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30. Januar 2011

Allgemein

Die Präsidentinnen / Berliner Dramolette / 1.Akt: Professionell Bloggen

Was wurde eigentlich aus …..?

Ihr kennt diese Rubrik auf der vorletzten Seite des Stern und habt darin sicher schon mal gelesen, was Eiskunstlauf-Paarlauf-Olympiasieger oder Seriendarsteller mit Stetson auf dem Kopf im wohlverdienten Ruhestand den lieben langen Tag treiben. Als Daisy sich auf die Suche nach dem Ergebnis des Workshops „Professionell Bloggen“ machte, der zum hochkarätigen Rahmenprogramm der Premium in Berlin zählte, stieß ich dabei vollkommen absichtslos auf die Antwort zur Frage nach der beruflichen Zukunft von Julia Knolle: Die Autorin von Modestrecke und eine der Präsidentinnen der Deutschen Modebloggerregierung auf Lebenszeit hat die Seiten gewechselt und berät jetzt Werber (und damit Werbung treibende Unternehmen) dabei, wie sie am besten auf Blogs werben könnten und kümmert sich wohl auch darum, dass die richtigen Blogs mit den richtigen Kunden zusammenkommen.

Verkündet wurde das auf dem Blog „Im Nahtschatten“, der von Barbara Russ geschrieben wird, einer Modestudentin. Sie durfte an dem im Bewerbungsverfahren ausdrücklich für professionell bloggende Schreiber deklarierten Workshop neben acht weiteren Bloggern teilnehmen. Als Dozentinnen konnte die Premium Mary Scherpe (das ist die mit den Milchmädchenbloggern), von Stil in Berlin und Judith Marthaler von whats-wrong-with-the-zoo, gewinnen. Julia Knolle, Ex-Les-Mads, war dann der schon im Vorfeld angekündigte – aber unbekannte – Überraschungsgast. Woher ich das mit dem Workshop überhaupt wusste? Vom Blog Blica, den Anne Feldcamp schreibt, die einige Tage vor dem Workshop bei Mary Scherpe nachgefragt hat, worum es dabei genau geht. Die erste Frage Anne Feldcamps und Mary Scherpes Antwort kommt hier:

Anne Feldcamp: „professionalisierung im bloggerbusiness klingt ja schön und gut. doch nun mal ganz konkret: wie verhalte ich mich als modebloggerIn denn eigentlich professionell? und: welche fettnäpfchen lauern da, von denen ich eventuell nichts weiß?“

Mary Scherpe: „Wir haben uns relativ schwer getan, wie wir den Workshop nennen sollen, allerdings trifft „Professionalisierung“ es noch am Besten. Das richtet sich nicht an Blogger, die ihren Blog als Hobby oder Freizeitbeschäftigung betreiben, was ja völlig legitim ist, sondern an solche, die mit ihrem Blog eine bewusste Publikation schaffen, hinter der auch ein Ziel steht. Das kann zum Beispiel der Aufbau eines Portfolios oder die Generierung von Werbung sein. Je nach Ziel, sieht die Strategie im Aufbau des Blogs und das jeweilige „professionelle Verhalten“ dann anders aus.“

Aus dieser und den weiteren Antworten wurde man dann zwar auch nicht schlauer, aber über irgendwas muss man als kritische Bloggerin ja schreiben; und mit Mary selbst gesprochen zu haben, das ist jetzt kein Gag, bedeutet in der Branche sowas wie Imagetransfer für den eigenen Blog. Das beschäftigt Daisy aber nicht weiter. Mich haben die Themen und die Teilnehmer interessiert, da die ganze Veranstaltung im Vorfeld so unglaublich hoch aufgehängt wurde. Beginnen wir mit den Teilnehmern, die das harte Auswahlverfahren erfolgreich durchliefen und für sich entscheiden konnten: Nahtschatten, das ist bereits erwähnter Blog Im Nahtschatten, von Barbara Russ, bei der ich die Rezension des Workshops fand; Jasmin von my berlin fashion wie Barbara schreibt, ist Jasmin gerade mal sechzehn Jahre alt; Matthias von Castor und Pollux, er schreibt in der Tat einen richtig guten Blog über Kunst; Anni von Stilliebe, Oliver von Zeitgeschmack, Anouk von anouk-on the brink, der Blog hat Charme, ist aber auch ein Hobbyblog einer fünfzehnjährigen Schülerin mit wenigen Posts, sie ist aber schon zwei Jahre dabei, schreibt Barbara zu Anouk. Die weiteren drei Blogger, die teilnehmen durften, hat Barbara zwar nicht kennengelernt, aber die waren wohl von Heimat Kinder, smil und Frau Jonason. Wenn man wie Daisy mit eigenen Augen gesehen hat, wie wenig die hochkarätigen Blogger ihren Lesern inhaltlich mitzuteilen haben, und, was sie zum Beispiel in dürren Wörtern über eine Modenschau wie Patrick Mohr schreiben, dann geht einem zuerst ein Licht auf und kurze Zeit später gehen alle Lichter aus.

Liebe Premium und noch liebere Dozentinnen, das kann ja wohl nicht euer ernst sein, dass ihr uns alle für total bescheuert haltet. Nehmt in eure Mitte oder unter eure Fittiche, wen auch immer ihr protegieren wollt, aber tut nicht so, als hätte das auch nur in Spurenelementen mit inhaltlicher Qualität und einer professionellen Ausführung der Blogs zu tun. Castor & Pollux ist gut, ich empfehle unseren Lesern gerne, da hineinzuschauen. Ich werde es euch gleichtun. Mir gefällt der Blog von Matthias schon thematisch sehr gut. Die anderen Teilnehmerblogs sind nichts Besonderes, nicht besonders ambitioniert gemacht oder eine Mischung aus Übungswiese und „Geschützter Bloggerwerkstätte.“ Damit wir uns hier nicht missverstehen, ich würde junge Leute immer dazu ermuntern, sich über das Schreiben drüber zu trauen, viel zu schreiben und noch mehr zu lesen und das Schreiben zu üben. Aber, wir sind uns aber doch darin einig, dass nicht mal jeder, der mit Sprache umgehen kann, auch schreiben kann und sollte, so er entweder keine Ideen hat und oder nicht über genügend Wissen verfügt. Man kann das, was wir bei Horstson Inhalte nennen, ja nicht einfach außeracht lassen, oder?
Zugegeben, man kann das Inhalte generieren auch erlernen, so man nicht vor lauter Selbstzufriedenheit platzt und den Bedarf dafür nicht (an)erkennt. A pro Pos erlernen können und Inhalte – das was in den zwei Stunden Workshop gelehrt wurde, ist schnell aufgezählt:

Tagesordnungspunkt 1., Die Vermarktungsformen, man kann auch Werbemöglichkeiten und –formen auf Blogs dazu sagen;

Tagesordnungspunkt 2., Fokus, selbständige Vermarktung, was so viel bedeutet wie: Ohne die Hilfe von Glam mit dem Blog Geld verdienen, denn die nehmen doch tatsächlich Geld dafür, dass sie Werbekunden bringen ….. da wird dann in Zukunft vielleicht Julia Knolle helfen;

und am Ende gab es noch den Tagesordnungsunkt Diskussion. Das riecht sehr nach einer nicht als Werbung gekennzeichneten Promotion für Blogvermarkter, wogegen Daisy gar nichts hätte, wäre da nicht auch der Fakt dieser Farce.

Wie kann man überehrgeizige Teenager und die sicherlich sehr enthusiasmierte Jungbloggerin Barbara Russ, die ihren Blog erst seit dem 7.Juli 2010 schreibt und in dieser Zeit ganze einhundertneunundsechzig Berichte verfasst hat, in eine völlig falsche Himmelsrichtung schicken. Eure Talente, die ihr da aus allen Bewerbern heraus selektiert habt, sind vielleicht in einigen Jahren so weit, inhaltlich halbwegs gehaltvolle und spannende Blogs zu schreiben. Auf dem Weg haben aber alle außer Matthias von Castor & Pollux noch Einiges zu lernen. Mitunter auch das Schreiben. Mein Rat an unsere Bloggerrepublik Staatspräsidentin Mary Scherpe: Wie wäre es mit einer Bühne, auf der du dein Talent und Können mal wirklich unter Beweis stellen müsstest? Vor einem Publikum, das nicht vor lauter Ehrfurcht zu allem Ja und Amen sagt und auch dann applaudiert, wenn es nichts für sich und das Stadium des Lernprozess Essentielles im Workshop erfährt. Grandios! Barbara, die seit einem halben Jahr bloggt, macht sich jetzt schon Gedanken darüber, wie sie ihren Blog gewinnbringend vermarkten kann. Als hätte der Herr vor die Arbeit, das Lernen und das fleißige Schreiben das Geldverdienen gesetzt! Hauptsache, die Präsidentinnen finden immer neue Bühnen und Stücke, die ihren Ruf mehren. Denn, der ist bares Geld wert. Und das relativ anstrengungsfrei.

Bloggern, die es wirklich ernst damit meinen, was lernen zu wollen, um dann peu à peu richtig gute Blogger zu werden, denen empfehle ich eines der ältesten und besten Prinzipien der Welt: Vorbilder! Sucht euch denkende und schreibende Menschen und lernt von denen. Das müssen noch nicht mal Blogger sein. Schon gar nicht Modeblogger. Und wenn ja, dann zum Beispiel solche wie er. Schaut bitte kurz in beide Filme mit Scott Schuman rein. Es ist ein Vergnügen, Menschen, die ihren Beruf beherrschen und lieben, bei der Arbeit zu beobachten.

Wenn ihr, liebe Horstsonians und Leser anderer Blogs die wahren Präsidentinnen sehen und erleben wollt, dann könnt ihr das im Thaliatheater im gleichnamigen Stück von Martin Schwab.

Allgemein

Die Woche auf Horstson

Das wir das nochmal schaffen: Keine Fashionweek mehr in Sicht. Im Grunde genommen haben wir eine Liveberichterstattung in den letzten Wochen aus Berlin, Paris und Mailand gehabt und wir kamen uns ein wenig vor wie die Antonia Rados der Mode.
Für diejenigen, die in den letzten Tagen vielleicht zuviel Dschungel-Camp geguckt haben und daher manchmal nicht auf Horstson nach dem Rechten geschaut haben – Hier die Highlights der Woche:
1) An was hatte Jan bloß gedacht, als er den Artikel „Jetzt kommen die Tränen wieder auf Knopfdruck“ getippt hat? Zumindest sind die vermutlich traurig-schönsten Songs zusammengefasst worden
2) Givenchy hatte uns gleich zweimal verzückt. Einmal bei der Haute Couture Show und bei den Herren waren es die Rottweiler, die unser Herz im Sturm erobert haben
3) Peter schaute sich für uns die Haute Couture Show in Paris persönlich an und konnte feststellen: Bei Chanel macht Karl alles richtig
4) Daisydora fasste nochmal einige Kollektionen zusammen, die wir nicht mit einem eigenen Bericht gewürdigt haben, die aber eine Erwähnung verdient hätten: Die Männermodenachlese
5) Trägt der Schneider die schlechtesten Kleider? Manchmal ja – zumindest wenn man sich den Kleidungsstil einzelner Designer anschaut, fragt man sich, ob die die eigene Kollektion schonmal gesehen haben
6) Was war zuerst da? Das brombeerfarbene Hemd von Raf Simons für Jil Sander oder das von Michael Michalsky und wer hat sich von wem „inspieren“ lassen?