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Die Manufaktur der guten Schuhe – JM Weston – Shoemakers since 1891

Zwar haben die meisten Männer ein entspannteres Verhältnis zur Zahl ihrer Schuhpaare als Frauen, dafür achten sie mehr auf Passform und Qualität der Schuhe. Ein ganzer Mann quetscht sich nicht in viel zu kleine Schuhe, sucht lieber weiter oder kennt ohnehin die Marken, die immer perfekt passen. Basta! Aber natürlich gibt es auch für Männer Steigerungs- und Verfeinerungsmöglichkeiten beim Schuhkauf, die nichts mit Christian Louboutin-Killer-Heels von 11 bis 15 Zentimeter Absatzhöhe (ihr wisst, das sind Heidis Wohlfühlschuhe) und einem Plateau von 5 Zentimetern zu tun haben. Aber genau hier besteht die einzige Schnittmenge mit weiblichen Begehrlichkeiten für die Füße: Der hohe Preis!

Es geht um handgearbeitete Schuhe vom Schuhmachermeister. Die kosten naturgemäß immer mehr, als das, was Jedermann bei Goertz17 an der Schanze anprobiert und in die Tüte wandern lässt. Daisy schätzt, ein guter von Hand gearbeiteter Schuh geht bei 1000 Euro los, nach oben hin sind da kaum Grenzen gesetzt; wenn man auf Hoflieferanten und andere geadelte Handwerkskünstler zugreifen will. Da liegt es nahe, Maßschuhe zu gerade noch bezahlbaren Preisen zu suchen, und Daisy hat sie bei den französischen Schuhmachern von JM Weston gefunden, für deren Modelle seit 2001 einer der renommiertesten Schuhdesigner der Welt, Michel Perry, verantwortlich zeichnet.
Ich gebe zu, immer wieder fasziniert davon zu sein, wenn ein Unternehmen seit mehr als hundert Jahren seinen Markt bearbeitet und dabei zwar mit der Zeit geht, aber trotzdem um keine Haaresbreite von den Qualitätsansprüchen an sich selbst abweicht. Bei den französischen Schuhmachern JM Weston werden es 2011 schon stolze 120 Jahre, in denen sich zwar die Stile und Leisten geändert haben mögen, nicht aber die Grundsätze bei der Herstellung.
Man verwendet bei JM Weston nur Leder, das mit dem hauseigenen „Extra Slow Vegetable Tanning“ gegerbt und gefärbt wurde. Das ergibt wetterfestes und widerstandsfähiges Leder mit einer ganz eigenen Textur und hervorragenden Trageeigenschaften. Die Schuhe sitzen, tragen sich aber weicher und leichter als traditionelle Maßschuhe, die schon durch ihre Masse und das vielfach genähte Leder knarzen und immer ein wenig brauchen, bis sie sich an die Füße gewöhnt haben.
Die vielfältigen Stile beziehungsweise Linien, die das große Sortiment bereit hält, erklären sich schon dadurch, dass man die gute Idee hatte, einen aus der gehobenen Schuhmode kommenden Fachmann, wie den Designer Michel Perry, ins Haus zu holen. Das macht vielleicht den größten Unterschied zu anderen Wettbewerbern aus, bei denen zwar sicher ganz großartige Einzelanfertigung nach jedem erdenklichen Sonderwunsch geordert werden können, aber die Auswahl an Grundmodellen eben viel geringer ist. Und wenn wir ehrlich sind, sieht man das im Straßenbild. Maßschuhe sehen sehr ähnlich aus, was möglicherweise gewollt ist. Aber warum nicht etwas modischere, weniger kompakte von Hand gearbeitete Schuhe tragen? Bei JM Weston bedeutet das sicher nicht, dass man sich mit Schuhmachermeisterhandwerk zweiter Wahl zufrieden gibt. Schon eher ist es der Zuspruch zu einem jüngeren, weniger prätentiösen Verständnis von tollen Schuhen mit allem Zipp, Zapp und Zarapp. Aber schaut am besten selbst, ob das auch etwas für euch wäre, mal ein Paar Schuhe oder Stiefeletten aus der Manufaktur der guten Schuhe im Schrank stehen zu haben… Und wenn ihr dann so weit seid und gerade nicht in Paris zu tun habt, dann reicht eine Reise nach Berlin-Charlottenburg, zu AT von Truschinsky, in der Bleibtreustrasse 27…

Jetzt muss man schon Epiloge verfassen, um seine kleinen Berichte zu rechtfertigen… Dieser Bericht war schon fertig, aber noch nicht an Horst geliefert, als euer Lieblingsblogger ganz dem Servicegedanken verpflichtet, das Sensationsergebnis im Ranking der Lieblingsschuhe der Deutschen veröffentlich hatte… also wundert euch ruhig über Daisys rührig anmutenden Versuch, das Ranking bis 2012 mit Hilfe eures guten Geschmacks graduell zu verbessern. Bitte, macht alle mit, und sei es Horst zuliebe!

Alle Bilder: JM Weston

  • siegmarberlin
    6. April 2011 at 18:03

    @ daisydora

    toller Bericht, die Schuhe gefallen mir wirklich alle. Ich werde mich mal auf den Weg nach Charlottenburg machen und dann die Preise mitteilen. Ich find es auch ganz wunderbar wenn es noch Unternehmen ( Manufakturen ) gibt die eine solange Tradition haben. Ich z.Bsp. hier in Berlin einen guten Schuhmacher, da meiner leider zumachen musste, eine äussert schwierige Aktion.

  • Rob
    6. April 2011 at 19:56

    @siegmar nee, die sind leider gar nichts!tradition hin oder her… aber der bericht ist schön 🙂

  • Daisydora
    6. April 2011 at 20:45

    @siegmarberlin

    Dankeschön… wenn du dort warst, wäre es nett, wenn du uns wissen lässt, wie die in Natura sind und was sie kosten… Die guten Schuhmacher werden in Deutschland leider immer weniger … 🙂

    Vielleicht ist bei Ludwig Reiter am Kurfürstendamm auch etwas für dich dabei. Die sind aber von den Modellen her nicht so modisch, wie JM Weston. Aber wahrscheinlich kennst du die Reiter Treter ohnehin schon…

    @Rob

    Auch dir dankeschön, Rob ….
    Ich kenne die Schuhe nur von zwei Freunden, die in jeder Hinsicht sehr zufrieden sind.
    Hast du andere Erfahrungen damit gemacht? 🙂

  • Rene Schaller
    7. April 2011 at 08:27

    Ich finde leider keines der Modelle wirklich schön. Mir sind sie zu ‚filigran‘ und der leicht angeschrägte, etwas zu hohe Absatz müsste auch nochmals überdacht werden.

  • Daisydora
    7. April 2011 at 11:29

    @René

    Hast du eine Präferenz für andere von Hand gearbeitete Schuhe? Vuielleicht für die Traditionelleren… am Ende bleiben Schuhe immer Geschmackssache, aber hier ist die Auswahl schon sehr groß ….. 🙂