Ausstellung

Thom Browne Selects – Schätze aus dem Cooper Hewitt, Smithsonian Museum in New York

(Installation „Thom Browne Selects“ Photo by Matt Flynn © 2016 Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum)

Dass Museen neue Wege gehen müssen um ihre Schätze zu präsentieren und um neue und jüngere Zielgruppen zu erschließen, liegt auf der Hand. Keiner geht mehr in Museen, um sich trockene Sammlungen von Porzellan oder Musikinstrumenten des 18. Jahrhunderts anzuschauen. In den letzten Jahren haben sich die Ausstellungsthemen, die Art der Darstellung und des Kuratierens von Objekten stark verändert. Besonders Kunstgewerbe- und Designmuseen gehen völlig neue Wege. So erleben aktuell Modeausstellungen, wie zum Beispiel die Gaultier- oder Alexander McQueen-Ausstellung, Besucheranstürme. Luxuslabels inszenieren um ihr Handwerk und ihre Tradition zeitgemäss darzustellen Retrospektiven. Das MAK in Wien ließ seine gesamte Sammlung inklusive Helmut Lang Archiv vom Wiener Designbüro EOOS neu gestalten; das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe erreichte mit Ausstellungen wie „Fast Fashion“ und „Mythos Chanel“ Rekordbesucherzahlen.
Thom Browne
Thom Browne; Photo by Circe. Courtesy of Thom Browne International

Auch jüngere Menschen gehen in Museen, nur muss die Vermittlung von Wissen und Kultur heute auf eine andere Weise geschehen. Plakativer, weniger Objekte und extrem dekorativ heißen die Zauberwörter – gestaltet von einem prominenten Architekten oder einer prominenten Person.
Das Cooper Hewitt, Smithsonian Designmuseum in New York geht schon seit vielen Jahren mit der Ausstellungsserie „Selects“ neue Wege. Das Museum ist seit 1897 auf zeitgenössisches Design spezialisiert und kann auf den unglaublichen Bestand von 210.000 Objekten zurückgreifen. Natürlich kann davon immer nur eine Auswahl gezeigt werden, der Rest schlummert meist in den Depots und Magazinen. Um mit besonderem Auge, das die Kuratoren von Museen oft gar nicht haben können, diese wundervollen Schätze wiederzuentdecken, kooperieren das Team von Cooper Hewitt, Smithsonian häufig mit Modedesignern. Diesmal hat sich Thom Browne mit dem Thema „Reflection“ beschäftigt und die umfangreiche Kollektion von Spiegeln und Bilderrahmen des Museums unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist die Ausstellung „Thom Browne Selects“, die noch bis zum 23. Oktober 2016 in der Nancy und Edwin Marks Galerie als 13. Ausstellung der Serie zu sehen ist.
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Installation „Thom Browne Selects“ Photos by Matt Flynn © 2016 Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum
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Installation „Thom Browne Selects“ Photos by Matt Flynn © 2016 Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum

Thom Browne ist bekannt dafür, klassische Damen- und Herrengarderobe, Schneiderhandwerk, Uniformität und Militaryeinflüsse miteinander zu verbinden. Seine Modenschauen im Stil von Kraftwerk und futuristischen Doppelungen sind legendär.
Für die Installation wählte er über 50 Objekte aus – darunter französische Bronzespiegel aus dem 18. Jahrhundert, Spiegel des Jugendstils, Bronzespiegel von Hector Guimard, Designobjekte von Edgar Brandt, Carel Adolph Lion Cachet, Jim Dine und Tommi Parzinger. Dazu wurden von Osborne & Little spezielle Tapeten entwickelt und 56 Paar seiner Kultschuhe in silbernem Spiegelleder gearbeitet. Sein verspiegelter Schreibtisch und seine Büroausstattung in Midcentury ist „Horstson“-Lesern bestens aus der Ausstellung im Le Bon Marché in Paris bekannt.
Hand mirror. New York, New York, USA, 1938. Designed by Tommi Parzinger (German, active USA, 1903–1981). Made by Peter Reimes. Engraved rolled silver, mirrored glass. H x W x D: 27.9 x 15.5 x 0.8 cm (11 x 6 1/8 x 5/16 in.). Museum purchase from Walter R. Scholz Memorial Fund, 1998-21-1.
Handspiegel. New York, New York, USA, 1938. Designed by Tommi Parzinger (deutsch-amerikanischer Grafiker und Designer. Gestorben am 19.03–.1981). Made by Peter Reimes. Graviertes, gerolltes Silber, verspiegeltes Glas. H x W x D: 27.9 x 15.5 x 0.8 cm (11 x 6 1/8 x 5/16 in.). Museum purchase from Walter R. Scholz Memorial Fund, 1998-21-1.

Thom Browne hat die Arbeit an der Ausstellung ungeheuren Spaß gemacht: “When approaching this project and exhibition, I was drawn to the collection of mirrors and wanted to create an installation that played on the idea of reflection—giving the viewer the idea that his or her reflection is a work of art. My intent was also to play with the idea of uniformity and individuality“
Installation view of "Thom Browne Selects." Photo by Matt Flynn © 2016 Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum
Installation „Thom Browne Selects“ Photo by Matt Flynn © 2016 Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum

Dass Kunstgewerbeausstellungen überhaupt nicht langweilig sein müssen und viele der wunderbaren Exponate eine völlig neue Bedeutung bekommen, zeigt Thom Browne in „Thom Browne Selects“ deutlich. Wer nach New York kommt, sollte die Ausstellung in keinem Fall verpassen. Aber auch ein Besuch in deutschen Museen lohnt sich – denn auch dort werden neue Wege der Präsentation gegangen …

Thom Browne Selects
Cooper Hewitt, Smithsonian Designmuseum
Adresse: 2 E 91st St, New York, NY 10128, Vereinigte Staaten

Die Ausstellung läuft noch bis zum 23. Oktober 2016.

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  • Siegmar
    1. April 2016 at 15:51

    Spannend, würde ich mir gerne ansehen. gute Idee für das Kunstgewerbemuseum hier in Berlin, die haben modernisiert, so ein Highlight wäre sicher ein Gewinn.

    Lieber Peter nochmal, alles erdenklich Gute zum Geburtstag! 🙂

  • PeterKempe
    1. April 2016 at 23:13

    Lieber Siegmar, genau an das Kunstgewerbemuseum hab ich auch gedacht. Die haben so super Sachen und keiner weiß es!

  • Martina
    2. April 2016 at 09:57

    Insgesamt sicher schön, aber die einzelnen Spiegel sind nicht erklärt, oder? Was nützt dann eine Ausstellung?

  • PeterKempe
    2. April 2016 at 12:24

    Liebe Martina, im Museum sind die einzelnen Spiegel und Objekte erklärt. In unserem Artikel war leider zu wenig Platz, um darauf einzugehen. Aber der Tommi Parzinger Spiegel ist ein Beispiel für die mehr als 50 Objekte.