rund 150.000 Personen in Kontakt mit Pro Infirmis.
In diesem Sinne, macht bitte alle mit … liebe LeserInnen! Nur wir, jeder einzelne von uns, kann diese Welt ein Stückchen besser, gerechter und schöner machen!

Die Anregung zu dem Bericht kam wie so oft bei sozialen Themen von Horst (Danke!), der weiß, dass unsere Leser, also ihr, den Sprung von der High-Fashion und Haute Couture zum Alltag, der Realität, mit all ihren Hürden und Schwierigkeiten, immer mühelos schafft. Dafür Danke 🙂 Habt einen schönen zweiten Advent!

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  • bernd
    7. Dezember 2013 at 13:35

    Da haben sich die Damen und Herren von JvM sicher von alten Arbeiten von Artur Zmijewski inspirieren lassen:
    http://www.inicios.es/graficos/arturZmijewskis.jpg

    Gute Sache. Hoffentlich nicht nur ein Werbegag, sondern etwas
    mit Durchaltevermögen!

  • peter
    7. Dezember 2013 at 14:16

    :-)))))))Ganz,ganz toll!!!

  • monsieur_didier
    7. Dezember 2013 at 14:20

    …der Artikel ist lobenswert, wie die ganze Aktion…
    grundsätzlich…
    ABER wenn sich eine Firma wie JvM daran versucht bzw. diese aktion erstellt, dann bin ich mehr als skeptisch…

    am besten hat mir der Satz gefallen: “Wir rennen oft Idealvorstellungen hinterher, statt das Leben in seiner Vielfalt zu akzeptieren” …
    warum wir das tun? Da hat wohl jeder seine eigene Intention…

    ich glaube, man sollte und darf nie vergessen, dass man, selbst wenn man die eigene (oder die anderer) Idealvorstellung erfüllt und erreicht hat (wenn das überhaupt je geleingt, denn diese schrauben sich ja immer in weitere Höhen) dann kann in der Dauer eines Wimpernschlags alles vorbei sein…

    mir fällt es auch manchmal schwer, Menschen, die nicht meinen Idealvorstellungen entsprechen (optischen wie zwischenmenschlichen) ohne eine Bewertung zu sehen, aber ich rufe mir das ganz oft ins Gedächtnis, dass das MEINE Wertvorstellungen sind, denen niemand entsprechen muss, und die in keinster Weise objektiv sind…
    und dann bin ich immer wieder mit viel mehr Verständnis und Gelassenheit unterwegs…

  • bernd
    7. Dezember 2013 at 17:29

    @ didier

    Ich stimme dir da zu. JvM macht mich skeptisch.
    Ob JvM wohl selbst daran glaubt?
    Ich hatte mich vor vielen vielen Jahren mal dort beworben.
    Das war alles andere als entspannt dort. Und ich habe
    einige Freunde, die dort „verheizt“ wurden.
    Ob der Satz:
    “Wir rennen oft Idealvorstellungen hinterher, statt das Leben in seiner Vielfalt zu akzeptieren…“
    eines der neuen Leitmotive bei JvM ist?
    Dann sollte ich mich nochmal dort bewerben!

    Wie ich schon oben schreibe, hat bei JvM sicher einer eine
    Zmijewski Ausstellung gesehen und sich das Thema schnell zu eigen gemacht.

    Wie schon gesagt, es sollte „von Herzen kommen“ und nicht nur eine Weihnachts-Show sein.

  • Daisydora
    8. Dezember 2013 at 10:02

    @bernd

    Alles um uns herum ist Inspiration …. und Du weißt ja sicher, dass schon einige Fotografen Editorials mit behinderten Menschen fotografiert haben … danke für Deine Info zum Thema.

    Das ist bestimmt kein Werbegag und für mich auch keine Weihnachtsshow, da der Auftraggeber ja Pro Infirmis ist und die Leute dort sicher nicht mit dem Thema spielen. Und andere machen auf dem Gebiet rein gar nichts. Ist das etwa besser, nur um sich nicht angreifbar zu machen als Werbeagentur? Klar sind solche Nonprofit Jobs Garanten für Aufmerksamkeit und manchmal sorgen sie sogar in Cannes oder New York für Ruhm und Ehre, aber das mindert ja nicht die Radikalität der Idee, Schaufensterpuppen nach dem Vorbild behinderter Menschen herzustellen und dann fünf Luxusmodeläden zu finden, die mitmachen …. oder?

    Werber können ja ganz schöne Doofmänner sein, aber vermutlich haben auch einige von denen sowas wie ein Herz, das bestimmt nicht aus Stein ist!

    @Peter

    Ja, Merci, aus meiner Feder, der Tipp kommt aber von Horst 😉

    @Monsieur_Didier

    Auch Dir dankeschön 🙂 … interessant finde ich, dass Du und bernd den Werbern von Jung von Matt gegenüber noch skeptischer sind, als ich es der Branche gegenüber bin … ich hätte schwören können, schon am obersten Ende der Skepsisskala zu liegen … 😉

    Dazu folgendes: Auch bei Jung von Matt gibt es Licht und Schatten. Aber für mich ist das zusammen mit so soliden Schuppen wie Serviceplan und einigen wenigen immer noch Deutschlands beste Werbeagentur, die auch mal klare Kante zeigt … und in den Jahren des Bestehens einige oder besser gesagt viele sehr gute Arbeiten für Kunden geschaffen hat. Da muss man ja nicht alles gut finden, das tue ich auch nicht (ich finde es zum Beispiel total blöd, dass eine Agentur mit diesem Standing der BILD die Stange hält)…

    Ich glaube, wir bewerten Menschen mehr oder weniger ganz automatisch, und mancher muss oder will das sogar beruflich tun … entscheidend ist, dass wir uns aus der Nabelschau lösen und anerkennen, dass es außerhalb unseres Gesichtskreises und unserer persönlichen Werteskala auch tolle Menschen gibt.

  • monsieur_didier
    8. Dezember 2013 at 11:48

    …werte Daisy…
    vielen Dank für Deinen respektvollen Kommentar…
    ich habe lang genug in und für Werbeagenturen gearbeitet um das sagen zu können, was ich sagte…
    nie wieder würde ich noch einmal einen Fuß in eine Agentur setzen, um dort für Geld zu arbeiten…
    leider ist diese Branche, genau wie die Kleidungsbranche, angefüllt mit Egomanen und Menschen, die sich selbst und ihren Mitarbeitern eine Basis bieten, ihre Marotten zu pflegen…
    vielleicht muss das auch so sein, damit als Ergebnis etwas ungewöhnliches, aufsehneregendes und manchmal auch innovatives entstehen kann…
    damit man schlussendlich beachtet wird und nicht untergeht im riesigen Meer von nicht gerade aussergewöhnlichen Gedanken und Ergebnissen muss man manchmal zu Mitteln greifen, die vielleicht nicht wirklich angenehm sind…
    eine Freundin von mir arbeitete bei JvM in HH und zug nach kurzer Zeit die Reßleine, weil sie alle ihre Befürchtungen und latenten Vorurteile bestätigt sah…

    nichts desto trotz finde ich jede Idee und jede Aktion begrüßenswert und unterstützenwert, die es schafft, den Blick auf Facetten zu lenken, die man ansonsten „vergisst“ und gerne mal, der eigenen Bequemlichkeit und des eigenen Wohlbefindens zuliebe ausblendet…

  • Daisydora
    10. Dezember 2013 at 12:55

    @Monsieur_Didier

    … werter Monsieur …

    Keine Ursache, Horst sagt, ich muss das so machen ;-)) … nein, ganz im Ernst, ich kann Deine Skepsis wirklich gut verstehen, war auch sehr desillusioniert, als ich festestellen musste, wie langsam, ineffeizient (da arbeiten an jedem Pusselsding viel zu viele Leute) und langweilig Agenturen hierzulande oftmals sind. Meine momentane Oberlangweiler-Agentur ist übrigens http://www.thjnk.de/ 🙂