Vor ein paar Wochen habe ich euch die Bergsteiger-inspirierten Boots von Gucci vorgestellt, bei denen ich mir auch heute noch nicht sicher bin, was ich von denen halten kann. Da es aber diesen Winter anscheinend nicht ohne Schuhe im Outdoor-Look zu gehen scheint, sehe ich es als meine Pflicht an, euch Stiefel zu zeigen, mit den man trendmäßig in den kommenden Monat Schritt hält und (fast noch wichtiger) die meinem kritischen Blick standhalten.
Es handelt sich hier bei diesem äußerst vorzeigbaren Modell um Boots aus dem Hause Raf Simons, die man zu allen möglichen Anlässen tragen kann – nur nicht zum Bergsteigen…
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5. September 2011
Man erlebt das in unserer von Informationen überschwemmten Zeit ja gar nicht mehr, dass einem etwas völlig neu ist, wenn man davon erfährt. Und ich wusste nicht, dass es da irgendwo zweijährige Jungs gibt, die jeden Tag als kleine Prinzessinnen gekleidet sein wollen und trotzdem echte Jungs sind, als Horst mir den Link zur folgenden Geschichte, die im abstrakten Sinne kein Einzelfall ist und anscheinend weitere Kreise ziehen könnte, schickte.
Wenn ein Kind zur Welt kommt ist das die erste Frage: Ist es ein Mädchen oder ein Junge?
Die Eltern von Storm, einem Baby das in seiner Familie bei Kathy und David Stocker (Bild oben) in Toronto aufwächst, beantworten diese Frage nicht. Ihr Kind soll selbst entscheiden, was es sein will. Das Paar hat noch eine Tochter und will dem jüngeren Kind mit diesem Experiment die Möglichkeit geben, ohne den Druck der Erwartung von geschlechtsspezifischem Verhalten aufzuwachsen. Es geht also nicht darum, das Kind damit zu überfordern, später einen Kanossagang inklusive Geschlechtsumwandlung zu riskieren, weil man ihm sein Recht auf eine klare Geschlechtsidentität von Beginn an verweigerte; vielmehr wollen die Stockers, so
verstehe ich das jedenfalls, ihrem Kind ersparen, von Beginn an weibliche oder männliche Stereotype zu erfüllen, über die wir auch im Einundzwanzigsten Jahrhundert erst noch hinauswachsen müssen.
Ein umwerfende Erfahrung in dieser Richtung macht die Autorin Cheryl Kilodavies, die in dem Buch My Princess Boy die Geschichte ihres Sohnes Dyson erzählt, der schon im Alter von zwei Jahren ein unbändiges Verlangen danach hatte, süße Prinzessinnen-Kleidchen in Pink und Rot zu tragen, mit Glitzer und romantischem Drumherum wie Libellen-Flügelchen und mehr von dieser Kleine-Mädchen-Sorte.
Man kann das naturgemäß auch kritisch sehen, dass Dyson und seine Mom von Talkshow zu Talkshow weitergereicht werden, aber die Idee beziehungsweise die Sache dahinter ist so gut wie es die ganze Geschichte ist. Dyson hat einen älteren Bruder, der wie sein Vater auch ganz normal in seiner männlichen Geschlechtsidentität lebt. Dennoch war es der ältere Bruder, der die Mutter während des Einkaufs dazu ermutigte und dazu aufforderte, den Kleinen doch bitte so zu lassen, wie er sei … da Dysons Hang, sich auch außerhalb von Halloween als Mädchen zu kleiden, ohnehin für alle unübersehbar war. Die Jungs lieben sich heiß und innig und niemand in der Familie findet auch nur irgendetwas dabei, dass der fröhliche und starke Junge gerne in Pinkfarbenen Feenkleidchen rumläuft und sich gut darin fühlt.

Ich finde das ganz wunderbar. Wünsche mir, dass Eltern selbstbewusster damit umgehen lernen, wenn ihr Kind sich nicht ganz so verhält, wie es sein sollte, wenn gesellschaftliche Erwartungen vor die individuelle Entwicklung und Entfaltung einer eigenständigen Persönlichkeit gestellt werden, was in den allermeisten Fällen so ist. Wir wissen es besser, aber warum ist es uns dennoch so wichtig, wie andere Leute das finden, wie wir oder unsere Kinder sind, obwohl uns klar ist, dass viele Menschen ihr Leben damit verbringen, die Erwartungen anderer zu erfüllen, die auch wiederum nur damit beschäftigt sind, dasselbe zu tun. Wenn man dann noch erkannt hat, wie viele Menschen nur darstellen, was sie zu sein glauben oder sein wollen, dann wird mir jedenfalls die ganze Malaise unserer anerzogenen Präferenz für erwartetes Verhalten bewusst. Ein gesundes Maß an Disziplin und gute Manieren finde ich wichtig und toll, aber so auszusehen und sich in jedem und allem nach Norm zu verhalten, wie andere das erwarten oder akklamieren, weil wir dann auch zu den Gleichen zählen, ist langweilig ohne Ende und so ein Leben in Indifferenz und Anpassung an das Gewöhnliche, das Mittelmaß, sollte man seinen Kindern ersparen.
Uniqueness ist bezogen auf unseren Sprachgebrauch ein doofes und vollkommen ausgelutschtes Wort aus der Werbung und dem Marketing, das man wirklich nicht mehr verwenden sollte, aber der Sinn dahinter, ist heute erstrebenswerter denn je. Man sollte die Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit von Menschen an ihrem umwerfenden Wesen und nicht erst an ihrem Gencode festmachen können … wir brauchen mehr echte Vorbilder, aber Kinder sollten nicht dazu gezwungen werden, ausschließlich die Blueprints anderer nachzuleben, von denen nicht bekannt ist, ob sie glückliche Menschen sind, die ein spannendes und erfülltes Leben haben.
Dyson ist ein gesundes und glückliches Kind, das sich trotz der Leidenschaft für Kleidchen als Junge fühlt und ganz sicher einer ist …
Wer mag, schaut noch hier rein, da sind dann auch viele Videos von Talkshows zum Thema zu finden.
Bilder: Screenshots, Cheryl Kilodavies

Steph Simon; Bild: City Furniture
Im März 1956 eröffnete Steph Simon am Boulevard Saint-Germain seine Galerie für zeitgenössische Einrichtung – damals eine Neuheit in Paris. Vor ein paar Jahren hat der Pariser Händler François Laffanour das Archiv der Galerie Steph Simon aufgekauft; Der Laden war puristisch eingerichtet und hatte eine geniale Kombination aus Noguchi und Mouille Leuchten gepaart mit Prouvé-Möbeln und Charlotte Perriand Hockern. Keramiken von Jouvet und Capron rundeten das Sortiment ab. Jeder der in Paris auf sich hielt und modern sein wollte, kaufte dort.

