Damenmode

Chanel Cruise Collection Havanna – Coco Cuba Libre 

(Bild: Olivier Saillant)

Das Abenteuer, eine Cruise Collection auf Kuba zu präsentieren, ist vor einigen Tagen das Haus CHANEL eingegangen. Sicherlich ist CHANEL damit nicht nur das erste Modehaus, das in dem sozialistischen Staat eine Luxusmodekollektion präsentiert, sondern auch ein Meister der Logistik. In einem Land, in dem der Durchschnittsverdienst bei 25 US Dollar im Monat liegt und in dem manchmal sogar die Internetverbindungen ein Problem darstellen, bedeutet es einen enormen Aufwand, neben den 700 Gästen auch die Kollektion und sämtliches Equipment ins Land zu bringen. Seit dem letzten Jahr hat sich einiges in Kuba geändert und die einzige Auflage, die noch an den Sozialismus erinnert, war sicherlich, dass das Defilee der Öffentlichkeit zugänglich sein musste.
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Bild: Olivier Saillant

Die Präsentation stellt ein neues Kapitel im Haus CHANEL dar, das sicherlich in die Annalen des Hauses eingehen wird. Die meisten Rezensionen der Schau gleichen Reiseberichten, dabei ist das, was gezeigt wurde, nämlich die Cruise Collection 2016/17, die im November in die Boutiquen kommt, eine der umsatzstärksten Kollektionen. Zudem war es auch eine, in der viel Tragbares, Humorvolles und von den CHANEL-Kunden Ersehntes zu sehen war.
Dass es bunt, lässig und leicht werden würde, war schon aufgrund der Location abzusehen. Dass es dann aber so ein Fest der Fröhlichkeit wurde, ist eine schöne Bestätigung. Das Wetter auf Kuba machte es dann auch nicht zu einem Risiko, die Schau unter freiem Himmel zu zeigen.
Cruise 2016-17 collection - Decor pictures by Olivier Saillant
Bild: Olivier Saillant

Der Paseo del Prado ist eine der Hauptschlagadern der kubanischen Hauptstadt und ein großer Boulevard, der normalerweise mit seinen Bänken unter Bäumen vor der Kulisse der Arkadenhäuser in Pfefferminzfarben zum Bummeln einlädt. Da Coco Chanel nie auf Kuba war und das französische Modehaus grundsätzlich einen Bogen zu seinen Locations spannt, passte gut, dass der Boulevard von sechs großen Löwenstatuen gesäumt wird – dem Sternzeichen, unter dem Coco geboren wurde. Der Boulevard, ursprünglich im 18. Jahrhundert angelegt, wurde zudem 1928 von dem französischen Landschaftsarchitekten Jean-Claude Nicolas Forestier so verändert, wie er heute noch erstrahlt – praktisch für CHANEL, denn so war die kubanisch-französische Brücke hergestellt.
In Kuba fahren immer noch viele amerikanische Straßenkreuzer aus den Vierziger und fünfziger Jahren; nicht, weil es so chic ist, sondern weil sie einfach noch da sind und sich nur die wenigsten Kubaner neue Autos leisten können. Die Gäste der Schau wurden alle in solchen candyfarbenen Schlachtschiffen zur Schau chauffiert und natürlich kommen die Autos auch als Drucke, genau wie die berühmten kubanischen Zigarrenkisten, auf vielerlei Kleidungsstücken und Accessoires vor.
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Tilda Swinton; Bild: Stephane Feugere

Zur Vorbereitung einer solch komplexen Kollektion gehört für Karl Lagerfeld gründliche Recherche, um die Eigenheiten und beliebtesten Kleidungen herauszufiltern, und in den typischen CHANEL-Stil abzuwandeln. Natürlich spielt auch der kubanische Nationalheld Che Guevara eine Rolle: sein Barett und seine Feldjacke wurden kurzerhand neu interpretiert. Schön laissez-faire, die von Livemusik auf dem Boulevard zelebrierte Schau, die in einem furiosen Finale von Models und Musikern endete.
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Bilder: Courtesy of CHANEL

Schon der erste Durchgang unterstrich die Silhouette der Cruise Collection, die, wie könnte es anders sein, in einem militärischen Land mit den Aspekten von Weiblichkeit und Männlichkeit spielte. Schwarz-weiß, dazu natürlich der Panama-Hut der Maison Michel, der auf Kuba fast zum Kulturgut gehört. Stella Tennant eröffnete das Defilee, das gleich mit Reminiszenzen an das Art déco und den Tuxedo startete. Die dreißiger und vierziger Jahre waren eine Blütezeit Kubas und die Debütantinnen Kleider aus besticktem Tüll und Organza erinnern gleichermaßen an die Eleganz und an den Evita-Perón-Chic. Highlight hier die langen, maskulinen Jacketts über weiten Marlene Hosen mit flachen, zum Teil zweifarbigen Schnür- oder Collegeschuhen. Assoziationen an Marlene Dietrich und Al Capone kommen auf. Eine Klassik, die immer wieder ihr Comeback feiert und einfach umwerfend aussieht.
Weiße Hemden mit schwarzen Krawatten, Bolero Tuxedos mit weiten Röcken und Petticoats – die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart ist genau so auf Kuba spürbar und ergibt so einen neuen Look.
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Bilder: Courtesy of CHANEL

Die „Guayabera“ ist eine traditionelle Jacke und wirkt wie eine Mischung aus Militärfeldjacke und Saharienne. Mit vier geknöpften aufgesetzten Taschen, Epauletten auf den Schultern und flachen Falten bildet sie einen weiteren Schwerpunkt der Cruise – „Cuban Tux“, wie Karl Lagerfeld erklärt.
Von khakifarbenen Canvasstoffen über den leichten Sommer-Loop bis zur transparenten Bluse spielt er mit der Form und kombiniert sie zu gestreiften Pyjamahosen und zu aufgerollten Chinos mit breitem Umschlag.
Zum Abend entfaltet dann die Guayabera ihre Sinnlichkeit in schwarzem Gazar, kombiniert mit weitem, mandelgrünen Rock und Wespentaillengürtel.
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Bilder: Courtesy of CHANEL

Militärparka, Shorts und Jacketts der Pazifikarmee werden „verweiblicht“ und in khakifarbenen Tweed und Denim übertragen und mit verspielten Details entschärft. Die T-Shirts der GIs werden zu fröhlichen „Coco Cuba Libre“-Shirts und stehen mit Sicherheit ganz oben auf den Wartelisten in den Boutiquen. Ausgefranste Tweedparker und von Montex und Lesage bestickte Shirts runden die Parade ab.
Radlerhosen werden mit Strass bestickt, Kamelien zu Palmen bedruckten Oberteilen getragen, Seidenkleider im Stil der Dreißiger Jahre und Pencil Skirts werden zu Rumba Rhythmen vorgeführt. Fröhlicher Mustermix und gewolltes „daneben“ kombinieren erinnert an die Garderobenkombi von alt und neu, aus dem Kubaner eine eigene Eleganz kreieren.
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Bilder: Courtesy of CHANEL

Die legendären Buick-, Oldsmobile- und Cadillac-Straßenkreuzer tauchen auf Seide gedruckt auf Dressing Gowns, Röcken, Blusen und Tüchern in Candyfarben auf.
Überhaupt sind die Farbpaletten der Cruise inspiriert durch die fulminanten Farben der Barockfassaden von Havannas Altstadt: Gelb, Pink, Orange und Türkis und so sind dann die Paillettenkleider in breitem Grün und korallenrot besticktem Tweed gearbeitet.
Die tabak- und havannabraunen Töne entlieh sich Karl Lagerfeld den Gemälden des „kubanischen Picassos“, Wifredo Lam. Einen Maler, den den Designer verehrt und der auf Kuba sehr bekannt ist.
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Bild: Anne Combaz

Bei den Handwerkstechniken schufen die CHANEL-Ateliers wahre Wunder, die erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. „Tropische Vegetationsmotive“ wurden zwischen Tüllschichten appliziert, um einen Reliefeffekt zu erzielen und um die Blätter der „Monstera Deliciosa“ hervortreten zu lassen. Die Panamahüte der Maison Michel haben ihren großen Auftritt und das Barett von Che Guevara verwandelt sich in glamouröse Paillettenmützen.
12_Cruise 2016-17 collection - Accessories pictures by Anne Combaz
Bild: Anne Combaz

Flache Schnürschuhe, Flip Flops mit Ketten und Sandalen mit Söckchen getragen, dazu allerlei lässige Taschen aus Stoff, bestickt oder gehäkelt und last but not least die „Cocohiba“-Tasche als Anspielung auf die berühmten Cohiba Zigarren als Zigarrenkisten-Clutch.
14_Cruise 2016-17 collection - Finale pictures by Olivier Saillant
Bild: Olivier Saillant

Nach dem furiosen Finale zogen die Crew, Karl Lagerfeld und alle Gäste auf den Platz vor der Kathedrale, den „Plaza de la Catedral“ in Havannas Altstadt und feierten eine ausgelassene Party.
Auch wenn der Alltag der Kubaner mit Sicherheit nicht immer so bunt ist, gibt Karl Lagerfeld mit dieser Kollektion ein fantasievolles Statement für CHANEL ab, das Mode so zeigt, wie sie sein soll: fröhlich, umwerfend und inspirierend.
Kuba öffnet sich immer mehr und eines ist gelungen: Ein weiteres Land wurde „chanelisiert“. Was da wohl Che Guevara zu gesagt hätte? Wahrscheinlich würde er sich klammheimlich einen der tollen Pins in Palmenform oder Cadillac Nummernschild kaufen und an sein Fieldjackett stecken. Dem Charme von CHANEL erliegen auch strenge Sozialisten …

Cruise 2016/17 CHANEL-Show in Cuba

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  • Elke Kempe
    6. Mai 2016 at 11:30

    Eine Supershow,hastDu gut rübergebracht,feine,feine!!

  • Siegmar
    6. Mai 2016 at 11:40

    wunderbarer Artikel und Lagerfeld setzt wieder alles beeindruckend um seine Ideen sind toll und die bunten Sachen super gelungen. Kuba gönne ich so eine Party und hoffe, dass die Menschen dort, die extrem sympathisch wieder in einem vernünftigen Wohlstand leben werden.

  • Horst
    6. Mai 2016 at 12:03

    Auf jeden Fall super, leider finde ich, dass manchmal zu tief in die Klischeekiste gegriffen wurde: die Models rauchten Zigarren …

  • PeterKempe
    6. Mai 2016 at 12:06

    Weil es um die Vorstellung eines Landes mit Kinderaugen geht! Das find ich super !

  • Markus
    6. Mai 2016 at 15:57

    ganz wunderbar geschrieben, die herleitungen wie immer super fundiert und informativ, tolle fröhliche leichte kollektion, bravo

  • Pauö
    6. Mai 2016 at 16:55

    Ach Peter <3
    Also ein Cadillac Pin ist definitiv sein bei mir … Und die Cocohiba Tasche ein Träumchen

  • Gerold
    6. Mai 2016 at 20:58

    eine einmalige Kollektion und Bericht!
    faszinierend wie Karl mi den Klischees von Kuba spielt uns sie auf eine charmante und augenzwinkernde Weise umsetzt:

  • Stephanberlin
    7. Mai 2016 at 15:29

    Leider finde ich persönlich Kuba, die ganze Karibik und die dazugehörigen Klischees grauenhaft, auch wenn ich noch nie dort war (auf Kuba) Frauen mit Panama-Hut und Zigarre in der Hand sind mir echt too much.
    Aber wie immer: es waren tolle Teile dabei, besonders die, die eher nach Fidel Castro aussahen!

  • Chanel Cruise Cuba: Die Männer | Horstson
    9. Mai 2016 at 12:15

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