Damenmode

Prada Cruise Collection 2017/18 – Urban Lingerie

(Prada Cruise Collection 2017/18; Bild: Prada)

Zwei Tage vor ihrem Geburtstag zeigte die Mailänder Designikone Miuccia Prada vor ausgesuchten Journalisten in der Fondazione Prada ihre Cruise Collection 2017/18.
Mario Prada, der 1913 das „Fratelli Prada“, ein Gepäck- und Schirmgeschäft in der Galleria Vittorio Emanuele II, gegründet hatte, wäre heute sicherlich erstaunt, was seiner Enkeltochter in den letzten 39 Jahren gelungen ist – vor allem, dass sich Prada, trotz sehr eigenem Stil und einer eindeutigen Designhandschrift, so ständig mit dem Zeitgeist wandeln konnte.
Miuccia Prada ist 1978 in das Unternehmen eingetreten. 1985 hatte sie die Idee, für Handtaschen, Gepäck und Rucksäcke schwarzes und farbiges Nylon zu verwenden – sie entwickelten sich sofort zum Bestseller. Mit ihrem Ehemann, Fabrizio Bertelli, lanciert sie 1988 die erste Women’s Collection. Später kam Miu Miu, ihre zunächst als Zweitlinie konzipierte Kollektion, dazu und 1995 dann die Prada Menswear. Das Portfolio der Prada Group wird im Laufe der Jahre durch die Schuhfirma Church Shoes aus England und der sehr italienischen Firma Car Shoes erweitert.

Prada Cruise Collection 2017/18; Bilder: Prada

Trotz vieler kommerzieller Entwürfe schaffte es Miuccia Prada immer wieder, konsequent ihre Handschrift auszubauen. Sie verlässt nie ihren Weg, der die Wurzeln des Hauses mit den Einflüssen kontemporärer Kunstströmungen auf ureigenste Weise verbindet und einen immer wieder überraschenden, gut zu erkennenden Prada-Stil kreierte. So brachte sie in den Neunziger Jahren den grafischen Dekor in den Purismus und in modisch opulenteren Zeiten wandelt sie ihren Stil mit der gekonnten Balance zwischen weglassen und Brüchen, die zunächst ungewohnt erscheinen, aber dann doch immer wieder trendweisend wirken. Ihre Schuhe und Taschen sind seit Jahrzehnten trendweisend für die ganze Branche und werden tausendfach kopiert.

Prada Cruise Collection 2017/18; Bilder: Prada

Die aktuelle Cruise-Linie knüpft an die frühen Designs der Neunziger und spielt mit vielen Lingerie-Effekten zwischen Transparenz und Verhüllung. Miuccia Prada setzt grafische, scheinbar einfache Linien gegen raffinierte Details und handwerkliche Kür. Fast elfenhaft und mit Feen-Attitüde betraten die Models den Runway. Sofort kommen Assoziationen zu Helmut Langs revolutionärer Spring/Summer 1998 Kollektion auf, die Maßstäbe setzte und vorwiegend auf die Farbe Weiß aufgebaut war.

Prada Cruise Collection 2017/18; Bilder: Prada

Femininität steht im Vordergrund, Begriffe wie Sophia Coppolas Film „Virgin Suicides“ kommen einem, durch eine Weiblichkeit, die fast verletzbar wirkt, in den Sinn. Streng geschnittene, weiße Baumwollblusen und -kleider erhalten Überwürfe aus Gaze und Chiffon in Dégradée-Abstufungen und pastellfarbenen Colour-Blocking. Trägerröcke mit drapierten, großen Keulenärmel-Blusen oder Blousons, die eine Hommage an Rei Kawakubo zu sein scheinen. Das Spiel mit Licht und Schatten, opaque Effekten und Durchsichtigkeit, wird gelöst durch viele Plissees, Falten und mädchenhafte, an die Zwanziger und Dreißiger Jahre erinnernden Krägen und Plastroneinsätze.

Prada Cruise Collection 2017/18; Bilder: Prada

Highlights sind die Überblendungen von puren avantgardistischen Formen und mädchenhaften Charleston-Kleidern, Jumpsuits und mit Federn besetzen Negligés. Die Basis bilden Lingeriekleider, die halb sichtbar, fast züchtig unter Kostümen oder Kleidern den Ausgang der Layer Looks bilden. Kostbare Paillettenstickereien im Art-déco-Stil, viele Federn, gesmokte und drapierte Effekte, Sonnenplissees und immer wieder Chiffon, lassen den Looks eine beieindruckende Leichtigkeit bekommen.
Dazu, wie so oft bei Miuccia Prada, Kniestrümpfe mit Artworks, die an Ornamente des Jugendstils erinnern und Running Shoes mit Klettverschlüssen, Lackpumps oder in Gold und Silber gehaltenen Sandaletten der Dreißiger Jahre. Sichtbar aber nicht sexy, wie immer bei Prada, selbst wenn mit Transparenz gespielt wird, weiblich aber trotzdem emanzipiert, auch wenn Zerbrechlichkeit suggeriert wird – man merkt, das eine Frau für Frauen designt, dazu eine, die weiß, wie der Alltag aussieht und die ihre Kleider für eine Zielgruppe entwirft, die mit der Geschmacksbildung bereits abgeschlossen haben.

Prada Cruise Collection 2017/18; Bilder: Prada

Prada ist ein Stil, der, genau wie die zeitgenössische Kunst, polarisiert. Es ist ein Stil, der wenig gefällig ist und mit Konzept um die Ecke denken will – etwas, was aus wirtschaftlicher Sicht kein einfacher Weg mehr ist, aber die DNA einer Marke langfristig erhält und das Rezept ist, um sich vom einheitlich erscheinenden Modebrei, der manchmal vorherrscht, abzusetzen.
Der Spagat zwischen Bekleidung und Bekleidungskunst ist und war schon immer das, was Miuccia Prada reizte. Sie provoziert ein wenig, aber schließlich setzt sich alles durch.

Prada Cruise Collection 2017/18; Bilder: Prada

Die Cruise Collektion bildet mit ihrer „Urban Lingerie“ einen wunderbaren Ausflug in die Weiblichkeit. Sie ist romantisch, ohne kitschig zu sein und beweist, dass Active-Wear-Elemente als Applikationen und Hightechmaterialien 2017 wunderbar dieses Bild ergänzen.

Romantisches, realistisches Zwischenspiel bei Miuccia Prada für die Cruise 2017/18.

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  • Siegmar
    15. Mai 2017 at 14:37

    Sehr gelungen, sehr schön

  • Karl
    15. Mai 2017 at 15:12

    Gefällt!